Der Hungersberg bei Sankt Wolfgang gilt als einer der unfallträchtigsten Streckenabschnitte im Landkreis. Jetzt soll dieser Abschnitt der Kreisstraße ED 18 entschärft werden. Die Regierung von Oberbayern hat das Planfeststellungsverfahren für einem Umbau eingeleitet, bei dem auch die Einmündung in die Bundesstraße 15 verlegt werden soll. Die Planunterlagen liegen jetzt einen Monat lang in der Gemeinde Sankt Wolfgang aus.

Die steile Kreisstraße am nördlichen Ortsrand von Sankt Wolfgang über den Hungersberg nach Lappach ist nicht nur im Winter bei schlechten Verkehrsverhältnissen ein Unfallschwerpunkt. Anfang August 2001 ereignete sich dort ein tödlicher Unfall, als ein Unimog ins Schlingern kam und das Fahrzeug vom Anhänger umgeschoben wurde. Das Unfallfahrzeug hatte sich damals knapp hinter einem Schulbus überschlagen; der 45-jährige Fahrer starb noch am Unfallort. Weil es sich um eine Kreisstraße handelt, fiel die Verlegung der Strecke in die Zuständigkeit des Landkreises.
Im Oktober 2007 hatte der Kreisausschuss seine Zustimmung zum Umbau gegeben und 2,5 Millionen Euro dafür eingeplant. Die neue Strecke sollte in einem Bogen nach Nordosten geführt werden und auf Höhe des Sägewerks in einem Kreisel auf die B 15 münden. Der Bund, der mit dem Umbau der Einmündung in die B 15 beteiligt ist, sollte sich mit 79 Prozent beteiligen, der Landkreis mit 21 Prozent. Bereits 2008 war das Projekt im Haushalt des Landkreises eingeplant. Seither hat man nichts mehr davon gehört, bis die Regierung von Oberbayern nun ganz aktuell die Auslegung der Planfeststellungsunterlagen angekündigt hat.
Nach Auskunft der Gemeindeverwaltung Sankt Wolfgang hat es nicht am Landkreis gelegen, dass das Projekt bislang nicht realisiert werden konnte. Ausschlaggebend waren die Grundstücksverhandlungen, die im sogenannten "freihändigen Erwerb" ohne Ergebnis verlaufen sind. Nachdem der Landkreis mit den Grundstückseigentümern zu keiner Einigung kam, wird das Projekt nun über die Regierung von Oberbayern und das Staatliche Bauamt Freising neu angeschoben, weil damit auch der Weg für eine Enteignung frei gemacht werden kann. Landrat Martin Bayerstorfer hatte bereits bei der Kreisausschusssitzung im Oktober 2007 deutlich gemacht, dass man bei diesem Unfallschwerpunkt nicht locken lassen wolle: "Die Strecke ist sehr gefährlich, ab dem Zeitpunkt, an dem wir das umsetzen können, möchte ich keinen Tag mehr warten."
Warum diese Strecke so steil gebaut wurde, hängt mit ihrem ursprünglichen Zweck zusammen: Sie führt auf eine Anhöhe, auf der Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre von der Dorfener Firma Meindl Lehm abgebaut wurde. Und anfangs war es gar keine Straße, sondern dort fuhren Loren auf Schienen hinab und brachten den Lehm zum Fuß des Hügels, wo er auf Lastwagen umgeladen und nach Dorfen transportiert wurde. Für den Lehmabbau war das elfprozentige Gefälle kein Problem, weil im Winter dort nicht gearbeitet wurde.
Heutzutage würde niemand mehr so eine Straße bauen", sagte der Sankt Wolfganger Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Jakob Schwimmer (CSU). Es entspreche nicht den Regeln der Technik, so ein starkes Gefälle unmittelbar auf eine querende Bundesstraße zu lenken. "Das ist eine Werkszufahrt und die wurde nicht für den Winter gebaut", betonte Schwimmer. 2000 Fahrzeuge benutzen nach seinen Angaben täglich diese Strecke. Zehn Prozent davon sind Lastwagen, die Dorfen umfahren, weil sie das Isener Tor Richtung B 12 aufgrund der Durchfahrtshöhe nicht passieren können.