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Spendensammler mit der Suppenkelle:Die Aktion Erbse startet wieder

Trotz drohender Standort-Auflösung: "Solange es Soldaten im Fliegerhorst gibt, werden wir die Benefizaktion weiterführen"

Wenn es am kommenden Samstag auf dem Grünen Markt wieder nach Suppengrün und Eintopf riecht, die Bürger in zwei Reihen vor zwei Verkaufsständen stehen, Tupperdosen und Töpfe in den kalten Händen, dann ist sie wieder da, die Erdinger "Aktion Erbse". Die Bundeswehrsoldaten aus dem Erdinger Fliegerhorst werden dann zum 32. Mal die inzwischen berühmte und weithin bekannte Erbsensuppe verkaufen, die sogar der Papst bei seinem Besuch in Freising für gut befunden. Die Einnahmen der für 3,50 Euro verkauften Suppe mit Brot, und der Klingeldosen, mit denen Soldaten und Reservisten vor den Supermärkten der Stadt Geld sammeln, gehen an soziale Einrichtungen in Stadt und Landkreis. Doch ein dunkler Schatten liegt über der Zukunft des Projektes. Der Bundeswehrstandort Fliegerhorst soll fast komplett aufgelöst werden. So hat es das Verteidigungsministerium im Oktober beschlossen. Außer dem Wehrwissenschaftlichen Institut Wiweb und einigen Dienststellen soll der Großteil des Standorts geschlossen werden: das Luftwaffeninstandhaltungsregiment 1, das Systemzentrum Luftfahrttechnik, das Materialdepot und die Sanitätsstaffel. Doch davon, dass dies das Ende der "Aktion Erbse" bedeuten könnte, will Oberstabsfeldwebel Andreas Kurz nichts wissen: "Solange es Soldaten im Fliegerhorst gibt, werden wir die Aktion Erbse weiterführen", sagt er. Mehr noch: "Obwohl im Moment alle im Schockzustand sind und keiner sagen kann, wie es mit dem Fliegerhorst weitergehen wird, haben sich viele Freiwillige für die Aktion gemeldet." Etwa 90 Freiwillige helfen beim Suppeschöpfen und Sammeln und vor allem hinter den Kulissen. "Alleine könnte man so ein Projekt nicht stemmen", sagt Projektleiter Leutnant Thorsten Granzer. Doch auch er spürt die Verunsicherung der Erdinger. Am Grünen Markt sei er mehrmals angesprochen worden, ob die Aktion stattfinde. Dabei stehe doch noch nicht einmal ein Zeitkonzept für die Fliegerhorst-Auflösung fest. Auch Bürgermeister Max Gotz (CSU) hofft auf den Zeitfaktor. Er plädiert darauf, in aller Ruhe abzuwarten. Dennoch sieht er die Möglichkeit, dass Spendengelder wegbrechen könnten, mit Sorge: "Da müssen wir uns Gedanken machen, die Spenden sind schließlich fester Bestandteil der Finanzierung der Organisationen." Die "Aktion Erbse" sei aber noch aus anderen Gründen aus Erding nicht wegzudenken: "Sie ist verantwortlich für eine gelebte Verbundenheit zwischen Stadt und Bundeswehr und ein unheimlich wichtiger Bereich für gesellschaftliches Zusammenkommen", sagt er. Vor einigen Jahren hat die "Aktion Erbse" dem Fendsbacher Hof ein Therapiepferd gekauft, ein anderes Mal Einstiegshilfen für Rollstuhlfahrer. Eva Kolenda, zweite Vorsitzende des Fördervereins, will nicht an ein Ende der Aktion denken. "Das wird furchtbar, da müssen wir uns als Stadt und Kreis was überlegen. Am besten wäre eine Initiative der Bürger", sagt sie. Heuer findet die Auftaktveranstaltung in der Sankt-Nikolaus-Schule in Erding statt. Am Mittwoch, 23. November, wird der Standortälteste und Kommandeur des Luftwaffeninstandhaltungsregiments 1, Oberst Michael Rethmann, die erste Erbsensuppe des Jahres an die Kinder verteilen. Wie viel Geld welche Einrichtung erhält, wird nach den vier Sammel-Freitagen und den Erbsen-und-Sammel-Samstagen entschieden. In den Vorjahren sind stets zwischen 36 000 und fast 50 000 Euro zusammengekommen. Die Köche Peter Leiner - der seit 26 Jahren die Erbsensuppe kocht -, Gerhard Königshaus und Küchenmeister Erwin Pogacnik werden angesichts der 2400 Portionen Suppe nicht nervös. Erbseneintopf und Armee hängen schließlich schon seit der Zeit Napoleons eng zusammen. Die Küche sei groß genug, und ob er nun für 300 oder 2400 Leute koche - "so groß ist der Unterschied nicht", sagt Königshaus. Drei Stunden braucht er dazu, um sechs Uhr früh fängt er an. Damit die Suppe an den Adventssamstagen um 10.30 Uhr servierfertig am Grünen Markt steht.