Schule in Wartenberg Umstrittene Pädagogik

Ein bisschen Kosmetik vor Beginn des neuen Schuljahres kann nicht übertünchen, dass es im Josefsheim mächtig Ärger gegeben hat.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Homepage weist ein fast völlig verändertes Betreuer-Team für die Ganztagesintensivklasse auf. Doch diese Kosmetik kann nicht übertünchen, dass es wegen unschöner Vorfälle im Josefsheim kräftig rumort hat.

Von Wolfgang Schmidt, Wartenberg

Die Ferien sind vorbei - die Ermittlungen zu den Vorkommnissen in der Wartenberger Heimvolksschule nehmen mehr Fahrt auf. Vorfälle in der dort angesiedelten Ganztagesintensivklasse (Gik) beschäftigen die Staatsanwaltschaft Landshut und die Regierung von Oberbayern. Ende Juli hatte sich bereits eine große Runde aller an der Gik beteiligten Institutionen zu einem Krisengespräch zusammengefunden. Die Kripo Erding hat nach SZ-Informationen inzwischen mit Vernehmungen wegen des angezeigten Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie des Vorwurfs der Körperverletzung und Misshandlung von Schutzbefohlenen begonnen. Zusätzlich liegt auch noch eine Dienstaufsichtsbeschwerde wegen Untätigkeit gegen Schulleiter Michael Braun vor. Auf die Schule gehen auch Kinder aus Freising und Moosburg.

Die Homepage der privaten Schule weist seit Mittwoch ein bis auf eine Person völlig verändertes Betreuer-Team im Vergleich zum vorherigen Schuljahr auf. Doch diese Kosmetik kann nicht übertünchen, dass es im Josefsheim kräftig Ärger gegeben haben muss. In der Gik erhalten bis zu zehn Schüler, die in der Regelschule gescheitert sind, eine intensive Betreuung, die es ihnen doch noch ermöglichen soll, einen Schulabschluss zu machen.

Was für die Regierung von Oberbayern ein "komplexer Fall" ist, der von mehreren Abteilungen geprüft wird, ist für den Träger der Heimvolksschule, das Seraphische Liebeswerk in Altötting, inzwischen zum fast normalen Vorgang geworden. Personalchef Stefan König sagt der SZ: "Ich bin völlig beruhigt." An der Besetzung des Teams sei man eh kaum beteiligt gewesen. Nur der Arbeitstherapeut "kam von uns, die anderen Kräfte werden zugewiesen", sagt König. Die Nichtverlängerung des Vertrags mit dem Arbeitstherapeuten habe im Übrigen nichts mit der Strafanzeige gegen diesen zu tun. Von der Anzeige wisse er nur aus der Zeitung. Die Ideen des Mannes hätten nun mal nicht "in den Rahmen der Gik gepasst".

Aber man könne in der Pädagogik durchaus unterschiedliche Ansichten haben, sagt König, und präsentiert seine Sicht der Dinge. Es mache schließlich einen Unterschied, "ob ich Kinder schände, handgreiflich werde oder jemanden beleidige". König nennt als Beispiel für nicht ganz so schlimme Verfehlungen das A-Wort. Interessant ist auch die Einschätzung, wie mit Medikamenten umzugehen sei. Es gebe nun einmal Mitarbeiter, die schlampig arbeiteten "und irgendwelche Listen falsch ausfüllen," sagt König. Für Schüler, die unter ADHS leiden und die deshalb auf ärztlich verordnetes Ritalin angewiesen sind, klingt das nicht gerade beruhigend. Königs Fazit: "Der Arbeitstherapeut hat nicht alles falsch gemacht, aber so wie er arbeiten wir nicht."

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Nach "Sichtung der Fakten", kommt König ferner zu dem Schluss, Schulleiter Michael Braun habe sich korrekt verhalten und schlüssig darlegen können, dass er die Vorwürfe verfolgt habe. Dass der Schulleiter von seinem Dienstherrn einen Maulkorb verpasst bekam, hält König sogar für geboten. "Er muss nicht das ganze Gewitter in der Öffentlichkeit aushalten." Das Seraphische Liebeswerk habe nach Prüfung der Vorwürfe eine Stellungnahme bei der Regierung von Oberbayern abgegeben - und die werde Braun entlasten.

König will aber auch gar nicht verhehlen, dass es innerhalb des Teams wegen der pädagogischen Ausrichtung zu Auseinandersetzungen gekommen ist. Walter Mooser, als Lehrkraft so etwas wie der Vater der Gik und für deren gutes Image hauptverantwortlich, war seit Januar krank geschrieben. Über die Gründe wollte Braun der SZ bei einem Besuch im Frühjahr nichts sagen. König ist offener: "Schulleiter und Lehrer müssen an einem Strang ziehen", sagt er. Das sei nicht mehr gegeben gewesen. "Es gab Unstimmigkeiten zwischen den beiden", beschreibt König das Verhältnis der beiden Pädagogen. Dass Mooser versetzt wurde, will König aber nicht allein auf seine Kappe nehmen. Daran, sagt er, hätten das Schulamt Erding - "das bestimmt die Lehrerstunden und die Lehrkräfte" - und auch die Regierung von Oberbayern schon auch mitgewirkt.

Walter Mooser will zu den Vorgängen mit dem Verweis auf seine Schweigepflicht als Beamter nichts sagen, außer, dass gegen ihn "strafrechtlich nicht ermittelt wird". Darauf legt auch die Sonderpädagogin Petra Reichel Wert, die der Gik ebenfalls nicht mehr angehört. Reichel sagt, sie werde auf der Straße angesprochen und müsse ihren guten Ruf verteidigen. Reichel habe sich nichts zuschulden kommen lassen, bestätigt Dorothee Bolay, die Sonderschulrektorin der Katharina-Fischer-Schule, von der die Sonderpädagogin zur Gik abgeordnet wurde. Dass Reichel jetzt ein anderes Aufgabengebiet habe, liege an einem turnusgemäßen Wechsel, wie er auch von der Regierung gewünscht werde. Bolay: "Das hat nichts mit einer Strafversetzung zu tun." Allerdings hat Reichel auch auf die Missstände in der Gik aufmerksam gemacht. "Man hat die Schulleitung darauf hingewiesen" - mehr will sie dazu nicht sagen. Wie es aussieht, hängt das Seraphische Liebeswerk sowieso nicht mehr mit Herzblut an der Gik. Personalchef König sagt, "wir verdienen kein Geld damit". Man hätte die Gik auch an jeder anderen Schule angliedern können, die Heimvolksschule habe damals den Zuschlag bekommen, weil im Josefsheim Räume frei waren.