Pflegende AngehörigeWenn Sorge zur Belastung wird

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Günther Badura, Pflegedienstleiter des KBO-Klinikums Taufkirchen, erläuterte bei einem Vortrag aus der Reihe „Forum Psychiatrie“, welche Fehler oft im Umgang mit psychisch kranken Angehörigen gemacht werden und wie  sie zu vermeiden sind.
Günther Badura, Pflegedienstleiter des KBO-Klinikums Taufkirchen, erläuterte bei einem Vortrag aus der Reihe „Forum Psychiatrie“, welche Fehler oft im Umgang mit psychisch kranken Angehörigen gemacht werden und wie  sie zu vermeiden sind. Thomas Daller
  • Günther Badura vom KBO-Klinikum Taufkirchen erklärt in einem Vortrag, wie Angehörige psychisch Kranke unterstützen können, ohne sich selbst zu überfordern.
  • Vier zentrale Prinzipien helfen dabei: Beziehung vor Lösung stellen, einfach kommunizieren, gemeinsam kleine Schritte gehen und Grenzen setzen zum Selbstschutz.
  • Bei Krisen sollten Angehörige professionelle Hilfe holen, etwa über den Krisendienst Psychiatrie oder verschiedene Beratungsstellen im Landkreis Erding.
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Wer sich um psychisch erkrankte Angehörige kümmert, gerät schnell an seine Grenzen. Günter Badura , Pflegedienstleiter im KBO-Klinikum Taufkirchen, erklärt in einem Vortrag, wie Unterstützung gelingt, ohne sich selbst zu überfordern.

Von Thomas Daller, Taufkirchen

Pflegende Angehörige leisten einen unschätzbaren Beitrag, damit ihnen nahestehende erkrankte Menschen in ihrem vertrauten Umfeld bleiben können und nicht etwa in ein Pflegeheim umziehen müssen. Gleichzeitig stehen sie vor enormen Belastungen. Viele pflegende Angehörige überfordern sich selbst und laufen Gefahr, selbst zu erkranken. Ganz besonders gilt das für Angehörige psychisch erkrankter Menschen. Wo liegen die Grenzen für eigene Verantwortung? Welche Hilfsangebote gibt es bei psychischen Krisen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Günther Badura, Pflegedienstleiter des KBO‑Klinikums Taufkirchen, und die stellvertretende Pflegedienstleiterin Alexandra Rott bei einem Vortrag aus der Reihe „Forum Psychiatrie“.   Sie beschrieben typische Fehler, erklärten, wie sie sich vermeiden lassen, und stellten Hilfsangebote vor, die Angehörige beraten und entlasten können.

Badura betonte, eine psychische Erkrankung sei keine Schwäche, sondern eine medizinische Erkrankung. Sie könne jeden treffen. Hilfe zu suchen, sei ein Zeichen von Stärke, nicht von Versagen. Stigmatisierung führe zu Isolation. Umso wichtiger sei es, offen darüber zu sprechen – das reduziere Ängste und fördere Verständnis.

Es gebe vier zentrale Prinzipien, sagte der Pflegedienstleiter. Das erste laute: Die Beziehung stehe über der Lösung. „Sie sollen nicht als Behandler auftreten, es ist eher schädlich, wenn man versucht, den Angehörigen zu verändern. Das wird nicht als Hilfe angenommen, sondern endet im Streit.“ Besser sei es, die Beziehung aufrechtzuerhalten, Stabilität zu bieten, und keine Forderungen zu stellen.

Ein betroffener Zuhörer wandte ein, dass eine seiner Angehörigen ihr ganzes Haus vermülle und weiterhin Auto fahre  – er mache sich Sorgen. „Jeder Mensch hat das Recht darauf, so zu sein wie er ist, solange er nicht sich oder andere damit gefährdet“, entgegnete Badura. Als Angehöriger sollte könne man beispielsweise das Gespräch mit dem Hausarzt suchen, um zu fragen, was zu tun sei.

Das zweite Prinzip laute, einfach zu kommunizieren. „Manche psychisch Kranke hören Stimmen, glauben abgehört zu werden oder sehen eine Teufelsfratze an der Wand“, erläuterte Badura. Darüber sollte man ruhig und wertschätzend sprechen. „Sagen sie nicht, das stimmt doch nicht oder das bildest du dir nur ein. Für den Betroffenen ist das seine subjektive Wahrnehmung und er wird mit Wut reagieren, weil er sich nicht verstanden fühlt.“  Stattdessen solle man Verständnis zeigen und etwa sagen, dass man sich in einer solchen Situation auch Sorgen mache.

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Auch bei Menschen mit Demenz müsse man auf deren Bedürfnisse eingehen, betonte Badura. „Wir hatten eine demente Patientin, die verzweifelt ihre Mutter suchte, die aber nicht mehr lebte“, sagte Badura. Sinnvoller sei es in solchen Situationen, über Erinnerungen an die Mutter zu sprechen, statt den Tod immer wieder zu thematisieren.

Betroffene zu unterstützen, statt sich selbst zu überfordern, sei ein weiteres Prinzip, zählte Badura auf. Besonders bei Suchterkrankungen, der Borderline-Störung oder bei Depressionen neigten Angehörige dazu, dem Betroffenen alles abzunehmen. Sie versuchten, alles zu regeln, zu kontrollieren und Verantwortung zu übernehmen. „Wenn jemand nicht mehr Autofahren kann, bieten Sie nicht an, dessen Einkäufe zu übernehmen. Fahren Sie miteinander einkaufen“, riet Badura. Gemeinsam kleine Schritte zu gehen, die Verantwortung zu teilen, sei der bessere Weg.

Das vierte Prinzip bestehe darin, Grenzen zu setzen und sich selbst zu schützen, sagte Badura. „Schauen Sie auf sich selbst, wenn Sie sich nicht abgrenzen, schaden Sie sich.“ Wichtig sei es, sich als Angehöriger Auszeiten zu nehmen. Dazu gebe es Kurzpflegeangebote, zudem könne man auch einen Pflegedienst in Anspruch nehmen. Ab einem gewissen Pflegegrad und für bestimmte Leistungen stehe das Angehörigen zu.

Es gibt viele Anlaufstellen, die Rat und Hilfe bieten

Auf alle Fälle müsse man sich professionelle Hilfe holen, wenn Krisen oder Verschlechterungen auftreten. Solche Rückschläge seien normal, etwa bei einem Alkoholrückfall oder wenn Depressionen so stark werden, dass der Betroffene nicht mehr leben wolle. „Machen Sie dann nicht lange herum, sondern rufen Sie den Krisendienst an. In solchen Situationen ist Gefahr im Verzug“, sagte Badura.

Es gibt viele Anlaufstellen, die Rat und Hilfe bieten: die oberbayerische Initiative der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen, den Pflegestützpunkt Landkreis Erding, die gerontopsychiatrische Fachstelle Erding, den Krisendienst Psychiatrie Oberbayern, das Pflegetelefon Deutschland – oder auch das Aufnahmemanagement der Klinik Taufkirchen. Dabei müsse es nicht um eine stationäre Aufnahme gehen, sagte Badura. „Sie werden dort von erfahrenen Fachpflegekräften beraten, die einen Facharzt hinzuziehen und Hilfe schicken. Nehmen sie diese Hilfen an.“

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