Schuldnerberatung Schulterschluss mit der Caritas

SPD und Grüne wollen im Kreistag einen Kompromissvorschlag einbringen, um das Angebot beim Wohlfahrtsverband zu halten. Auch CSU-Ehrenmitglied Josef Erhard plädiert für das Subsidiaritätsprinzip

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Die Ankündigung von Landrat Martin Bayerstorfer (CSU), die vor acht Jahren am Landratsamt geschaffene Schuldnerberatung um eine Insolvenzberatungsstelle auszubauen und im Gegenzug der Schuldnerberatung der Caritas den jährliche Zuschuss zu streichen, stößt auf immer mehr Widerstand. Es würde das Aus der seit 30 Jahren existierenden Beratungsstelle bei der Caritas bedeuten. SPD und Grünen wollen nun einen Antrag auf einen Kompromiss im Kreistag einbringen, der auch vom Kuratoriumsvorsitzenden der Caritas Erding, CSU-Ehrenmitglied Josef Erhard, unterstützt wird.

"Ich stehe voll hinter dem Kompromissvorschlag, dass die Schuldnerberatung bei der Caritas bleiben soll mit einer Stelle, die dann auch bezuschusst wird. Die Person auf der halben Stelle, die wir verlieren würden, können wir gut an anderen Stellen bei der Caritas, wie wir zum Beispiel bei der Asyl- oder Wohnungsberatung, wo wir im Übrigen ja auch gut zusammen arbeiten mit dem Landratsamt, einsetzen", sagt Josef Erhard. Der Kuratoriumsvorsitzende, der bis zu seiner Pensionierung 2011 13 Jahre als Ministerialdirektor an der Spitze der Schulverwaltung in Bayern stand und mehr als 40 Jahre lang verschiedene Ämter im CSU-Vorstand des Ortsverband Erding inne hatte, ist zudem dagegen, dass alle Aufgaben am Landratsamt zusammen gezogen werden sollen: "Das Subsidiaritätsprinzip war immer ein Grundprinzip der CSU". Und dieses sehe vor, dass der Staat eben nicht alle Aufgaben übernehme, sondern unter anderem die freien Wohlfahrtsverbände beteilige. Staatliche Aufgaben sollten soweit wie möglich von unteren Ebenen wahrgenommen werden. Und diese Aufgabe sei bei der Caritas Schuldnerberatung seit Jahren sehr gut aufgehoben. "Es stünde der CSU gut an, das Subsidiaritätsprinzip beizubehalten und die Beratung bei der Caritas zu belassen", sagt Erhard. Viele Klienten der Schuldnerberatung würden deshalb zur Caritas kommen, weil diese eben kein Amt sei, während sie zu den staatlichen Stellen weitaus mehr Distanz haben würden.

"Es darf nicht sein, dass wir eine erfolgreiche und sehr qualifiziert werdende Stelle wie die Schuldenberatung bei der Caritas ohne Not einfach kippen", sagt auch Ulla Dieckmann, die stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende. "Wir werden deshalb im Kreistag einen Antrag einbringen, wonach Landkreis und Caritas eine Art Kooperationsvertrag schließen soll, damit sowohl die Schuldner- und Insolvenzberatung bei der Caritas als auch die Insolvenzberatung am Landratsamt weiter bestehen bleiben können. Dabei könnten bestimmt Synergieeffekte entstehen, die man nützen muss." Die Frage sei, ob dies aber politisch gewollt sei, sagt Dieckmann. Nach dem Subsidiaritätsprinzip müssten die freien Träger bei dieser Aufgabe bevorzugt behandelt werden, das funktioniere bisher gut und man müsse doch als Kommune froh sein, wenn diese die Aufgabe auch noch so gut löse, wie seit 30 Jahren die Schuldnerberatung der Caritas.

"Es geht ja nicht nur um das Subsidiaritätsprinzip, das hier mit Füßen getreten wird", sagt Helga Stieglmeier, Vorstandssprecherin im Kreisverband der Grünen. "Bei der Caritas Schuldnerberatung wird seit 30 Jahren gute Arbeit geleistet, man hat Kompetenz und Erfahrung, das sollte man nicht einfach wegwerfen." Zudem seien Schulden "ein sensibler Bereich, über den man sowieso nicht gerne redet. Und schon gar nicht mit öffentlichen Ämtern", sagt die Vorstandssprecherin. Würde die Schuldnerberatung nur noch am Landratsamt erfolgen, würde das viele Überschuldete abschrecken, sagt Helga Stieglmeier.