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Reisebüros haben wieder was zu tun:Urlaub unter Vorbehalt

Reiseunterlagen im Reisebüro "Galaxis" in München, 2019

Je stärker die Lockerungen bei den Quarantänevorschriften, umso größer ist die Nachfrage nach Reisen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Das Geschäft boomt vor den Ferien. Gefragt sind vor allem Ziele im Mittelmeerraum. Das größte Problem ist die Delta-Mutante von Covid-19. Die Auflagen und Einschränkungen ändern sich fast täglich

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Die Inzidenzzahlen gehen runter, und die Sommerferien stehen vor der Tür. Nachdem immer mehr Länder ihre Einstufung als Risikogebiete verlieren, können sich die Reisebüros im Landkreis über zu wenig Arbeit nicht beklagen. Nach vielen Monaten Stillstand boomt das Geschäft wieder. "Die Nachfrage ist enorm, es wollen sehr viele weg - auch mit dem Flugzeug, nicht nur mit dem Auto. Das spüren wir seit Anfang Mai", sagt Corinna Gunst vom Reiseatelier in Erding. Doch einen Haken gibt es: Die Delta-Mutante des Covid-19-Virus verbreitet sich immer mehr. Und damit ändern sich fast täglich die Einreise- und Quarantänebestimmungen. Die Reisebüros können Urlaub deshalb nur unter Vorbehalt vermitteln.

"Die meisten Anfragen gehen in die Mittelmeerregion", sagt Gunst. Vor allem seien Ziele gefragt, wo die Urlauber nach ihrer Rückkehr von einer Quarantänepflicht befreit wären. Aber das könne sich oft schnell ändern. "Das sieht man an Portugal. Vor vier Wochen war das noch kein Thema, jetzt ist es ein Virusvariantengebiet." Sehr unterschiedlich seien die Buchungen was den Zeitraum betrifft: Es gebe Kunden, die "superkurzfristig" noch im Juli weg wollen. Aber auch in den Ferien wollen viele Familien wegfliegen, die Nachfrage sei enorm. Was wiederum dazu führt, dass die Preise steigen. Es gibt aber auch schon Nachfragen für die Herbstferien und fürs neue Jahr, sogar für Fernreisen im Februar und März, sagt Gunst. Auch wenn man darauf hinweise, dass die Situation coronabedingt sehr unterschiedlich sein kann.

Die Nachfrage ist auch bei der Flugbörse in Erding groß. "Die meisten wollen möglichst schnell weg und dorthin, wo es die wenigsten Probleme gibt. Mallorca ist sehr gefragt", sagt Mitgeschäftsführer Bernd Schmid. Auch dort sind die sich ständig ändernden Quarantäneregeln ein Thema. Aber auch für Dezember und Januar werde schon gebucht. "Gefragt seien die USA, aber auch Kreuzfahrten in der Karibik."

Seit Mitte Mai hat auch das Geschäft bei Holiday Land angezogen. "Viele haben sich gesagt: raus aus dem Home-Office. Es läuft, da können wir uns nicht beschweren. Nach der langen Zeit sind wir froh, wie es derzeit läuft", sagt Geschäftsführerin Sabine Kuliga-Lenffer. Die Dorfener wollen im Juli und August vor allem nach Spanien, Griechenland, Italien und Kroatien. "Dabei hält sich die Waage, ob Eigenanreise oder Flug", sagt Kuliga-Lenffer.

"Momentan ist die Hölle los bei uns. Die Leute wollen weg, seitdem mehr Länder geöffnet haben, die Einreisen erleichtert wurden und es Impffortschritte gibt", sagt Michael Gilch, Leiter des Tui Reisebüros in Erding. Mallorca und Griechenland boomen, auch die Türkei sei wieder gefragt. Dazu kämen Autoreisen nach Norddeutschland, Italien, Kroatien. Für das Auto spricht ein Sicherheitsaspekt: Man kommt wieder einfacher zurück als mit dem Flieger, wenn sich kurzfristig bei den Auflagen wegen Corona was ändert. "Da stellen wir einen großen Beratungsbedarf fest: von Einreisebedingungen bis rechtliche Absicherungen."

"Die Nachfrage ist sehr groß. Bei uns werden vor allem Reisen für die Ferien gebucht", sagt Monika Hagl vom gleichnamigen Reisebüro in Dorfen. Gefragt sei Griechenland, Italien und Spanien. Aber nicht nur die Nachfrage nach Reisezielen sei groß, sondern auch nach den Corona-Auflagen vor Ort oder bei der Rückkehr.

Aktuelle Informationen zur Corona-Lage sind auch bei Holiday Land gefragt, sagt Kuliga-Lenffer. "Der größere Aufwand ist nicht, für die Kunden was zu finden, sondern im Nachgang zu schauen, wie sieht es am Zielort aus und was brauche ich, um ins Land rein zu kommen und was muss ich bei der Rückkehr beachten." Wichtig sei, sich ein oder zwei Tage vor Urlaub über aktuelle Bestimmungen zu informieren. Beim Reiseatelier hat man sich auf die vielen Fragen vorbereitet, jeder bekommt ein Informationspaket mit Links, wo man sich tagesaktuelle Informationen holen könne. "Was wir nicht leisten können: jedem einzelnen Kunden die neuesten Reiseinformationen zu geben", sagt Cornelia Gunst.

© SZ vom 05.07.2021
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