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Rohbau in Altenerding:Baustopp an der Herzogstandstraße

Seit sechs Wochen sind auf der Baustelle in Altenerding keine Bauarbeiter mehr zu sehen gewesen. Der Bauherr hat dem zahlungsunfähigen Unternehmen gekündigt. Jetzt sucht er eine Firma, die den Rohbau vollendet. Fünf Angebote hat er bereits bekommen.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Strasser Bauunternehmung aus Weiden ist insolvent, aber bald wird weitergearbeitet. Noch in dieser Woche vergibt die PAG Planungsgesellschaft einen neuen Auftrag, der Zeitplan soll eingehalten werden

Auf einer der ganz großen Baustellen in Erding ist sechs Wochen nichts passiert, doch jetzt geht es wieder weiter: Noch in dieser Woche wird der Bauherr, die PAG Planungsgesellschaft aus Weiden, den Auftrag für die Fertigstellung des Rohbaus an der Herzogstandstraße 64 in Altenerding vergeben. Nötig wurde dies, weil die Strasser Bauunternehmung GmbH in Insolvenz gegangen ist. An der Herzogstandstraße 64 entstehen 60 Wohneinheiten. Die PAG hat der Firma Strasser nach Bekanntwerden der Insolvenz gekündigt, wie PAG-Geschäftsführer Max Völkl sagte. Auf die erneute Ausschreibung hätten sich fünf Firmen beworben.

Völkl ist zuversichtlich, wie er sagt, dass der Gesamtzeitplan eingehalten werden kann. "Man plant sowieso einen Puffer von drei oder vier Monaten ein." Ein Teil davon sei durch die Strasser-Insolvenz aufgebraucht. Das Projekt "Herzog 64" habe unterschiedliche Fertigstellungstermine, der erste sei für Anfang 2019 geplant und könne gehalten werden. Günstig für die Neuvergabe des Rohbaus: Kurz vor dem Winter haben einige Firmen ihre Baustelle bereits abgeschlossen, fünf haben sich bei der Ausschreibung beworben. Und in wenigen Wochen sollen die Bauarbeiten weitergehen. So könne es auch gelingen, sagt Völkl, dass die nächsten Gewerke vertragsgemäß ihre Arbeit aufnehmen. Als nächstes erwartet die PAG den Dachdecker, er soll termingerecht starten können.

Völlig überrascht sei er von der Insolvenz der Strasser Bauunternehmung gewesen, sagte der PAG-Geschäftsführer, auch wenn es schon einmal eine Insolvenz gegeben hatte: Das jetzige Unternehmen war 2010 aus einem anderen hervorgegangen, das ebenfalls zahlungsunfähig geworden war. Völkl hat eigenen Angaben zufolge auf drei Baustellen gute Erfahrungen mit Strasser gemacht. "Deswegen können wir uns das auch nicht erklären." Zumal es der Branche gut gehe und die Auftragsbücher voll seien. Unter anderem haben die beiden Firmen das Pichlmayr-Seniorenheim an der Sigwolfstraße in Erding gebaut. Man kenne sich gut, es sei fast eine Art Freundschaft gewesen, sagt Völkl. Nach Bekanntwerden der Insolvenz hat er Strasser jedoch gekündigt, was die Vergabeordnung so als Möglichkeit vorsieht. Rechtsanwalt Thomas Klöckner, der in dem Verfahren als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt wurde, fügte an, es sei damit aber nicht gesagt, dass auch alle wechselseitigen Ansprüche abgegolten seien.

Die Strasser Bauunternehmung sei ein recht großes Unternehmen, erläutert Klöckner, und zudem "sehr schnell gewachsen". Von 220 Mitarbeitern ist auf der Homepage die Rede. Wie Völkl bezeichnet es auch Klöckner als ungewöhnlich, dass in einer Boomphase am Bau ein Unternehmen pleite gehe. "Interne Probleme" müssten dafür vermutlich verantwortlich gemacht werden und einige Verträge mit "negativen Deckungsbeträgen". Möglicherweise seien die firmeneigenen Strukturen nicht mit der Größe des Gesamtunternehmens "mitgewachsen". Seit einigen Wochen läuft das vorläufige Insolvenzverfahren über das Vermögen der Strasser Bauunternehmung und des Tochterunternehmens Strasser Bau-Personal GmbH. "Sie können ihre Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen", betont Klöckner. Dennoch sei es sein Ziel, das Tochterunternehmen mit etwa hundert Mitarbeitern zu erhalten. Insgesamt hatte die Strasser Bauunternehmung knapp zwanzig Baustellen in Bayern unterhalten - in unterschiedlichen Phasen der Fertigstellung. Die Baustelle in Altenerding stand vergleichsweise am Anfang. Die Kündigung durch die PAG sei rechtmäßig, sagt Klöckner. Bauherren stellten sich natürlich die Frage, ob sie es riskieren wollten, mit einem zahlungsunfähigen Unternehmen weiter zusammenzuarbeiten. Einige Baustellen werden aber weiter betrieben, unter anderem eine in Riem.

An der Herzogstandstraße 64 sind 60 Wohnungen geplant, Ein-Zimmer-Apartments und Zwei- oder Drei-Zimmer-Wohnungen, teilweise mit Garten. Die Größen reichen von 37 bis 83 Quadratmetern. Den Vertrieb übernimmt die Sparkasse Erding.