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Premiere ist in Dorfen einen Monat vor dem bundesweiten Start:Von den Alpen bis zur See

Naturfilmer Jan Haft zeigt seinen vierten Kinofilm ab Donnerstag im Jakobmayer. "Heimat Natur" ist eine bildgewaltige Reise durch Deutschland

Von Thomas Daller, Dorfen

Am 15. Juli startet bundesweit der vierte Kinofilm von Jan und Melanie Haft. Nach dem Wald, den Mooren und der Wiese greifen der international renommierte Naturfilmer und die Produzentin das Thema "Heimat Natur" auf. In Dorfen, der Wahlheimat der beiden, läuft der Film im Kino im Jakobmayer mehr als einen Monat früher an:Von Donnerstag, 10. Juni, bis Samstag, 12. Juni, werden insgesamt neun Vorstellungen gezeigt. Außerdem lädt das Kino am Donnerstag um 19 Uhr zwischen zwei Vorstellungen zu einem Filmgespräch mit Jan Haft ein. Daran kann man auch teilnehmen ohne im Besitz einer Kinokarte zu sein.

"Heimat Natur" zeigt eine Deutschlandreise von den Alpen bis hin zu Nord- und Ostsee in 18 unterschiedlichen Habitaten. "Wir wollten wissen, wie es unserer Natur geht", sagt Haft. "Manche sagen, der Klimawandel und das Insektensterben zeige, dass wir kurz vor dem Untergang stünden, andere weisen darauf hin, dass Wölfe und Biber zurückkehren und es wieder mehr Störche gebe und lediglich die Medien eine Panik schüren würden. Das wollten wir uns mal genauer ansehen." Kleines Fazit vorweg: Große Tiere, die der Mensch ausgerottet hat, kommen bei ihrer Wiederansiedelung auch mit der heutigen Kulturlandschaft zurecht, wenn man sie lässt. Beispielsweise die Bartgeier, die wieder in den bayerischen Alpen ausgesetzt werden. Aber auch der Klimawandel hinterlässt bereits unübersehbare Spuren und setzt vor allem jenen zu, die oftmals nur kleine ökologische Nischen besetzen. Hinzu komme, dass auch die Überdüngung der Kulturlandschaft ein unterschätztes Problem sei.

Sie wirke sich massiver auf die Biodiversität aus, als bislang angenommen. "Vier Prozent der Fläche in Deutschland sind Naturschutzgebiete", sagt Haft. Das reiche für den Arterhalt in der Natur nicht aus. "Wir brauchen einen anderen nachhaltigen Umgang mit der Landschaft."

Eine Möglichkeit wäre beispielsweise, die Rinder aus den dunklen Ställen herauszuholen und sie wieder auf die Weiden zu stellen. Weideland sei ursprünglich geprägt von Großtieren wie Wisenten und Wildpferden. Sie hinterlassen Trittlöcher in denen sich Wasser für Insekten sammle und ein Dunghaufen könne ein ganzes Vogelnest ernähren. "Das sind ganz komplexe Verflechtungen, aber auf Almwiesen, die noch beweidet werden, sieht man beispielsweise, wie viele Schmetterlingsarten dort noch vorkommen." Solche Wiesen könnten auch viel mehr CO₂ speichern als herkömmlich bewirtschaftete.

Haft will mit seinem Film solche komplexen Verflechtungen anhand der Bewohner verschiedener Habitate zeigen. Entstanden ist eine bildgewaltige Reise durch die Natur unserer Heimat, von den Gipfeln der Alpen bis an die Küsten und in die Tiefen von Nord- und Ostsee. Dazwischen liegt ein filmischer Streifzug durch dampfende Wälder, flirrende Moore, über rosablühende Heiden und die bunte Kulturlandschaft rings um Dörfer und Städte. In außergewöhnlichen Bildern zeigt er diese Natur von ihrer schönsten Seite und untersucht dabei den Zustand der heimischen Lebensräume.

Drei bis vier Kamerateams haben parallel über eineinhalb Jahre an 300 Drehtagen für den Film gedreht. Zugrunde liegen 250 Stunden Drehmaterial, knapp 100 Terrabyte an Daten. Zum Einsatz kamen Shotover Systeme, 4K- und 6K-Kameras der neuesten Generation, Kameradrohnen, Langzeit- und Bewegtbildzeitraffer, empfindliche Kameras für Dreharbeiten bei Nacht sowie Unterwassertechnik. Erzählt von Grimme-Preisträger Benno Fürmann vermittelt der Film die Erkenntnis, dass es eine der wichtigsten Aufgaben ist, die Natur zu bewahren und wiederherzustellen. Gefördert wurde der Film von der Heinz Sielmann Stiftung.

Besondere Herausforderungen waren beispielsweise die Dreharbeiten in Nord- und Ostsee, erzählt Haft, weil der Lichteinfall im Wasser stimmen und die Wassertrübung gering sein müsse, sagt Haft. Auch das Bergsteigen mit der schweren Kameraausrüstung sei immer wieder eine Herausforderung. Das Wichtigste sei jedoch Geduld. So haben zwei Teams versucht, graue Wölfe, die ihr Revier in einer Heidelandschaft haben, inmitten der rosafarbenen Heideblüte zu filmen. "14 Tage haben wir gewartet, bis wir die Aufnahmen hatten."

Zum Film ist auch ein gleichnamiges Buch entstanden, es ist im Penguin Verlag erschienen und bereits im Buchhandel erhältlich. Es ist Hafts zweites Buch nach "Die Wiese". Mit seinem Erstling war er so erfolgreich, dass es auf der Spiegel-Bestsellerliste gelandet ist. Jetzt klebt auch auf dem zweiten Buch der Hinweis "Spiegel-Bestsellerautor".

© SZ vom 05.06.2021
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