Sport Gerlspeck Das Aus ist da

Die Leute kommen und lassen sich beraten, dann kaufen sie im Internet. Dieter Gerlspeck nennt das "Beratungsdiebstahl".

(Foto: Renate Schmidt)

Konkurrenz im Onlinehandel und Gewerbegebiete machen es Einzelhandelsgeschäften schwer. Das muss jetzt auch Dieter Gerlspeck erfahren.

Von Julia kainz, Erding

Schon bald wird Erding auf ein alteingesessenes Traditionsunternehmen verzichten müssen: Nach mehr als sechzig Jahren als fester Bestandteil der Erdinger Geschäftswelt muss Sport Gerlspeck schließen: Die Wintersaison 2018/2019 wird die letzte Saison für den Laden sein, das bestätigt Inhaber Dieter Gerlspeck bekannt: Die beiden Läden an der Langen Zeile und im Sempt-Park in Aufhausen werden ihre Türen schon bald für immer zumachen. Grund dafür seien vor allem große Gewerbegebiete und der Onlinehandel.

Schon im Frühjahr 2014 stand Sport Gerlspeck kurz vor dem Aus. Damals rutschte das Unternehmen in die Insolvenz, weil die Bank alle Kredite unerwartet sofort fällig gestellt und unerwartet den Geldhahn zugedreht habe, sagt Dieter Gerlspeck. Dem Inhaber gelang es aber, sein Unternehmen zu retten. Dass er seine Geschäfte jetzt, fünf Jahre später, schließen muss, habe jedoch andere Gründe, eine Insolvenz drohe nicht, sagt er: "Eine Vielzahl von externen Einflussfaktoren hat das Einzelhandelsunternehmen in die Knie gezwungen." Grund sei vor allem der Strukturwandel im Einzelhandel. Wie Gerlspeck sagt, war eine der ersten spürbaren Veränderungen der Bau des Gewerbegebiets Erding West. Dadurch sei es zu Umsatzeinbußen und stagnierender Kundschaft gekommen. Darunter leide nicht nur sein Geschäft, sagt Gerlspeck, sondern viele Einzelhändler - nicht nur in Erding, sondern auch landesweit. "Ich war nicht der erste und werde auch nicht der letzte sein", sagt er.

Das größte Problem sei jedoch der massiv wachsende Onlinehandel gewesen. Gerlspeck nennt ihn als den "Hauptverantwortlichen" für die Schließung seiner Geschäfte. Ihm zufolge lassen sich sieben von zehn Kunden im Geschäft ausführlich beraten, kaufen die Ware dann aber vermutlich online oder beim Hersteller selbst auf dessen Plattform. "So bleiben die Kosten beim Einzelhändler, der Umsatz hingegen bei der Fertigung und im Großhandel", erklärt Gerlspeck. "Zurück bleiben ausgenutzte Fachberater in den Geschäften." Er nennt das "Beratungsdiebstahl". Die hohe Preisvergleichbarkeit in seiner Branche habe die Situation in seinem Geschäft besonders verschärft.

Zu den Umsatzeinbußen hinzu kam für Gerlspeck die Abhängigkeit von Mietflächen, die ebenfalls bezahlt werden mussten. Obwohl sein Vermieter stets partnerschaftlich gehandelt habe, sei so der Druck auf das Unternehmen täglich spürbar gewachsen. Seine Mitarbeiter hätten größtenteils bereits neue Anstellungen gefunden, sagt Gerlspeck. Auch die Mitarbeiter, die den Laden bis zur Schließung begleiten, hätten bereits Zukunftspläne.

Den "gewaltigen Schritt", der jetzt auf ihn zukommt, geht Gerlspeck "mit großem Bedauern." Er habe lange versucht, sich gegen den Trend zu stellen und den Laden in der Innenstadt mit privaten Mitteln zu retten. Jetzt werden sich die Türen von Sport Gerlspeck dennoch schließen: Ende März in der Innenstadt, Ende April im Sempt Park. Die Geschäfte seiner Geschwister sind von der Schließung nicht betroffen. Das direkt angrenzende Schuhgeschäft von Rainer Gerlspeck sowie der Lagerverkauf von Sabine Schreder bleiben bestehen. Für mögliche Nachfolger seines Ladens sieht Gerlspeck ein Problem. "Der Markt wird immer ungünstiger und bietet der nächsten Generation keinerlei Chancen mehr."

Der Räumungsverkauf startet im Geschäft in der Langen Zeile am Donnerstag um 9 Uhr. Für Vorbereitungen ist der Laden am Mittwoch deshalb geschlossen.