Regionale Baukunst Architektur im Blickpunkt

Bayernweit können an diesem Wochenende besondere Gebäude besichtigt werden. Der Landkreis schließt sich mit der Auszeichnung der Fassadenpreisträger an

Von David Holz, Erding

Dieses Wochenende öffnen sich in Bayern wieder Türen und Tore zu privaten und öffentlichen Gebäuden, die Architektur im Landkreis steht im Fokus. Im Rahmen der "Architektour"-Veranstaltung gibt es an mehr als 136 Orten im ganzen Bundesland 221 ausgewählte Projekte zu besichtigen und zu bestaunen. Vom Reihenhaus bis zum Rathaus, von der Wasserrettungsstation bis zum Hotel, einer Kinderkrippe und einem Kino reichen die Objekte, welche von der Architektenkammer als würdig befunden wurden, präsentiert zu werden. Zudem wurde am Freitag, 23. Juni, zum bereits 31. Mal in Folge der Fassadenpreises des Landkreises 2016 durch den Kreisverein für Heimatschutz und Denkmalpflege Erding, im Festsaal des Fischer Seniorenzentrums vergeben.

Im Landkreis Erding sind es bei der diesjährigen "Architektour" zwei Objekte, die besichtigt werden können. In Oberding ist es die sanierte Kirche St. Georg, die 1703 erbaut wurde. Termin ist am Samstag von 13 bis 14 Uhr. Ferner steht das Gemeindezentrum Fraunberg für Besucher offen. Dieses wiederum kann man am Rathausplatz 1, am Sonntag von 15 bis 16.30 Uhr anschauen.

"Da das Gemeindezentrum zwischen den zwei historischen Dominanten Schloss und Kirche liegt, wollten wir mit ihnen nicht konkurrieren oder diese nachahmen. Doch das Gebäude soll zeigen, dass es nun das Wichtigste in der Gemeinde ist und es den heutigen Zeitgeist repräsentiert", betonte der Bürgermeister der Gemeinde Fraunberg, Hans Wiesmaier. Das moderne dreifach genutzte Gemeindezentrum soll sich nahtlos mit dem Ortsbild verbinden. Wiesmaier ist neben den Räumen des Rathauses und der Bank vor allem auf den Bürgerbereich stolz. So biete dieser verschiedene Möglichkeiten wie ein Lese-Café oder den regelmäßigen Künstlerstammtisch. Neben einem Foyer gibt es auch einen großen, überdachten Platz für Versammlungen. Der Anlaufpunkt für Bürger soll "unsere demokratische Verfassung symbolisieren", erläuterte Architekt Jakob Oberpriller. Im speziellen die Standortwahl im historischen Ortskern soll ein Bekenntnis zur Innenentwicklung und zur lebendigen Geschichte Fraunbergs sein, die mit dem neuen Zentrum in die Zukunft weitergeführt werden soll. Wichtig ist dem Bürgermeister auch, dass man den geplanten Kostenrahmen unterschritten hat und das "neue Herz des Dorfes" viel Zuspruch findet.

Sandra Angermaier.

(Foto: Peter Bauersachs)

Für architekturinteressierte Kinder und Jugendliche ist auch etwas geboten. Sie können in allen 221 Objekten fotografieren und mit ihren Fotos am Wettbewerb "Ich sehe was, was Du nicht siehst!" teilnehmen. Die Aufnahmen werden von einer Jury bewertet, die eindrucksvollsten Ergebnisse ausgezeichnet und im Deutschen Architektenblatt veröffentlicht. Außerdem sind an einigen Orten Veranstaltungen wie ein Kindertheater sowie Modellbau geboten.

Das Fraunberger Gemeindehaus wird ganz aktuell ein weiteres Mal geehrt. In der Kategorie Neubau öffentlicher Gebäude wurde es von einem Prüfungsgremium mit dem Fassadenpreis prämiert. Die Jury, bestehend aus der Vorstandschaft des Kreisvereins und einem unabhängigen Architekten, vergab in insgesamt fünf Kategorien die Preise. Vorab wurden alle Objekte berücksichtigt, die bis Ende vergangenen Jahres als Vorschlag beim Bauamt eingingen. Das Gremium prüfte anschließend die Bauten vor Ort auf das verwendete Material, die Fassadenqualität sowie die Technik der Ausführung. Laut Sandra Angermaier, Geschäftsführerin des Kreisvereins für Heimatschutz und Denkmalpflege, war es dem Gremium vor allem wichtig, wie gut die Einrichtungen in das Orts- oder Landschaftsbild hineinpassen, ob dieses bewahrt wird und wie sehr auf die Nachhaltigkeit hinsichtlich Materialien, aber auch im Blick auf die Nutzungsmöglichkeiten für ältere Menschen geachtet wurde.

Kriterien

Die Jury, bestehend aus dem Vorstand des Kreisvereins für Heimatschutz und Denkmalpflege und einem unabhängigen Architekten, bewertete die Gebäude im Hinblick auf das verwendete Material, die Fassadenqualität sowie die Technik der Ausführung. Insgesamt wurde der Fassadenpreis in fünf Kategorien vergeben.

In der Kategorie denkmalgeschützter Gebäude wurde die restaurierte Fürmetzkapelle Dorfen ausgezeichnet. Nachdem diese 2012 einer Brandstiftung weitestgehend zum Opfer fiel, wurde das sakrale Kleinod nun saniert. Laut Angermaier ist die Kapelle für viele Menschen über Dorfen hinaus ein wichtiger Ruheort. In der Gruppe der Gewerbebauten hat das neue Verwaltungsgebäude der Alpha Tonträger Vertriebs GmbH gewonnen. Insbesondere ein Innenhof für die Arbeitnehmer und der futuristische Zeitgeist des Gebäudes seien maßgeblich für die Prämierung verantwortlich.

Die Kategorie Umbau/Gebäudeerhalt war für die Jury besonders wichtig, betont Angermaier. So hat man sich für die renovierte Grund- und Mittelschule Dorfen entschieden, da man "künftige Bauherren dafür sensibilisieren möchte, sich der Bedeutung der Objekte für den Ort bewusst zu werden und alte Bauten nicht rigoros abgerissen werden sollten". Als schönster privater Wohnbau wurde das moderne Einfamilienhaus der Familie Schubert in Taufkirchen geehrt.

Alle Objekte sowie die Besichtigungszeiten der Architektour sind auf der Website der Bayerischen Architekturenkammer unter www.byak.de aufgelistet.