Wie reagiert eine Kommune am besten, wenn sich Jugendliche einen Platz in der Innenstadt als Treffpunkt aussuchen und es immer wieder zu Beschwerden von Anwohnern und Passantinnen kommt? In Erding gab es im Frühjahr rund um den Grünen Markt große Probleme. Die Polizei zeigte verstärkt Präsenz, die Stadt baute eine Sitzgelegenheit ab. Der Idee, im Bereich der Grundschule am Grünen Markt auch noch einen Zaun zu errichten, erteilte Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) jüngst im Stadtrat aber eine Abfuhr. Erding hat andere Pläne.
Im Mai dieses Jahres hatte Gotz eine „unerfreuliche Entwicklung“ im Bereich des Grünen Markts in der Erdinger Altstadt im Stadtrat publik gemacht: Eine größere Gruppe Jugendlicher sorgte für Ärger. Mal 20, mal 40, bis zu 60 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von zwölf bis knapp 30 Jahren unterschiedlicher Nationalität treffen sich ab dem späten Nachmittag im Bereich des Grünen Markts. Täglich hatten die Polizeiinspektion (PI) Erding im Frühjahr Beschwerden erreicht.
Anwohner und Passanten meldeten, sie seien beleidigt, auch schon mal angespuckt oder am Vorbeigehen gehindert worden. Die Polizei zeigte vor Ort verstärkt Präsenz, sowohl mit zivilen als auch uniformierten Beamten. Platzverweise wurden ausgesprochen, Personalien aufgenommen und bei Verdacht auch Kontrollen vorgenommen.
Vonseiten der AfD-Fraktion im Stadtrat kam nun jüngst das Thema wieder auf den Tisch. Tobias Krüger berichtete von großer Lärmbelästigung, er habe selber deswegen schon mehrmals bei der Polizei angerufen. Die Schule wiederum ärgere sich über den vielen Müll vor Ort. Ein extra Mülleimer mit der aufgemalten Aufforderung, diesen doch bitte zu benutzen, sei ohne Effekt geblieben, so Krüger.
„Einen Zaun vor der Schule, das machen wir nicht“
Oberbürgermeister Gotz verwies auf den hohen Einsatz der Polizei, die es „mitunter mit gewissen Kalibern“ zu tun habe. Die Idee eines Zauns auf dem Gelände verwarf er. „Einen Zaun vor der Schule, das machen wir nicht.“ Er sehe darin keine nachhaltige Lösung. Eine einzelne Bank ist abgebaut worden, die übrigen Sitzgelegenheiten sollen bleiben. „Ich denke hier an die Vielzahl von älteren Menschen, die auf ihren Wegen eine Rast benötigen“, so Gotz.
Schon seit Längerem befindet sich die Stadt bei dem Thema in engem Austausch mit der Polizei. „Aktuell sind in unserem Dienstbereich die Beschwerden rund um den Grünen Markt nicht signifikant höher als in anderen Bereichen“, sagt Thomas Schmid, der Leiter der PI Erding, am Montag auf Nachfrage der SZ. Auf jeden Fall seien die Zahlen nicht vergleichbar mit denen im Frühjahr. Womöglich zeigten die engmaschigen Kontrollen ihre Wirkung, so Schmid. Vielleicht helfe auch die kältere Witterung jetzt im Herbst. Grundsätzlich müsse man das Problem „ganzheitlich“ angehen.
Kontrollen und Platzverweise seien keine Dauerlösung
Gespräche laufen auch zwischen Stadt und der „Brücke Erding“. Vorsitzender des Vereins für Jugendhilfe und Jugendberatung ist Grünen-Stadtrat Gerhard Ippisch. Er findet die bisherige Polizeiarbeit rund um den Grünen Markt „völlig in Ordnung“. Kontrollen und Platzverweise seien aber keine Dauerlösung, daher liefen schon länger Überlegungen, wie künftig eine sozialpädagogische Arbeit helfen könnte. Wichtig sei, ins Gespräch zu kommen. In Dorfen zeige der Einsatz Wirkung.
„Wir sind dabei, zusammen mit der Stadt Erding Ideen zu entwickeln“, sagt Ippisch. Dabei gehe es auch um die Frage, welche anderen Plätze in Erding man für die Jugendlichen eventuell als Treffpunkte anbieten könne. „Die Menschen sind nun einmal da und sie haben auch das Recht, sich zu treffen.“
Wo gibt es Plätze in Erding, die man als Alternative anbieten könnte?
Zweite Bürgermeisterin Petra Bauernfeind von den Freien Wählern hat gemeinsam mit Stadtratskollegin Helga Stieglmeier (Grüne) im Frühjahr den Jugendlichen am Grünen Markt einen Besuch abgestattet. „Vielleicht haben wir ja die Falschen erwischt, aber wir haben zwei Gruppen von Jugendlichen getroffen, die total nett uns gegenüber waren“, sagt Bauernfeind. Sie hätten den Jugendlichen erklärt, dass sie nicht so laut sein und die Passanten nicht anreden sollen. Dabei hätten sie festgestellt, dass viele der Jugendlichen durchaus einen geregelten Alltag haben, die Schule besuchen, eine Ausbildung machen oder wie einer der Gesprächspartner in der Pflege arbeiten.
Womöglich liege das Problem darin, dass die Gruppen am Grünen Platz wirklich groß sind. „Da ist die Lautstärke umso schwerer in den Griff zu bekommen, denn die schaukeln sich immer mehr hoch“, so Petra Bauernfeind. „Wo sollen wir bitte hin?“, seien die beiden Stadträtinnen gefragt worden. „Die Lage am Grünen Markt ist halt auch so günstig“, weiß die Zweite Bürgermeisterin – mitten in der Stadt, aber nur einen Katzensprung vom Bahnhof entfernt. Sie wüsste aktuell in Erding auch keine Alternative, sagt Bauernfeind. „Ich bin ein wenig ratlos.“

