Seit April jeden ersten und dritten Dienstag im Monat:"Jede hilft der anderen"

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Seit April jeden ersten und dritten Dienstag im Monat: Zum internationalen Frauenfrühstück im Johanneshaus kommen die Teilnehmerinnen aus verschiedensten Ländern.

Zum internationalen Frauenfrühstück im Johanneshaus kommen die Teilnehmerinnen aus verschiedensten Ländern.

(Foto: Renate Schmidt)

Das Internationale Frauenfrühstück hilft Anschluss zu finden: Wer einmal da war, kommt wieder. Für die Aktionsgruppe Asyl ist das Begegnungscafé ein voller Erfolg

Von Debora Schießl, Erding

Renate Falge betritt das Johanneshaus in Erding am frühen Dienstagmorgen. Sie schmiert Brote, schneidet Obst und kocht Tee, bis um 9.30 Uhr die ersten Kinder hereinlaufen, gefolgt von ihren Müttern und anderen Frauen aller Altersstufen. Sie reden laut durcheinander und nehmen an dem großen Esstisch Platz. "Wir treffen uns jeden ersten und dritten Dienstag des Monats zum internationalen Frauenfrühstück", sagt die ehrenamtliche Helferin. Seit April findet es statt und ist zu einer wertvollen Begegnungsstätte geworden. Nach dem Essen widmen sich die Frauen verschiedenen Projekten. Sie basteln gemeinsam und tanzen, malen oder singen. "Unsere Frauen kommen aus Syrien, Afghanistan, Sierra Leona, Nigeria und aus dem Iran und Irak. Viele mussten aus ihrer Heimat flüchten", sagt Projektleiterin Annemarie Walther. In Deutschland angekommen, hätten die Frauen Schwierigkeiten, Anschluss zu finden. "Sie kommen aus einer großen Gemeinschaft und sind es gewohnt, mit der gesamten Familie zusammen zu leben. Auf einmal ist das vorbei. Sie kennen niemanden und sind mit den Kindern oft allein", sagt Walther.

Nurieh Amiri aus Afghanistan lebt schon seit vier Jahren in Deutschland. "Vor vier Monaten habe ich noch in einem kleinen Dorf gelebt, aber da war ich nicht glücklich. Dann durfte ich nach Erding ziehen. Erst hier kann ich Deutschkurse besuchen", erzählt Nurieh. Diese Kurse überschneiden sich oft mit dem Frauenfrühstück. "Das ist schade, denn ich komme sehr gern hierher. Ich habe Freundinnen gefunden und mein Deutsch kann ich auch üben", sagt sie. Am Tisch unterhalten sich viele Frauen auf Deutsch, aber auch in Ihrer Landessprache. Für diejenigen, die das Gesagte nicht verstehen, wird gedolmetscht, oder man unterhält sich mit Händen und Füßen. Die Stimmung ist ausgelassen, es wird gegessen und gelacht. Etwa zehn Kleinkinder laufen und krabbeln im Raum herum, spielen miteinander und fangen manchmal an zu weinen. Dann findet sich immer eine Frau, die es hochnimmt und tröstet. "Jede hilft hier der anderen, es ist toll", sagt Butros Nada aus Syrien. Sie hat vor, wie in ihrer Heimat als Krankenschwester zu arbeiten. "Ein Praktikum habe ich im Erdinger Krankenhaus schon absolviert. Sie haben gesagt, ich darf wiederkommen, wenn ich Deutschkenntnisse nachweisen kann", sagt Nada. Gerade bereitet sie sich auf ihre Prüfung der Niveaustufe B1 vor.

Die Frauen zeigen Engagement und das möchte Walther unterstützen. "Wir wollen die Frauen fördern. Sie sind der Schlüssel zu einer gelungenen Integration", sagt Walther und betont, dass aufgeklärte Frauen ihr Wissen an die nächste Gereration weitergeben. "Hier lernen die Frauen nicht nur einander kennen. Wir helfen ihnen bei der Arbeitssuche, erklären das Gesundheitswesen, oder auch mal die hiesigen Verkehrsregeln", sagt Walther. Die Frauen sollen ihre Rechte kennen. So können sie ihr Wissen an ihre Kinder weitergeben und ihnen helfen, sich im Alltag zu integrieren. "Und das funktioniert wunderbar. Viele gehen schon auf weiterführende Schulen und eine Tochter ist sogar Klassenbeste."

Um 11.30 Uhr räumt Renate Falge die Tische langsam wieder ab. "Die Zeit ist immer viel zu kurz. Das hier ist ein sicherer Hafen für die Frauen", sagt Falge. In zwei Wochen werden die Frauen wieder erwartet. In Zukunft könne sie sich vorstellen, auch deutsche Frauen und Mütter einzuladen. "Noch mehr Austausch wäre schön. Aber zuerst möchten unsere Frauen selbstbewusster werden - in der deutschen Sprache, wie in ihrem Auftreten", sagt Falge. Für Projektleiterin Walther ist das Begegnungscafé schon jetzt ein voller Erfolg. "Wer einmal da war, der kommt wieder. Die Quote spricht für sich."

Das internationale Frauenfrühstück wird von der Aktionsgruppe Asyl gefördert. Sie stellen Räumlichkeiten, Arbeitsmaterial und Verpflegung zur Verfügung. Das nächste Treffen finden am Dienstag, 8. August, statt. Alle Frauen, egal welcher Nationalität, sind eingeladen. Mitgebrachte Kinder werden betreut.

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