Protest in Erding:"Das ist ein Grün-Kaputt-Projekt"

Das Bündnis für Klimaschutz und Flächensparen protestiert gegen die geplante Nordumfahrung Erding. Eine neue Verbindung von der Bundesstraße B 388 zur Flughafentangente Ost verbrauche zu viel Boden, zerstöre Naherholungsgebiete, sei klimaschädlich und überflüssig

Von Florian Tempel, Erding

Es gibt viele Stellen, an denen die geplante Nordumfahrung von Erding das Landschaftsbild massiv verändern würde. An ihrem östlichen Ende an der Bundesstraße B 388 ist ein mächtig großer Kreisverkehr geplant und an der Wartenberger Straße sogar ein überbrückter Mega-Kreisel. Das Erdinger Bündnis für Klimaschutz und Flächensparen hat sich aber dafür entschieden, nördlich von Langengeisling gegen das Straßenprojekt zu protestieren. An der Stelle, wo die als Kreisstraße ED 99 geplante Umgehungsstraße in einer 40 Meter breiten Schneise und mit einer sieben Meter hohen Brücke die Sempt überqueren würde. Nur einen halben Kilometer weiter westlich ist für die Nordumfahrung in ganz ähnlicher Weise die Überquerung des Fehlbachs geplant. "Das ist ein Grün-Kaputt-Projekt", sagte Norbert Hufschmid, der Erdinger Ortsvorsitzende des Bundes Naturschutz (BN), dort am Freitag.

Protest in Erding: Hier zum Beispiel, etwas nördlich von Langengeisling, würde die Nordumfahrung in einer breiten Schneise quer über die Felder und durch die Landschaft verlaufen.

Hier zum Beispiel, etwas nördlich von Langengeisling, würde die Nordumfahrung in einer breiten Schneise quer über die Felder und durch die Landschaft verlaufen.

(Foto: Renate Schmidt)

Das Bündnis gegen dieses und andere Straßenbauprojekte wie etwa den Ausbau der Flughafentangente Ost (FTO) hat sich erst vor wenigen Monaten gegründet. Mitglied im Bündnis sind die Kreisgruppen von Bund Naturschutz, des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und Einzelpersonen wie der Landwirt Jakob Maier. Wobei Maier im Bündnis zwar als Privatmann auftritt, aber außerhalb desselben Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands ist. "Das Bündnis wächst und gedeiht", sagte Wolfgang Fritz, der Initiator des Bündnisses, am Freitag bei der Demo gegen die Nordumfahrung, die Bürgerinitiativen Langengeisling und Bockhorn sowie die Ökogenossenschaft Tagwerk seien nun auch dabei.

Protest in Erding: Gemeinsam dagegen (von links): Bündnis-Initiator Wolfgang Fritz, Landwirt Jakob Maier und der BN-Ortsvorsitzende Norbert Hufschmid.

Gemeinsam dagegen (von links): Bündnis-Initiator Wolfgang Fritz, Landwirt Jakob Maier und der BN-Ortsvorsitzende Norbert Hufschmid.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Nordumfahrung Erding wird von großen Teilen der Kreispolitik und der Erdinger Kommunalpolitik seit Jahrzehnten gefordert. Da eine Realisierung durch den Staat nie absehbar war, hatte 1999 der damalige Landrat Xaver Bauer (CSU) die Idee, der Landkreis könnte die Nordumfahrung als Kreisstraße selbst planen und bauen lassen. Eine Kreisstraße könnte wesentlich schneller verwirklicht werden, glaubte Bauer. Etliche Jahre später knüpfte sein Nachfolger Martin Bayerstorfer (CSU) an die Idee an und entwickelte sie weiter. Den Landkreis werde die Straße letztlich nichts kosten, versprach Bayerstorfer, die Stadt Erding müsse einen großen Anteil zahlen, zudem wollte man Geld aus dem sogenannten Umlandfonds der Flughafengesellschaft und der Freistaat Bayern sollte durch großzügige Zuschüsse das Allermeiste zahlen. Nach der Fertigstellung der Nordumfahrung sollte sie dann der Freistaat als Staatsstraße in seine Verantwortung übernehmen.

34,8 Hektar

werden für die Erdinger Nordumfahrung im engeren Sinn benötigt. So viel Fläche beansprucht der Bau der neun Kilometer langen Straße von der B 388 bei Unterstrogen bis zur Flughafentangente Ost, mit sieben Knotenpunkte und neun Brücken. Da durch die Nordumfahrung freies Land, das bislang vorwiegend landwirtschaftlich genutzt wird, versiegelt wird, braucht es zudem 33,5 Hektar Ausgleichsflächen.

Ob und wie die Finanzierung steht, ist ungewiss. Schon die Planungen zogen sich über Jahre hin. Nun läuft das Planfeststellungsverfahren und bis zum 14. Juni - in Bockhorn zwei Wochen länger - kann man Einwände gegen das Projekt bei der Regierung von Oberbayern vorbringen.

Die Teilnehmer der Demo am Freitag hegen die Hoffnung, dass sich die Nordumfahrung noch verhindern lässt. Wenn nicht durch Einwände im Genehmigungsverfahren, dann durch eine Verbandsklage, wie BN-Kreisgeschäftsführer Manfred Drobny sagte. Denn es fehle bereits an der "Planrechtfertigung". Die Nordumfahrung sei nicht notwendig, weil die Verkehrsprognosen, die zugrundegelegt worden seien, "schon immer falsch waren und nun erst recht obsolet sind". Wolfgang Fritz sagte, dass die Nordumfahrung ein Überbleibsel einer überholten und falschen Verkehrspolitik sei. Es brauche intelligentere Lösungen, als immer neue Straßen zu bauen. Weiterhin Straßen in die Landschaft zu betonieren sei auch unter Klimaschutzaspekten der falsche Weg. Martin Haindl von der Bürgerinitiative Bockhorn nannte das Projekt ED 99 "eine Planung aus der Steinzeit". Er beklagte auch, dass die Trasse "durch die allerbesten landwirtschaftlichen Flächen im Landkreis" verlaufe. Uschi Schmidt-Hoensdorf vom LBV forderte ein Moratorium von mindestens fünf Jahren, für die das Projekt "auf Eis gelegt" werden sollte, denn die Nordumfahrung sei "überflüssig und schmerzhaft". Landwirt Jakob Maier nannte drei Gründe, warum "es die Nordumfahrung nicht braucht": Der Flächenverbrauch sei viel zu groß, der Trassenverlauf zerstörerisch und der Bedarf fragwürdig. "Es gibt immer einen kürzeren Weg von A nach B", sagte Maier, "aber wir können nicht immer weiter neue Straßen bauen, sondern müssen uns die Frage stellen, wann ist es genug?" Der Landkreis Erding sollte mit gutem Beispiel vorangehen und auf die Nordumfahrung verzichten.

Jeder kann Einspruch gegen die Nordumfahrung erheben. Eine Mustereinwendung und Formulierungshilfen gibt es im Internet auf www.erding.bund-naturschutz.de. Weitere Informationen finden sich dort sowie auch auf der Internetseite www.nordumfahrung-nein.de.

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