Gasthaus „Zum Schex“ in Sankt WolfgangDer Wirt kocht nur noch auf kleiner Flamme

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Anita und Anton Silbernagl mit ihrer Tochter Juliane Silbernagl vor dem Gasthaus „Zum Schex“ in Sankt Wolfgang.
Anita und Anton Silbernagl mit ihrer Tochter Juliane Silbernagl vor dem Gasthaus „Zum Schex“ in Sankt Wolfgang. Stephan Goerlich

Das vielfach ausgezeichnete Gasthaus „Zum Schex“ in Sankt Wolfgang schließt wegen Personalmangels seinen Biergarten und den großen Saal. Regelmäßigen Betrieb soll es künftig nur noch in der Gaststube und im kleinen Genießerstüberl geben.

Von Thomas Daller, Sankt Wolfgang

Der Schex in der Hofmark von Sankt Wolfgang ist ein stattlicher altbayerischer Gasthof. Erbaut wurde er im 16. Jahrhundert, als noch die Reichsgrafen von Haag die Gegend beherrschten, nicht etwa die Bayernherzöge. Ein authentisches Wirtshaus, eine Trutzburg, in der Meisterkoch Anton Silbernagl die Ehre der weiß-blauen Küche hochhält. Aber der Fachkräftemangel in der Gastronomie zwingt Silbernagl nun zum Kürzertreten.

Das Gasthaus „Zum Schex“ zählt zu den besten in Bayern. Das hat der Wirt und Küchenmeister schriftlich: Seit 1985 beteiligt er sich am Wettbewerb „Bayerische Küche“, den der Freistaat alle drei Jahre veranstaltet. Er war immer unter den ersten 50 in Bayern. Jedes Mal hat er Gold gewonnen und zweimal wurde er Bezirkssieger als beste bayerische Küche in Oberbayern.

Die Auswahl ist groß, von der Bauernente über gebackenen Kalbskopf, Ochenbackerl und Tafelspitz hin bis zum Zanderfilet.Die alten regionalen Rezepte hat Silbernagl noch von seiner Mutter Elisabeth, die sie selbst wiederum von ihrer Mutter hatte. Die war Köchin beim Spöckmeier, damals das beste Restaurant in München. Hinzu kommen eigene Ideen wie das Carpaccio von der hausgeräucherten Gänsebrust, seine Trilogie vom Ochsen oder Saiblingsnockerl. Selbstverständlich gibt es auf der Tageskarte auch immer etwas Vegetarisches, nicht nur die obligatorischen Kasspatzen, sondern frische saisonale Gerichte.

Der Schex ist ein Familienbetrieb, seit 120 Jahren ist er im Besitz der Silbernagls. Neben seiner Frau Anita unterstützten Anton Silbernagl in der Vergangenheit auch seine Töchter Juliane, Lena, Laura und Lisa, 2020 hatte er zudem noch rund 25 Mitarbeiter. Aber die Töchter gehen mittlerweile eigene Wege, und von den Mitarbeitern sind nur noch drei feste und zwölf Aushilfen übrig.

Der Saal mit bis zu 350 Plätzen soll nur noch in Ausnahmefällen bewirtschaftet werden. Silbernagl will ihn dem Theaterverein der Landjugend zur Verfügung stellen, für den traditionellen Turnerball öffnen und voraussichtlich auch an Weihnachten. Bislang war dort reger Betrieb mit Hochzeiten, runden Geburtstagen, Firmenfeiern, Taufen oder Firmungen.

Letztes Derblecken: Für das Starkbierfest (im Bild) im April fehlt Wirt Anton Silbernagl das Personal.
Letztes Derblecken: Für das Starkbierfest (im Bild) im April fehlt Wirt Anton Silbernagl das Personal. Renate Schmidt

Auch das Derblecken fällt künftig aus

Völlig ausreserviert war der Saal auch jedes Jahr beim Politiker-Derblecken in der Fastenzeit, wenn Anton Silbernagl der Politprominenz als „Fastenprediger“ die Leviten las. Zwei Jahrzehnte hat er diese Tradition aufgebaut und beibehalten, rasch entwickelte sich dieses Starkbierfest zum Nockherberg des Landkreises Erding. Wer in der Kommunalpolitik, als Bundestagsabgeordneter oder Ministerin eine Rolle spielte, ließ sich dort sehen und freute sich, wenn er oder sie dort Erwähnung fand. Dabei war die Kritik immer pointiert, aber nie verletzend.

Bereits beim Starkbierfest im April kündigte Silbernagl an, dass er diese Tradition beenden werde. Aber nicht, weil ihm keine Pointen mehr einfallen würden, sondern weil vor seiner Rede 350 Gäste gleichzeitig mit einer warmen Mahlzeit versorgt werden sollen. „Und dafür habe ich nicht mehr das Personal.“

Der Biergarten wird dieser Tage abgebaut. Wie es in der neuen Saison weitergeht, hängt auch von der Personalsituation ab. Es ist ein sehr schöner, ruhiger Biergarten, an dem das Herz des Wirtes hängt.

Aktuell hat der Schex noch Betriebsurlaub, Anton Silbernagl war mit seiner Frau am Gardasee und im Bayerischen Wald, zuletzt kümmerte er sich um den Umbau des Verkaufsraums seiner Metzgerei, in der sich zuletzt ein Friseursalon befand. Dort will er ein „Genießerstüberl“ eröffnen, mit etwa 30 Plätzen. Gaststube und Stüberl will er weiterhin betreiben: „Ich koche ja gern, und solange die Gesundheit mitspielt, will ich weitermachen“, sagt der Wirt.

Eröffnung nach dem Betriebsurlaub ist am Donnerstag, 4. September. Gasthaus und Stüberl sind Donnerstag, Freitag und Samstag von 17 bis 23 Uhr geöffnet, Sonntag von 10 bis 15 und von 17 bis 23 Uhr. Aufgrund des reduzieren Platzangebots empfiehlt sich eine Reservierung.

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