Sojabohne Nach 140 Jahren endlich eingemeinden

Landwirtschaftsminister Helmut Brunner ist zum Ehrenmitglied des Vereins Donau Soja ernannt worden. Er hat sich für die Förderung der eiweißreichen Pflanze eingesetzt. Im Bild: Jakob Opperer (Präsident Landesanstalt für Landwirtschaft), Matthias Krön (Geschäftsführer des Vereins Donau Soja) und Helmut Brunner.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Sojabohne sollte in Mitteleuropa großflächig angebaut werden, um von Importen aus Südamerika unabhängiger zu werden, findet man bei der Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising. Im Landkreis wächst sie auf 561 Hektar

Von Katharina Aurich, Freising

Sie stammt aus China, aber schon 1874 wuchs die Sojabohne auf einem Versuchsfeld in Weihenstephan. Vor 140 Jahren begann der österreichische Professor Friedrich Haberlandt, Soja in Europa zu kultivieren. Allerdings fristete die Bohne mit dem wertvollen Eiweiß ein Randdasein, bis sie 2011 der damalige Bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner mit seiner "Eiweißinitiative" wieder ins Bewusstsein von Züchtern und Landwirten rückte. Dafür wurde er nun vom Verein Donausoja, der sich europaweit für den Anbau und die Vermarktung einsetzt, in der Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising (LfL) ausgezeichnet.

Im Landkreis Freising wachsen inzwischen auf rund 561 Hektar Sojabohnen, 2016 waren es 302 Hektar. Da der Weltmarktpreis für die Bohne im Moment gut sei, könnten heimische Lieferanten mit den Importen konkurrieren, informierte Peter Doleschel, Leiter des Instituts für Pflanzenbau an der LfL. Aber der Sojaanbau stelle Landwirte vor Herausforderungen und man brauche einen langen Atem, bis sich der Anbau wirtschaftlich rechne, sagte Opperer. Was vor allem fehle, seien Standort angepasste Sorten, die mit unserem Klima zurecht kämen, schilderte Doleschel. Deshalb werden nun im "Versuchsgarten" der LfL in Langenbach besonders frühreife Sorten angebaut, damit die Bohnen in den Schoten möglichst lange reifen können, bis sie spätestens im Oktober mit dem Mähdrescher geerntet werden. Wichtig sei, dass die Schoten nicht auf dem Boden lägen, so dass sie die Haspel des Dreschers gut greifen können. Sojabohnen seien empfindlich, beschreibt sie der Pflanzenfachmann.

"Die Soja ist super", findet Landwirt Martin Darnhofer aus Fahrenzhausen. Seit sieben Jahren baut er die Eiweißpflanze an, momentan wächst sie bei ihm auf 25 Hektar. Die Erträge und der Absatz liefen gut, so Darnhofer. Allerdings ärgert sich der Landwirt, dass seine Sojaflächen seit diesem Jahr nicht mehr als sogenanntes "Greening" zählen, das der Landwirt extra honoriert bekommt. Dafür müsste er nun auf Herbizide in seinen Sojaäckern verzichten und das funktioniere nicht, sagt er. Der Unkrautdruck sei gerade heuer nach den ausgiebigen Regenfällen zu hoch. Er werde seine Sojaflächen auch in Zukunft mit Herbiziden spritzen und für die Erfüllung des Greenings andere, weniger fruchtbare Flächen pachten, sagt Darnhofer. Aus seiner Sicht sollte die Landwirtschaftspolitik den Soja-Anbauern nicht solche Knüppel zwischen die Beine werfen.

Die Sojabohne sollte "als 140-jähriger Immigrant endlich eingemeindet werden" forderte Matthias Krön, Chef der Donausoja. Ziel der Eiweißinitiative sei, den Anbau von Soja, aber auch Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen zu fördern, um von Importen von Eiweißfuttermitteln insbesondere aus Südamerika unabhängiger zu werden, betonte Jakob Opperer, Präsident der Landesanstalt. Im Moment würden in Bayern nur zehn Prozent des verfütterten Sojas auch hier erzeugt. Zwar sei das importierte Soja offiziell gentechnikfrei, aber man traue dem nicht so recht, so Opperer. Die Sojabohne ist für die Fütterung von Schweinen und Hühnern wichtig, da sie einen hohen und vor allem wertvollen Eiweißgehalt hat, das dem tierischen Eiweiß ähnlich ist.