Sep Ruf und DorfenArchitekt der Moderne auf dem Land

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Das Einfamilienhaus von Josef Martin Bauer entwarf Architekt Sep Ruf 1936. Es gilt als wichtiges Frühwerk, viele Gebäude-Elemente wiederholte er in späteren Häusern.
Das Einfamilienhaus von Josef Martin Bauer entwarf Architekt Sep Ruf 1936. Es gilt als wichtiges Frühwerk, viele Gebäude-Elemente wiederholte er in späteren Häusern. Renate Schmidt

Sep Ruf hat den berühmten Kanzlerbungalow in Bonn entworfen – und auch sieben Häuser allein in Dorfen. Nun kommt eine Dokumentation über sein Werk in die Kinos.

Von Thomas Daller, Dorfen

Der Kanzlerbungalow im Park des Palais Schaumburg in Bonn ist Sep Rufs bekanntestes Bauwerk. Es entstand 1964 im Auftrag des damaligen Bundeskanzlers Ludwig Erhard. Die Glasfronten, die modularen Räume, das Fehlen von Hierarchien in der Raumstruktur – all das war bewusst politisch. Heute ist das Gebäude denkmalgeschützt, öffentlich zugänglich und beliebtes Ausflugsziel für Architekturliebhaber. Auch in Dorfen hat Ruf bereits in den 1930er-Jahren mehrere Gebäude entworfen. Ungewöhnlich, denn Dorfen war damals noch eine kleine Landgemeinde. Nun kommt eine Dokumentation über Rufs Werk in die Kinos, auch das Dorfener Kino im Jakobmayer zeigt den Film in den kommenden Tagen.

In der Nachkriegszeit, beim Wiederaufbau, stand Ruf für einen neuen Stil der Sachlichkeit. Offenheit, Transparenz und Leichtigkeit waren für ihn bauliche Prinzipien. Er glaubte daran, dass Architektur nicht nur Räume schafft, sondern gesellschaftliche Werte sichtbar machen kann. Seine bevorzugten Materialien waren Glas, Sichtbeton, Stahl und helle Natursteine.

Sep Ruf schuf zahlreiche Werke, die bis heute zu den Ikonen der Nachkriegsarchitektur zählen. Dazu gehört etwa die Akademie der bildenden Künste Nürnberg, gemeinsam mit Egon Eiermann entwarf er den deutschen Pavillon auf der Weltausstellung 1958 in Brüssel sowie die Maxburg in München. Er hat auch zahlreiche Privathäuser für Prominente entworfen. Besonders viele entstanden in Grünwald, Pullach und Gräfelfing.

Ein Auftrag des Chefarztes stellt die Verbindung zu Dorfen her

Die Verbindung zu Dorfen ist über den Arzt Ernst Haß entstanden. Ruf hatte für Haß bereits ein Haus in München-Harlaching entworfen. Als Haß Chefarzt am Dorfener Klinikum wurde, ließ es sich von Ruf 1936 ein weiteres Haus in Dorfen an der Erdinger Straße 19 bauen. Haß war mit dem Schriftsteller Josef Martin Bauer befreundet, der sich ebenfalls 1936 ein Haus bauen ließ, das an der Josef-Martin-Bauer-Straße 17 steht. Ferner entstanden das Wohnhaus Albert Meindl in der Haager Straße 31, das Haus Holzner am Johannisplatz 7, ein weiteres Wohnhaus Meindl am Hofgut Reit sowie das Haus der Familie Forstmaier an der Jahnstraße. Ein weiterer Entwurf für einen Anbau an das Schmedererhaus wurde nicht umgesetzt.

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Am bekanntesten ist wohl das Haus des Schriftstellers Bauer, der 1955 mit dem Bestseller „So weit die Füße tragen“ bekannt wurde. Es handelt sich um ein eingeschossiges Einfamilienhaus mit Satteldach und gilt als wichtiges Frühwerk des Architekten. Da der Bauherr eine möglichst „innige“ Verbindung von Wohnung und Garten wünschte, schuf Ruf eine mehrflügelige Z-förmige Anlage mit gefassten architektonisch differenzierten Außenbereichen – ein Charakteristikum, das dann viele seiner nach 1945 entstandenen Bauten kennzeichnet.

Nach Bauers Tod ging es mit dem Haus bergab, am Ende stand es zwölf Jahre lang leer. Schließlich erwarb es die Familie Ickler, die es so herausragend renovieren ließ, dass ihnen die Deutsche Stiftung Denkmalschutz 2015 dafür den Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege verliehen hat.

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