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Prüfungspremiere für G8-Schüler:Abitur ohne Maßstab

Abi-Prüfungen für Versuchskaninchen: 173 G8-Schüler im Landkreis Erding haben ihre erste Prüfung geschrieben. Auch wenn es viele Neuheuten gibt - die Ergebnisse sollen besser ausfallen als bisher.

Am Freitagmorgen hat sich der erste G8-Jahrgang seiner ersten Reifeprüfung gestellt: Für die 173 Schülern aus dem Korbinian-Aigner-, dem Anne-Frank-Gymnasium und dem Gymnasium Dorfen stand Deutsch auf dem Plan. Alles im grünen Bereich, verkündete anschließend Elisabeth Ringler vom Anne-Frank-Gymnasium: Keiner hatte verschlafen. Dass die Schüler nervös waren, sei jedoch deutlich zu erkennen gewesen.

G8-Abiturienten in Bayern starten mit Prüfungen

Rund 32 800 Schüler des achtjährigen Gymnasiums (G8) legen in Bayern in diesen Tagen ihre Prüfungen ab. Die erste Hürde haben sie mit dem Deutschabei am Freitag bereits hinter sich gebracht.

(Foto: dpa)

Beim G8-Abitur muss jeder Absolvent eine Prüfung in Deutsch ablegen, denn im Gegensatz zum G9 gibt es nun keine Leistungs- und Grundkurse mehr. "Alle unsere 90 Schüler sind verpflichtet, in Deutsch und Mathe eine schriftliche Prüfung abzulegen", erklärt Ringler. Dazu komme ein drittes Abiturfach, das zwingend eine Fremdsprache sein muss. Ob diese Prüfung mündlich oder schriftlich abgelegt wird, stehe den Schülern frei.

Das selbe Prinzip greift auch bei den weiteren beiden Fächern, dabei muss eines aus dem gesellschaftlich-religiösen Bereich wie beispielsweise Religion, Ethik, Geschichte oder Erdkunde stammen, das andere ist frei wählbar. Es darf jedoch kein gesellschaftswissenschaftliches Fach sein. Zu beachten ist am Ende auch, dass drei Fächer schriftlich abgelegt werden und zwei mündlich getestet werden. Im G9 wurden vier Fächer geprüft: drei schriftlich und eines mündlich.

"Bei den Fremdsprachen sind wir schon sehr gespannt", sagt der Kollegstufenbetreuer Gerd Flören vom Gymnasium in Dorfen. Denn nun stehe auch das Hörverständnis auf der Prüfungsordnung. Dazu habe man die Akustik in den Räumen des Gymnasiums getestet, um sicher zu gehen, dass bei der Prüfung alles akustisch zu verstehen ist. "Alles Neuheiten, die wir beim G9 nicht beachten mussten", so Flören. Aufgrund dieser Neuheiten fühlen sich die 127 Schüler in Dorfen ein bisschen wie "Versuchskaninchen", sagte er.

Er rechne damit, dass die Ergebnisse des G8-Abiturs wesentlich besser ausfallen als die von den vergangenen G9-Jahrgängen. Grund sei, dass die schriftlichen und mündlichen Noten im Verhältnis 1:1 gewichtet werden. Meist seien die Schüler mündlich deutlich besser, was den Schnitt dann hebe. Elisabeth Ringler vom Anne-Frank Gymnasium wagt dazu keine These. Es gebe ja schließlich kein vergleichbares Abitur, da könne man schlecht sagen, ob das Niveau höher oder niedriger sei, sagt sie. Sie hoffe einfach, dass das Lehrerkollegium die Schüler ausreichend vorbereitet habe. "Dann ist es auf jeden Fall zu schaffen." Doch vor dem Deutsch-Abitur hatten die Schüler gehörigen Respekt, sagt sie der SZ.

Hanna Weber, Abiturientin am Anne-Frank Gymnasium, sah alles ganz gelassen: "Da jeder die Deutschprüfung schreiben musste, war klar, dass es nicht allzu schwer werden würde." Aus den fünf Aufgaben wählte sie die Analyse und Interpretation eines Gedichtes von Hugo von Hofmannsthal aus dem Jahr 1892. Die Aufgaben seien aber alle gut zu bearbeiten gewesen, findet sie. Auch Schulleiter Hermann Bendl vom Korbinian-Aigner Gymnasium fand die Aufgaben machbar, nur der Kommentar zum Thema "Freundschaft im Zeitalter der digitalen Kommunikation" habe journalistische Fähigkeiten erfordert, findet er.