Einer aktuellen Forsa-Umfrage zufolge sieht es nicht gut aus mit der Hilfsbereitschaft der Menschen. Darauf hat die Bundesregierung nun mit einer Gesetzesänderung reagiert. Vom 1. April an sollen alle verpflichtenden Erste-Hilfe-Kurse künftig neun Unterrichtsstunden dauern, aufbereitet in einem neuen pädagogischen Konzept. Die SZ sprach mit Hans-Jürgen Engler, dem Pressesprecher des Johanniter Regionalverbands Oberbayern.
SZ: Was genau ändert sich durch das neue Bundesgesetz?
Alle verpflichtenden Erste-Hilfe-Kurse, wie auch der für Führerscheinanwärter, wurden von acht auf neun Stunden erhöht.
Wichtig ist aber nicht die Stundenanzahl, sondern vor allem das neue pädagogische Konzept. Die Art der Ausbildung war nicht mehr praxisgerecht.
SZ: Inwiefern nicht mehr praxisgerecht?
Bisher war es hauptsächlich ein reiner Frontalunterricht. Wir wollten weg vom Sich-Berieseln lassen und einen interaktiven Unterricht schaffen. Jetzt müssen die Teilnehmer laufend irgendwelche Übungen machen, wie die Herz-Lungen-Wiederbelebung oder die stabile Seitenlage. Viele Leute haben Angst hinzulangen, weil sie Angst haben, etwas verkehrt zu machen. Daher ist es umso wichtiger, dass wir ihnen die Grundlagen so gut wie möglicheinprägen.
SZ: Hat die neue Regelung etwas damit zu tun, dass seit einigen Jahren 16-Jährige bereits zum Führerschein zugelassen sind?
Aus meiner Sicht hat das damit rein gar nichts zu tun. Ob das aber ein möglicher Entscheidungsfaktor in der Politik war, kann ich nicht sagen.
SZ: Woran denken Sie liegt es, dass die Leute heute weniger bereit sind, zu helfen?
Unsere Gesellschaft hat sich einfach verändert. Es wird zunehmend weggesehen, und auch die Arbeit der Hilfsorganisationen wird weniger geschätzt. Das ist aber überhaupt ein Problem. Schauen wir uns doch nur mal an, wie sich die Leute verhalten, wenn irgendjemand auf der Straße belästigt wird? Da spielen noch ganz andere Dinge mit rein, als die Angst, etwas falsch zu machen. Das werden wir auch nicht mit dem neuen Ausbildungskonzept ändern können.
SZ: Was hoffen Sie dann mit dem neuen Konzept zu erreichen?
Wir freuen uns natürlich sehr über die neuen Regelungen. Das ist ein wichtiges Thema. Vielleicht dringt es nun auch mit der Änderung wieder ins öffentliche Bewusstsein. Wir wollen hauptsächlich die Hemmschwelle senken, dass die Leute wenigstens wissen würden, was zu tun ist. So ist ein Grund, wegzuschauen, eliminiert. Aber wie heißt es so schön? "Steter Tropfen höhlt den Stein." Vielleicht wird sich auf lange Sicht etwas ändern.
SZ: Und was kann man tun, damit die Leute sich das einprägen?
Heutzutage ändern sich die Anschauungen generell schneller, Erkenntnisse aus der Notfallmedizin fließen schneller in die Kurse ein. Das ist natürlich toll, dass wir uns so schnell an neue Ergebnisse anpassen können und immer am Laufenden sind. Deswegen ist es natürlich erst recht wichtig, dass Leute immer wieder ihren Erste-Hilfe-Kurs auffrischen.
SZ: Wo kann man sich für einen Kurs anmelden?
Der nächste Johanniter Erste-Hilfe-Kurs für die Erdinger ist in Allershausen. Die Kurse können online gebucht werden, an den Kosten hat sich nichts geändert bei uns. Natürlich gelten die neuen Regeln aber für alle Ausbildungsorganisationen.
