Den Schock über die erste Niederlage in seiner Karriere hat Profiboxer Simon Zachenhuber inzwischen einigermaßen verdaut. Der deutsche Supermittelgewichtler aus Eitting im Landkreis Erding hatte kürzlich im Tottenham Hotspur Stadium in London den Kampf gegen seinen britischen Gegner knapp mit 56 zu 58 Punkten verloren. Er blicke nach vorn, erklärt er jetzt gegenüber der SZ. Womöglich gibt es ja bald eine Revanche.
„Ich war im ersten Moment sehr traurig und enttäuscht über das Urteil“, schreibt Simon Zachenhuber per Whatsapp aus dem Urlaub. 28 Profikämpfe hatte er zuvor unbesiegt überstanden. Bei WBO und IBF, zwei der vier großen Weltverbände, schaffte er es unter die Top Ten der Welt. Der Kampf in London galt als entscheidender Schritt auf dem Weg in Richtung Weltmeisterschaft – und das auf großer Bühne. Die Veranstaltung wurde live weltweit auf Netflix übertragen.
„Jetzt mit ein bisschen Abstand und nachdem ich den Kampf mehrere Male gesehen habe, muss ich sagen, dass meine Leistung einfach nicht gut genug war, um in England, bei einem englischen Ring- und Punktrichter gegen einen englischen Gegner zu gewinnen“, erklärt der 28-Jährige. „Ich hätte klar den Boxkampf bestimmen und gewinnen müssen. Es war einfach nicht mein Abend.“
Ursprünglich hatte sich der 28-Jährige auf einen Kampf über zehn Runden mit dem Europameister der European Boxing Union (EBU), Troy Williamson, vorbereitet. Nachdem dieser kurzfristig ausgefallen war, stieg in London als Ersatz der Brite Pawel August gegen Zachenhuber in den Ring. Zudem wurde der Kampf nur noch über sechs Runden angesetzt. „Das kam schon überraschend“, sagt Zachenhubers Trainer Conny Mittermeier am Telefon. „Mir hat das gleich nicht gefallen.“ Schließlich trainiere man für zehn Runden anders als für nur sechs. Ein kürzerer Kampf erfordere eine andere Taktik.
„Es war einfach nicht mein Abend“, gibt Zachenhuber selbstkritisch zu
Er sei erst nach der vierten Runde richtig warm geworden und habe dann auch das Zepter übernommen, „leider war das bei diesem Duell für mich zu spät“, so Simon Zachenhuber. „Das war taktisch schlecht angegangen und nehme ich vollkommen auf meine Kappe.“ Die erste Niederlage in seiner inzwischen achtjährigen Profikarriere habe ihm „viele Stellschrauben aufgezeigt“, an denen er noch drehen könne, um besser zu werden. „Das gehe ich jetzt nach ein paar Tagen Pause gemeinsam mit meinem Trainer Conny Mittermeier an.“
Er schaue nach vorn und freue sich auf die bevorstehenden Herausforderungen. „Meine nächsten Ziele sind auf jeden Fall ein Rückkampf, den mir mein Promoter Spencer Brown und auch der Gegner bereits mündlich nach dem Kampf zugesagt haben“, erklärt der 28-Jährige. Dieser Rückkampf soll laut Zachenhuber dann über zehn oder zwölf Runden gehen und drei unterschiedliche Punktrichter haben.
Entdeckt wurde Simon Zachenhuber beim Kicksportverein (KBV) Erding, einer echten Talentschmiede. Seit einigen Jahren trainiert der junge Profiboxer in Stuttgart. Dorthin hatte ihn sein Trainer geholt, der ebenfalls aus dem Landkreis Erding stammt. Nach dem Urlaub werde wieder hart trainiert, kündigt Mittermaier an: „Simon weiß, worum es geht.“

