Seit 1983 querschnittsgelähmt Ihre Stimme wird gehört

Cornelia Ermeier wird von einem eingespielten Team zu Hause gepflegt. Die bürokratischen Hürden hat sie bislang alle gemeistert.

(Foto: Renate Schmidt)

Cornelia Ermeier kämpft erfolgreich für Verbleib des Pflegeteams, von dem sie seit Jahren zuhause versorgt wird

Von Regina Bluhme, Erding

Wer sich mit Cornelia Ermeier unterhält, hört ihr automatisch aufmerksam zu. Zum einen, weil sie so lebendig und interessant erzählen kann, zum anderen weil sie mit sehr leiser, heiserer Stimme spricht. Seit einem Unfall im Jahr 1983 ist die Erdingerin querschnittsgelähmt und auf ein künstliches Beatmungsgerät angewiesen. Die 47-Jährige hatte schon mit einigen bürokratischen Hürden zu kämpfen. Erst kürzlich hatte sie Angst, ihre vertrauten Pflegekräfte zu verlieren. Nach einigem Hin und Her konnte sie eine Einigung mit der Krankenkasse erreichen. Denn auch mit leiser Stimme kann sich Cornelia Ermeier gut Gehör verschaffen.

13 Jahre alt war Cornelia Ermeier, als sie mit dem Fahrrad verunglückte. Seither ist sie querschnittsgelähmt und muss beatmet werden. Sie hat gekämpft und 1997 ihr Studium der Sozialpädagogik abgeschlossen. Die 47-Jährige muss rund um die Uhr betreut werden. Das organisiert in flexiblen Schichten ein Team von zwei Fachkräften und sechs weiteren Helfern mit unterschiedlicher Qualifikation. Diese Form der ambulanten Pflege für Beatmete gebe es nur sehr selten, weiß Ermeier.

Ende Juni dann der Riesenschreck: Ihrem Pflegedienst sei mitgeteilt worden, "dass er künftig nur noch Fachpflegekräfte mit einer Weiterbildung zur Beatmungspflege bei mir einsetzen darf", berichtet Cornelia Ermeier. Sie habe große Sorge gehabt, dass sie nun Hilfskräfte, von denen einige sie seit fast 25 Jahren pflegten, kündigen müsse. Ihr Gesundheitszustand sei "unter den Voraussetzungen einer invasiven Beatmung" vorbildlich, fügt sie hinzu. Dazu komme, dass sie seit 1997 bei einem Fachhändler für Beatmungsgeräte beschäftigt sei und damit ihre Pflegekräfte "in Funktion und Handhabung der Medizintechnikgeräte selbst bestens einweisen kann."

Der Markt für Pflegefachkräfte sei ohnehin leer gefegt, außerdem gebe es für Hilfskräfte überhaupt keine Möglichkeiten für eine entsprechende Weiterbildung, betont Ermeier. "Da herrscht momentan eine komplette Lücke". Dass diese Lücke geschlossen wird, dafür will sie sich einsetzen. Sie sei mit verschiedenen Institutionen im Gespräch, die womöglich Schulungen anbieten könnten.

Einige Tage voller Sorge und mehrere Telefonate später stehe jetzt aber fest, dass sie ihre Pflegekräfte behalten kann. Die zwei anerkannten Fachkräfte arbeiten in Vollzeit, von den weiteren sechs reiche das Spektrum vom 450 Euro Job bis zur Vollzeit, berichtet sie. Sicher, Qualifikation sei wichtig, aber genauso wichtig sei, dass die Kraft "schnell Tätigkeiten im Kopf umsetzen kann." Und auch nicht die Nerven verliert, wenn das Gerät Alarm schlägt. Oft sei fehlende Routine auch von Vorteil, "weil dann explizit nachgefragt wird". Wichtig sei auch, "dass ich weiß, dass ich mich verlassen kann."

Warum nach all den Jahren jetzt von den Kassen die Forderung nach der Qualifizierung komme, darüber könne sie nur spekulieren, sagt Cornelia Ermeier. Sicher sei, "dass im Moment Wohngemeinschaften für Beatmete aus dem Boden sprießen". Dort herrsche natürlich ein anderer Betreuungsschlüssel. "Wobei ich nichts gegen Wohngemeinschaften habe, schließlich berate sie auch eine WG für Beatmete in München, und die finde ich auch sehr schön." Sie könne sich auch durchaus vorstellen, dort später einmal zu wohnen.

Die Erdingerin hat nie aufgegeben. Bereits seit 1985 wohnt sie außerhalb der Klinik, seit 1994 in einer eigenen Wohnung. 2001 ist Cornelia Ermeier wieder in ihre Heimatstadt Erding gezogen, wo sie ambulant in zuhause versorgt wird.

So lange wie möglich möchte sie in den eigenen vier Wänden wohnen. Und am Leben teilhaben - "so viel wie geht", betont die 47-Jährige. Strahlend erzählt Cornelia Ermeier zum Beispiel von Ausflügen mit dem Trike. Vor einigen Jahren ist sie bis nach Italien mitgefahren. Heuer war sie im Saarland im Urlaub. Auch ein Baumwipfelweg stand auf dem Programm. "Oben war die Aussicht einfach wunderbar." Die Steigung hat sie mit ihrem Rollstuhl gut gepackt.