Reiseführer-Autor Robert Haas:Voller neuer Pläne

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Reiseführer-Autor Robert Haas: Auf der dunklen Seite der Macht? Autor Robert Haas (rechts) hat zumindest den Schalk im Nacken

Auf der dunklen Seite der Macht? Autor Robert Haas (rechts) hat zumindest den Schalk im Nacken

(Foto: oh)

Robert Haas, Autor des satirischen Reiseführers "City-Guide Dorfen", über Nacht- und Nebelaktionen, Reaktionen auf sein Buch und wie er den Tourismus in seiner Heimatstadt ankurbeln will.

Von Thomas Daller, Dorfen

Der satirische Stadtführer "CityGuide Dorfen", der vor einem Jahr erschienen ist, war in der Isenstadt ein Renner, der im Buchhandel Absatzzahlen generierte wie sonst nur Harry-Potter-Bände. Autor Robert Haas hat nun eine aktualisierte Neuauflage vorgestellt, die ab 18. Dezember erstmals auch in Erding und Taufkirchen erhältlich sein wird. Haas ist in Dorfen ein stadtbekannter Schalk, der bereits wieder voller neuer Pläne steckt.

SZ: Sie haben ganz Dorfen mit ihrem Stadtführer durch den Kakao gezogen. Gab es auch negative Reaktionen?

Robert Haas: Mir sind nur zwei bekannt. Die Therme Erding hat sich bei der Stadt Dorfen beschwert wegen der ungebührlichen Berichterstattung. Man war in Erding der Meinung, es handle sich um einen offiziellen oder städtischen Reiseführer. Das hat Bürgermeister Grundner aber relativ cool gekontert und mir die Korrespondenz auch zukommen lassen. Die zweite negative Reaktion kam von einem örtlichen Immobilienhändler, der mich am Unsinnigen Donnerstag etwas angetrunken beschimpfte. Ich hab das sehr genossen.

Wie war eigentlich die Reaktion der Stadt Dorfen auf den City-Guide?

Die Stadtverwaltung hat reagiert, wie es zu erwarten war, nämlich gar nicht.

Auch auf den "Walk of Fame" nicht, Ihre Aktion mit den Bronzesternen für Dorfener Originale?

Nein, auch nicht. Hier war ich mir nicht ganz sicher, was passieren würde. Schließlich habe ich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion Pflastersteine entfernt und Bronzesterne am Dorfener Marienplatz eingesetzt. Wenn ich ehrlich bin, war ich nur daneben gestanden. Eingesetzt hat sie Stefan Ostermeier, der handwerklich deutlich versierter ist als ich. Sollte die Sache juristisch werden, bitte an diesen Herrn wenden. Anscheinend kann in Dorfen jeder irgendwas in die Stadt einbetonieren. Aber die Idee, kleine Erinnerungszeichen für Dorfner Originale zu setzen, fand ich das Risiko wert. Ein paar Wochen später habe ich mich um eine Audienz beim Bürgermeister bemüht. Vor allem deshalb, weil ich ja plane, die Reihe fortzuführen bis zum Maibaum. Diejenigen Dorfener mit einem Bronzestern zu ehren, die so typisch waren für diesen Ort. Typen wie den den Dallmoa Goggi, den Dax Alois, und viele andere. Auch der Bürgermeister fand die Idee toll. Aber mit Unterstützung der Stadt brauche ich nicht zu rechnen. Da muss ich mir überlegen, wie ich das fortführen kann. Vielleicht finden sich ja Sponsoren.

Gibt es weitere Pläne? Vielleicht ein neues Buch?

Ja, durchaus. Viele Dorfner sind durch den hinteren Teil im City-Guide "Kurioses" wieder auf jede Menge alte Geschichten gekommen. Da gibt es die irrsten Storys! Das wäre total schade, wenn das alles vergessen werden würde. Mein Plan ist, ein Buch über Geschichten und Legenden zu machen. Diesmal aber wirklich zusammen mit Armin "Olli" Olbrich. Beim City-Guide hatte er einfach zu wenig Zeit. Ich hoffe er macht mit, wissen tut er noch nichts davon. Aber er wäre die totale Bereicherung.

Und dann werde ich noch die Themen Tourismus und Souvenirs in Dorfen beackern. Da sehe ich ein großes Potenzial.

Tourismus und Souvenirs? Für Dorfen? Das ist wohl eine sehr überschaubare Marktnische...

Durch die Arbeit am City-Guide habe ich ein paar Jahre genauer hingesehen und dann bemerkt man wirklich Touristen in Dorfen. Kein Witz. Es gibt viele Durchreisende, die Halt machen am schönen Marktplatz, eine große Zahl von Hotelgästen von Messen, Kongressen und vom Flughafen sowie die vielen Tagesausflügler mit Fahrrad und Zug, die sich Dorfen anschauen wollen, weil es gut zu erreichen ist. Denen muss man doch was bieten! Die muss man abholen mit Spaß, mit Service, mit Möglichkeiten. Man muss den Leuten einen Grund geben, warum sie ausgerechnet nach Dorfen fahren sollten. Vielleicht mit einem witzigen Heimatmuseum, in dem die Dorfener Geschichte nicht so bierernst erzählt wird, wie überall sonst auch. Wen interessiert das? Wenn die Geschichte aber mit Spaß und Hintersinn erzählt werden würde, mit einem Schuss Valentinmuseum, dann hätte Dorfen eine Attraktion mehr. Es gibt viele Möglichkeiten. Außerdem plane ich einen Webshop mit speziellen Dorfener Souvenirs zu eröffnen.

Dorfen-Souvenirs? Und Sie glauben, damit können Sie Geld verdienen?

Nein, glaube ich nicht. Aber der Spaß ist es mir wert. Das Witzige am City-Guide ist doch, dass ich das Konzept eines Reiseführers einer Weltstadt auf eine Kleinstadt wie Dorfen anwende. Weder Erding, noch Rosenheim oder Landshut haben etwas ähnliches anzubieten. Genau das werde ich jetzt auch mit Andenken und Souvenirs machen.

Tourismus ist doch auch ein Thema der Stadt Dorfen im Rahmen der Stadtentwicklung. Wird es da womöglich eine Zusammenarbeit geben?

Nein, die wird es nicht geben. Da müsste ich mir dann womöglich von einer auswärtigen Agentur sagen lassen, was für Dorfen sinnvoll ist und was nicht. Ich müsste vielleicht auch eine absurde Sitzgelegenheit zusammennageln und mir vors Haus stellen. Es gibt jede Menge kreativer Leute in Dorfen, aber im Dorfener Stadtrat zählt man seit jeher hauptsächlich auf die Meinung von Auswärtigen. Das hat schon Tradition. Zum Beispiel wurde für den Architektur-Wettbewerb für das neue Rathaus kein ortsansässiger Architekt eingeladen und nur ein einziges Büro aus dem Landkreis. Auch die neue Image-Broschüre der Stadt Dorfen macht eine auswärtige Agentur. Außerdem kann ich nach dem Golfplatz-Fiasko einen Teil des Stadtrats nicht mehr für voll nehmen.

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