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Reden wir über:Ermattete Fledermäuse

Sabine Meyer

Die Sankt Wolfgangerin Sabine Meyer, Fledermausfachberaterin des Landesbund für Vogelschutz.

(Foto: oh)

Bei großer Hitze fallen Jungtiere aus ihren Quartieren unterm Dach

Die große Hitze macht derzeit vielen zu schaffen, nicht nur Menschen. Fledermaus-Jungtiere, die im Dachgebälk aufgezogen werden, leiden unter den dort glühend heißen Temperaturen. Beim verzweifelten Versuch, der Hitze zu entkommen, können sie leicht aus ihrem Quartier fallen. Die Sankt Wolfgangerin Sabine Meyer, Fledermausfachberaterin des Landesbund für Vogelschutz, erklärt im SZ-Gespräch, wie man reagieren sollte, wenn man eine ermattete Fledermaus findet.

SZ: Wo kommen im Landkreis Erding Fledermäuse vor?

Sabine Meyer: Es gibt sie überall. Von den 25 Arten, die in Bayern vorkommen haben wir im Laufe der Jahre im Landkreis 20 Arten gefunden. Sie haben ihre Quartiere in Kirchen, aber auch in vielen Privathäusern unter Holzverkleidungen oder am Dach unter Ziegeln. Die Kolonie der Großen Mausohren in der Schwindkirchener Kirche ist sicher am bekanntesten - wegen des Baus der Isentalautobahn. Im Schloss Burgrain bei Isen haben wir zirka 150 Bartfledermäuse und im Schloss Fraunberg gibt es eine kleine Kolonie von Fransenfledermäusen. Hier bei uns in St. Wolfgang am Forstweg zähle ich jedes Jahr circa 80 Zwergfledermäuse. Es gibt auch Fledermäuse, die in Wälder in Baumhöhlen leben. Die sind jedoch sehr schwer zu kartieren.

Warum und wie bereitet die Sommerhitze den Tieren Probleme?

Fledermäuse nutzen für die Jungtieraufzucht warme Stuben unter dem Dach, weil die Jungtiere Wärme brauchen. Wenn aber die Temperaturen im Hochsommer extrem heiß werden, kann das natürlich gerade unterm Dach zum Problem werden. Wenn die Tiere zum Beispiel unter einer Holzverkleidung hängen, können sie von dort herunter fallen. Denn viele Jungtiere, die Ende Mai auf die Welt gekommen sind, können noch nicht fliegen.

Was soll man tun, wenn man vor seinem Haus oder sonst wo ein herabgefallenes Jungtier findet?

Man sollte es nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse sind Wildtier und könnten Krankheiten übertragen. Also sollte man Handschuhe anziehen. Dann holt man einen Karton, zum Beispiel einen Schuhkarton, und klemmt ein Stück Stoff unter dem Deckel ein. Daran kann sich die Fledermaus dranhängen und fühlt sich wohler, als wenn sie im Karton kauern muss. Und man sollte ihr Wasser geben, zum Beispiel mit einem getränkten Stück Schwamm, an dem sie saugen kann. Den Karton stellt man an eine kühle, dunkle Stelle, die sicher vor Katzen ist.

Und dann?

Man muss schauen, ob man sie in ihr Quartier zurückbringen kann. Oder man macht es so: Man nimmt eine glatte Schüssel und stellt ein mit einer Socke überzogenes Glas verkehrt herum in die Schüssel. Das Jungtier kann sich dort dranhängen. Aus der glatten Schüssel kann es aber nicht herauskrabbeln. Die Schüssel stellt man abends - katzensicher - auf ein Fensterbrett unter dem Quartier. Das Junge ruft nachts seine Mutter, die es dann holt. In der Regel klappt das ganz gut.

Und wenn es nicht klappt?

Man kann jederzeit bei mir anrufen. Die Kontaktdaten stehen im Internet auf www.erding.lbv.de. Es ist für uns immer interessant, wenn eine Fledermaus gefunden wird. Es freut uns immer, wenn wir erfahren, wo es Fledermäuse gibt. Es ist auch schön, wenn wir ein Foto von dem Tier und dem Quartier bekommen können.