Die Schreiner Group mit Hauptsitz in Oberschleißheim hat ihren Standort in Dorfen um einen neuen Anbau mit 2700 Quadratmetern Nutzfläche erweitert. Das entspricht einem Plus von etwa 40 Prozent. Der Anbau wurde in eineinhalb Jahren Bauzeit errichtet und beherbergt künftig ein neu strukturiertes Regallager, das Farblabor, Sozialbereiche sowie optimierte Logistikzonen für Wareneingang und -ausgang. Es schafft damit im bisherigen Gebäude Platz für weitere Druck- und Weiterverarbeitungsmaschinen. Die Schreiner Group ist ein Hightech-Unternehmen, das sich insbesondere auf selbstklebende Spezialetiketten spezialisiert hat. In Dorfen werden ausschließlich Etiketten für die pharmazeutische Industrie hergestellt.
Die Schreiner Group hatte das Gebäude 2017 von dem Maschinenbauunternehmen Hawe Hydraulik übernommen, die den Standort Dorfen 2017 geschlossen hatte, wodurch 130 Arbeitsplätze verloren gingen. „Wir sind es eigentlich nicht gewohnt, neue Standorte hochzuziehen“, sagte Geschäftsführer Roland Schreiner bei der Eröffnung. „Aber Dorfen war für uns ein Volltreffer: Wir sind begeistert von den Räumlichkeiten und der Infrastruktur kurz vor dem Anschluss an die Autobahn.“
Dorfen sei für die Schreiner Group eine Erfolgsgeschichte geworden: „Im September 2019 haben wir die ersten Pharmalabels produziert“, sagte der Geschäftsführer. „Damals hatten wir 23 Mitarbeiter, jetzt sind es mehr als 100. 2019 hatten wir zwei Kunden, jetzt 25. Wir haben mit zwei Maschinen begonnen, nun sind es 21. Wir haben 30 Millionen Euro Umsatz entwickelt und werden weiteres Wachstum gestalten.“
Allerdings hat das schnelle Wachstum dazu geführt, dass die Produktionsabläufe nicht so optimiert werden konnten, wie man sie gerne gestaltet hätte. Es fehlte insbesondere an Lagerkapazitäten. Eingehende Ware musste in den Produktionshallen gelagert werden, Warenein- und -ausgänge konnten nicht in wünschenswerter Weise getrennt werden.
Dorfens Bürgermeister Heinz Grundner ist beeindruckt
Wolfgang Bonnet, Leiter des Facility Managements, stellte den Anbau vor: Kernstück ist die neue Lagerfläche in Stahlbetonbauweise. Sie erstreckt sich über zwei Etagen mit 580 Quadratmetern. Warenein- und -ausgänge sind nun getrennt. Es handele sich um eine Kaltlagerfläche, die als Wertstofffläche genutzt werde. Das Hochregallager biete Platz für 720 Paletten, bisher seien es nur knapp 200 gewesen. Im Lager nutze man ein fahrerloses Transportsystem mit einem Hub von sechs Metern. Mitte kommenden Jahres werde man das Transportsystem an das SAP-System anbinden, dann werde man im Lager kein Personal mehr einsetzen müssen. Der Materialfluss werde dadurch eindeutiger, die Fertigung effizienter und man schaffe damit in den Produktionshallen mehr Platz für zusätzliche Maschinen. In den Anbau werde zudem das Farblabor umziehen und das Lager für Siebdruckformen. Außerdem habe man im Zuge des Anbaus die Energieversorgung umgestellt: Die Fabrik wird nun über das Fernwärmenetz der Stadtwerke Dorfen versorgt. „Wir wollten weg vom Gas“, sagte Bonnet.

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Der Dorfener Bürgermeister Heinz Grundner ist von dem Wachstum sehr beeindruckt. Er erinnerte an die Schließung des Hawe Hydraulikwerks, die man in Dorfen als „Schlag ins Kontor“ empfunden habe. Mit der Schreiner Group habe man einen neuen Nutzer gefunden, der für Stabilität stehe und dessen Fokussierung auf den Wirtschaftsstandort deutlich werde. „Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass sich ein mittelständisches Unternehmen so prächtig entwickelt“, sagte Grundner. Zudem betonte er die „besondere Partnerschaft mit den Stadtwerken“. Diese Energienutzung sei nachhaltig und stärke den Standort. „Das ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.“
Die 1951 gegründete Firma Schreiner wird mittlerweile von der dritten Generation geführt
Die Schreiner Group entstand aus kleinen Anfängen: Margarete und Theodor Schreiner gründeten 1951 die Firma „M.Schreiner Spezialfabrik für geprägte Siegelmarken und Etiketten“ in einer 45 Quadratmeter großen Garage im Münchner Stadtteil Laim. Schreiner entwickelte das erste Selbstklebeetikett und zog 1961 in ein größeres Gebäude im Stadtteil Fasanerie um. 1974 übernahm der Sohn Helmut Schreiner die Firma, verdoppelte den Umsatz innerhalb von zwei Jahren und zog mit dem Betrieb erneut in ein größeres Gebäude um. In den 1980er Jahren entwickelte das Unternehmen sogenannte Funktionsetiketten mit Zusatznutzen und baute ihren Marktanteil weiter aus. 1993 zog das Unternehmen an den heutigen Firmenhauptsitz in Oberschleißheim um.
2012 übernahm der Enkel des Firmengründers, Roland Schreiner, die Unternehmensleitung und erweiterte die Schreiner Group 2019 um den Standort Dorfen. Das Werk in Dorfen ist nach dem Hauptsitz in Oberschleißheim und Standorten bei New York und Shanghai weltweit das vierte Werk der Schreiner Group. Das Unternehmen beschäftigt 1300 Mitarbeiter, der Exportanteil liegt bei 75 Prozent und der Umsatz beläuft sich auf 220 Millionen Euro. Nach eigenen Angaben produziert das Unternehmen im Jahr 2,5 Milliarden Etiketten, die aneinandergelegt eine Länge von 126 000 Kilometern ergeben würden – das entspricht mehr als dem dreifachen Erdumfang.

