Podiumsdiskussion Appell zu mehr Solidarität

Die Turnhalle der Bockhorner Grundschule war gut gefüllt, die Podiumsdiskussion stieß auf großes Interesse.

(Foto: Renate Schmidt)

Zum Besuch der französischen Partnergemeinde Magnac in Bockhorn debattieren Fachleute und Publikum unter dem Motto "Wir sind Europa" über die Zukunft der EU

Von Carolin Fraunhofer, Bockhorn

In einem Punkt sind sich am Montag in der Bockhorner Grundschule alle einig gewesen: Europa braucht Transparenz, Zusammenhalt und Zusammenarbeit. So könnten auch Themen wie die Flüchtlingskrise und der Brexit gemeistert werden. Zum Besuch der Bockhorner Partnergemeinde Magnac veranstalteten die Mitglieder des Komitee Bockhorn-Magnac-sur-Touvre einen Thementag unter dem Motto "Wir sind Europa". Dafür erhielten sie von der Europäischen Union einen Zuschuss über 10 000 Euro. Simultanübersetzer wurden für die französischen Gäste aus Magnac organisiert.

Der Brexit war ein "Weckruf".

Die Besucher in der vollen Turnhalle der Bockhorner Grundschule waren eingeladen, mit Ansprechpartnern aus Frankreich, Polen und der EU zu debattieren. Auf dem Podium saß Pierre Robion, der französische stellvertretende Generalkonsul, als Vertreter des Generalkonsulats der Republik Polen in München erschien Marcin Król, als Vertreter der EU kam Tobias Winkler, Leiter des Informationsbüros des EU-Parlaments. Außerdem nahm Volker Grönhagen, Leiter des Warteraums Erding für Flüchtlinge, und in Andrea Schmutter eine Bürgerin teil; die dreifache Mutter aus Erding ist mit einem Spanier verheiratet. Sat-1-Moderator Ralf Exel leitete die Podiumsdiskusion.

Besonders der Brexit und die Flüchtlingskrise hätten die Europäische Union in den vergangenen Jahren geprägt, sagte Exel. Schmutter bezeichnete den Brexit als "Weckruf", dass man sich in der EU bewusster machen solle, "was wir haben". Winkler bestätigte, dass Brexit-Nachahmer befürchtet worden wären, diese Welle aber bereits vorüber sei. Einig war man sich darin, dass die Europäische Union ihre Bürger transparenter informieren müsse, was die EU mache, aber eben genauso auch, was nicht in ihre Zuständigkeit falle.

Junge Menschen haben konkretere Vorstellungen

Zuhörer forderten aber auch Visionen, wie sich die EU weiterentwickeln solle. Winkler sagte, er verstehe diese Bedürfnisse. Jean-Claude Juncker entwickle bereits fünf Szenarien für die weitere Entwicklung die Europäische Union. Sie reichten von "Alles bleibt, wie es ist" bis hin zu vereinigten Staaten von Europa. Im September würde Juncker damit an die Öffentlichkeit gehen.

Konkrete Vorstellungen äußerten junge Erwachsenen, die in einem Film von Caroline Kaiser ihre Meinung über Europa sagten. Besonders wichtig waren ihnen die Gemeinschaft der Mitgliedsstaaten und Frieden und Freiheit. Auf die Reisefreiheit wollten die meisten auf keinen Fall verzichten, die gemeinsame Währung sei besonders im Urlaub sehr praktisch. Es wurden aber auch Probleme angesprochen: Viele junge Erwachsenen wünschten sich eine engere Zusammenarbeit, die Probleme sollten von allen Mitgliedern getragen werden. Dass die gegenseitige Unterstützung auch den EU-Akteuren wichtig ist, brachte Robion zum Ausdruck: "Europa ist so gemeint: Wenn ein Land Probleme hat, müssen die anderen helfen."

Warum doch nicht alle immer an einem Strang ziehen, wurde dann aber auch auf dem kleinen Podium in Bockhorn sichtbar, als der polnische Vertreter Król erklärte, dass die polnische Bevölkerung keineswegs EU-kritisch sei, Polen aber andere Vorstellungen zur Flüchtlingspolitik habe. Dagegen forderte Grönhagen, der Leiter des Warteraums für Flüchtlinge am Fliegerhorst in Erding, dass Europa solidarisch werden solle: "Mit dem Warteraum haben wir der Politik lediglich Zeit verschafft." Winkler versuchte, die Skepsis und die Ängst zu beruhigen. Europa sei immer in Krisen gewesen. "Unter Druck rückt man zusammen. Europa ist in Krisen stark geworden."

Odile Binding vom Komitee Bockhorn-Magnac erklärte, dass man durch die Veranstaltung auch die europäische Identität habe stärken wollen. Natürlich hatte die Veranstaltung aber vor allem auch den Sinn, die Gemeinschaft zu feiern. Und das geht auch so: Mit dem Chor Stella Cadente unter der Leitung von Gerti Angermaier sangen alle die Europahymne "Ode an die Freude" von Ludwig van Beethoven.