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Sport:Aus der Bahn geworfen

DJM 2019

Amelie Zachenhuber ist Bundeskadersportlerin und SZ-Talentiade-Preisträgerin. Auch international ist sie mittlerweile erfolgreich.

(Foto: oh)

Der Bayerische Schwimmverband löst zum 1. Januar 2021 den Landesstützpunkt Erlangen auf und verlängert nicht den Vertrag mit Roland Böller, dem Trainer von Amelie Zachenhuber. Für die 16-jährige Eittingerin steht nun alles auf der Kippe

Von Regina Bluhme, Eitting/Nürnberg

Für das Schwimmtalent Amelie Zachenhuber aus Reisen hat das vergangene Jahr viele Veränderungen gebracht. Die Bundeskadersportlerin und SZ-Talentiade-Preisträgerin ist mit 15 Jahren nach Nürnberg ins Sportinternat gezogen und besucht die Bertold-Brecht- Eliteschule des Sports. Sie trainiert bei Landesstützpunkttrainer Roland Böller im benachbarten Erlangen. Inzwischen hat sie sich gut eingelebt. Doch nun steht alles auf der Kippe. Der Landesstützpunkt Erlangen wird zum 1. Januar 2021 aufgelöst und nach Nürnberg verlegt, zugleich hat der Landesverband Roland Böllers Vertrag nicht verlängert. Für die 16-Jährige ist das eine schwierige Situation, denn sie möchte auf keinen Fall ihre Trainer verlieren.

Der Bayerische Schwimmverband will künftig Schule, Internat und Schwimmstätten in Nürnberg konzentrieren. Präsident Harald Walter argumentierte unter anderem mit kürzeren Wegen. Tatsächlich fährt Amelie rund eine Stunde von Nürnberg nach Erlangen. Doch das mache ihrer Tochter nichts aus, sie nehme mit viel Freude am Training teil, so Rosi Zachenhuber. "Böller ist ein fantastischer Trainer und Amelie fühlt sich dort pudelwohl." Sie wolle für ihre Tochter sprechen, erklärt Zachenhuber. Die 16-Jährige, die auch international erfolgreich ist, solle sich ganz aufs Training konzentrieren und nicht durch Querelen verunsichern lassen.

Trainer Roland Böller, der auch schon Weltmeisterinnen wie Hannah Stockbauer geformt hat, wird zum Teil vom Bayerischen Landesverband und zum Teil vom Turnerbund 1888 Erlangen bezahlt. In Erlangen ist man natürlich wenig begeistert, den Status als Landesstützpunkt Schwimmen abgeben zu müssen. Und Amelies Mannschaft, in der sich einige Bundes- und Landesathleten befinden, will den Trainer auf keinen Fall aufgeben. Nun befürchtet Rosi Zachenhuber, dass Amelie vom Stützpunkttraining in Nürnberg ausgeschlossen werden könnte, wenn sie weiterhin bei Böller trainiert. Womöglich verliere sie dann auch die anteilige Unterstützung, mit der der Landesverband das Internat finanziert.

Präsident Harald Walter habe zwar zugesagt, dass es Ausnahmeregelungen geben werde - allerdings nur mit Antrag und auf Widerruf. Sie werde keinen Antrag auf Ausnahmegenehmigung mit Widerrufsklausel stellen, sagt Rosi Zachenhuber. Nun hofft sie, dass sich doch noch eine einvernehmliche Lösung finden lässt. Erst kürzlich habe ein Gespräch zwischen den Funktionären des Bayerischen und des Deutschen Schwimmverbandes stattgefunden. Denn auch der DSV hatte den verunsicherten Sportlern aus Erlangen Unterstützung zugesichert.

Die Querelen zwischen Nürnberg und Erlangen haben inzwischen bundesweit für Aufsehen gesorgt. In Reisen haben sich Trainer aus anderen Bundesländern gemeldet, die gerne Amelie bei sich trainieren lassen würden. Das komme nicht in Frage, betont Rosi Zachenhuber. Das Beste für Amelie wäre ganz einfach: "an ihrem gewohnten Trainingsort und mit dem gewohnten Trainer weiterzumachen".

© SZ vom 03.08.2020
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