Das Tottenham Hotspur Stadium in London ist ein Magnet für Fußballfans und Touristen – eine der größten und modernsten Arenen Englands, mit Platz für rund 60 000 Zuschauer. Genau dort wird der deutsche Supermittelgewichtler Simon Zachenhuber am 11. April in den Ring steigen und gegen den britischen Star Troy Williamson antreten. Der Kampf ist schon jetzt ein Volltreffer für den 27-Jährigen aus dem Landkreis Erding. Ein Sieg wäre ein Meilenstein auf dem Weg zum Weltmeistertitel.
Auf seinem Instagramkanal nimmt Simon Zachenhuber seine mittlerweile rund 33 000 Follower regelmäßig mit zu seinen Trainingseinheiten. Er stemmt Hanteln, macht Sit‑ups und Klimmzüge, dreht Runde um Runde auf der Tartanbahn oder auf dem Rad, schlägt mit einem Hammer auf einen Reifen oder boxt mit seinen Sparringpartnern. Zuletzt war er auf Mallorca – nicht im Urlaub, versteht sich, sondern im Trainingscamp. Dort ist auch sein neuer Manager Wolfgang Greipl am Handy zu erreichen.
Greipl freut sich „auf eine spannende Zeit“. In London tritt Zachenhuber gegen den Briten Troy Williamson an, der zuvor mit einem Sieg gegen den bis dahin ungeschlagenen Briten Callum Simpson international auf sich aufmerksam gemacht hat. „Der Kampf gilt als entscheidender Schritt auf dem Weg in Richtung Weltmeisterschaft im Supermittelgewicht“, erklärt Manager Greipl. Er wird im Rahmen des Comebacks des britischen Superstars Tyson Fury stattfinden – und live weltweit auf Netflix übertragen. Es wartet also die ganz große Bühne.
Seit acht Jahren ist Zachenhuber Profi. Mit einer Bilanz von 28 Siegen aus 28 Profikämpfen gehört er zu den erfolgreichsten deutschen Boxern seiner Gewichtsklasse. Spätestens mit seinem Sieg über den damals vom Boxverband WBO als Top 4 geführten Paulinus Ndjolonimu im Juli 2025 etablierte sich der Oberbayer endgültig in den internationalen Rankings. Aktuell wird er bei WBO und IBF, zwei der vier großen Weltverbände, unter den Top Ten der Welt geführt.


Wie überall, ist neben einem außergewöhnlichen Talent auch ein Netzwerk wichtig. Der Weg auf die internationale Bühne entstand laut Greipl über den engen Austausch innerhalb des Teams des deutschen Schwergewichtsstars Agit Kabayel. Dessen Manager Lasse Krüger stellte den Kontakt zu Promoter Spencer Brown her. Durch Browns internationales Netzwerk wiederum sei die Platzierung auf dem hochkarätig besetzten Event in London überhaupt erst möglich geworden. „Es ist eine Ehre, als Deutscher auf eine englische Card gesetzt zu werden“, betont Greipl.
„Es wird der schwerste Kampf meines Lebens, aber ich fühle mich bereit“, schreibt Simon Zachenhuber aus dem Trainingscamp. Die Veranstaltung sei seine Chance, sich „auf der größten Bühne der Welt“ zu beweisen. „Nur der Gedanke daran, das Stadion mit 60 000 Leuten zu betreten, ist für mich Motivation genug, 120 Prozent zu geben.“ Boxprofi Agit Kabayel habe gezeigt, dass der Boxsport in Deutschland noch lebt. „Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass unser Sport hier wieder größer wird!“
Laut Wolfgang Greipl erhofft sich der deutsche Boxsport einen großen Impuls durch Zachenhubers Auftritt in London. Nach Ansicht von Lasse Krüger, der mittlerweile das Team von Zachenhuber ergänzt, liegt das größte Problem des deutschen Boxsports derzeit in der fehlenden medialen Plattform. Simon habe nun die Chance, sich auf der Weltbühne zu beweisen. Wenn es in London gut läuft, sei das Ziel klar: noch in diesem Jahr einen WM-Kampf in München auf die Beine zu stellen.
Der junge Profiboxer aus Reisen in der Gemeinde Eitting, ist inzwischen weit oben in seiner Karriere angekommen. Er war mehrfacher Deutscher Meister (International German Champion) und WBA-Continental-Europe-Champion. Das bundesweite Fachmagazin „Boxsport“ kürte ihn zum „Boxer des Jahres 2022“.
Entdeckt wurde Zachenhuber beim Kicksportverein Erding
Entdeckt wurde Simon Zachenhuber beim Kicksportverein (KBV) Erding, einer echten Talentschmiede. Seit einigen Jahren trainiert der junge Profiboxer in Stuttgart. Dorthin hatte ihn sein Trainer Conny Mittermeier geholt, auch er stammt aus dem Landkreis Erding.
Durch seine Teilnahme an der RTL-Show „Let's Dance“ vor fünf Jahren ist Zachenhuber einem Millionenpublikum bekannt. Obwohl er noch nie einen Tanzkurs besucht hatte, schaffte er es auf Platz vier. Seither ist er immer wieder mal in TV-Sendungen zu Gast. Im Ring nennt sich der 27-Jährige „El Matador“ – ein Spitzname, der aus seiner Let’s Dance-Zeit stammt, als er beim Paso Doble den Stierkämpfer verkörperte.
Nach Hause zu den Eltern und Geschwistern in Reisen, einer kleinen Ortschaft unweit des Münchner Flughafens, kommt Simon Zachenhuber immer wieder gerne. Die Familie hat seinen Weg in den Profisport von Anfang an unterstützt. Ebenso treu steht Zachenhuber sein engagierter Fanklub zur Seite, der ihn zu allen Kämpfen begleitet. Im April werden die „Zachenhuber Matadors“ aus dem Landkreis Erding wieder einmal eine Reise antreten: Es geht nach London.

