Regionalverkehr Aufgewertete Verbindungen

So sieht es aktuell aus: Eine Diesellokomotive zieht kurz hinter Dorfen einen Güterzug auf einer eingleisigen, nicht elektrifizierten Strecke.

(Foto: OH)

Beim Ringschluss und der Bahnstrecke Richtung Österreich sieht der Bund noch mehr Potenzial als bislang. Ein "Fernbahngleis" zum Flughafen sowie die Walpertskirchener Spange gehören fortan zum Großprojekt

Von Florian Tempel

Der Bund sieht in der geplanten Bahnverbindung vom Flughafen München über den Erdinger Ringschluss und die Walpertskirchener Spange Richtung Salzburg mehr Potenzial als bislang. Deshalb bringt sich der Bund nun auch offiziell beim Bau des Ringschlusses ein, indem er eines der beiden Gleise als "Fernbahngleis" ausweist. Für den Fernverkehr ist der Bund direkt zuständig. Der Erdinger Ringschluss war bislang nur ein Nah- und Regionalverkehrsprojekt.

Das Fernbahngleis und die Walpertskirchener Spange gehören fortan zum Gesamtprojekt der Ausbaustrecke München - Mühldorf - Freilassing (ABS 38). Überhaupt wird der Personenfernverkehr stärker in den Vordergrund gerückt, wie bei der Sitzung des Projektbeirats der ABS 38 zu erfahren war: Auf dem Abschnitt zwischen Markt Schwaben und Ampfing sollen später Geschwindigkeiten bis 200 Stundenkilometer möglich sein. Für diese Tempoerhöhung - bislang wurde für maximal 160 Kilometer pro Stunde geplant - müssen die Pläne noch einmal überarbeitet werden. Der Terminplan verschiebt sich dadurch um voraussichtlich eineinhalb Jahre. Die ersten Planfeststellungsverfahren für die sieben Ausbauabschnitte zwischen Markt Schwaben und Ampfing werden nicht in diesem Jahr, sondern erst Ende 2020 beginnen können.

Das alles war im Nachgang der fünften Sitzung des Projektbeirats ABS 38 in Mühldorf in der vergangenen Woche zu erfahren. Eine weitere wesentliche Änderung, die den Landkreis Erding aber nicht betrifft, ist der nun beschlossene zweigleisige Ausbau im Abschnitt von Tüßling bis Freilassing. Erst durch den stärker als bislang prognostizierten Fernverkehr zwischen Flughafen München und Salzburg habe sich ein positives Kostennutzenverhältnis für den durchgehenden Ausbau ergeben, erklärte ein Bahnsprecher.

Der Bahnverkehr von Österreich zum Münchner Flughafen und zurück wird nicht mit einer bestimmten Anzahl von Zügen geplant. Im Fernverkehr buchen die Bahngesellschaften eine Strecke nach eigenwirtschaftlichen Aspekten. Es wird erwartet, dass neben der Deutschen Bahn auch die Österreichische Bundesbahn (ÖBB) und die private Westbahn GmbH Züge zwischen Salzburg und dem Münchner Flughafen fahren lassen wollen. Die Westbahn wird von April an eine Bahnverbindung von Salzburg nach München anbieten. Über die Strecke über Mühldorf soll es später einmal deutlich schneller gehen als über die aktuelle Strecke via Rosenheim. Die Erhöhung auf eine Spitzengeschwindigkeit von 200 Stundenkilometer zwischen Markt Schwaben und Ampfing brächten allein fünf Minuten Reisezeitersparnis, hieß es im Projektbeirat.

In einer Pressemitteilung wird Klaus-Dieter Josel, der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Bayern, so zitiert: "Die Erhöhung der Streckengeschwindigkeit steigert die Leistungsfähigkeit und Attraktivität der Strecke. Die planerischen Änderungen im Abschnitt Markt Schwaben bis Ampfing sind voraussichtlich überschaubar. Sobald uns der offizielle Planungsauftrag des Bundes vorliegt, werden wir die Anpassungen und das weitere Vorgehen mit den betroffenen Kommunen besprechen." Klaus-Peter Zellmer, der Gesamtprojektleiter des Bahnausbaus, bewertete die nötigen Umplanungen als technisch nicht weiter schwierig, sie bräuchten nur ihre Zeit.

Die Kosten für das Großprojekt, das trotz der Änderungen und Ergänzungen bis 2030 realisiert sein soll, werden vom Bund nun mit 2,3 Milliarden Euro angesetzt. Zuletzt waren 1,6 Milliarden Euro genannt worden, als aber noch keine Walpertskirchener Spange, ein Anteil für das Fernbahngleis des Ringschlusses, die Geschwindigkeitserhöhung und die Zweigleisigkeit im Ostabschnitt dabei waren.