Orange-Day in Erding:Mehr Präsenz für das Thema Gewalt gegen Frauen

Orange-Day in Erding: Am Stand vom BRK-Frauenhaus machten (von links) Johanna Schad vom Frauenhaus, Steffi Irmscher-Grothen, Leitung Frauenbereiche des BRK, BRK-Vorsitzender Jürgen Lohr und Peggy Bahl-Christ vom Verein One Billion Rising München auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam.

Am Stand vom BRK-Frauenhaus machten (von links) Johanna Schad vom Frauenhaus, Steffi Irmscher-Grothen, Leitung Frauenbereiche des BRK, BRK-Vorsitzender Jürgen Lohr und Peggy Bahl-Christ vom Verein One Billion Rising München auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam.

(Foto: Renate Schmidt)

Das Frauenhaus Erding beteiligt sich an der Bäckertüten-Initiative des Vereins "One Billion Rising München". Neben Flyern und Gesprächsmöglichkeiten gab es am Stand am Grünen Markt des BRK Erding auch eine Erbsensuppe.

Von Sofia Wiedemann Goncalves, Erding

"Gewalt kommt nicht in die Tüte!" Mit orangefarbenen Mützen und Regenschirmen machten jüngst Mitarbeiterinnen des Frauenhauses Landkreis Erding auf das Thema "Gewalt gegen Frauen" aufmerksam. Neben Flyern und Gesprächsmöglichkeiten am Stand am Grünen Markt des BRK Erding, der das Frauenhaus betreibt, gab es zur Erbsensuppe Brot in Tüten, die mit zahlreichen Informationen über Frauenhäuser und Unterstützungseinrichtungen in und um München bedruckt waren. Für die Aktion kooperierte das Frauenhaus mit dem Verein "One Billion Rising München", der die Bäckertüten-Initiative organisiert hatte und 230 000 Tüten in München und Umgebung verteilte.

Wie akut die Situation in Deutschland derzeit ist, zeigen Zahlen aus dem Jahr 2022, die präsentiert werden: Pro Stunde erleben 13 Frauen Gewalt durch ihren Partner. Auf das Jahr hochgerechnet sind das 240 547 Opfer häuslicher Gewalt. Fettgedruckt und in Orange waren diese ernüchternden Zahlen auch am Stand zu lesen. Orange deshalb, weil aus Anlass des internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, der jährlich am 25. November ist, viele Gebäude in Deutschland symbolhaft in Orange erstrahlten, unter anderem die Münchner Allianz-Arena. Die Farbe Orange soll dabei vor allem einen gewissen "Knalleffekt" erzeugen, sagt Steffi Irmscher-Grothen, die Leiterin des Frauenhauses Erding. Die Farbe falle auf, ob man will oder nicht, man werde aufmerksam. Und genau das sei auch der Schlüssel, um den Kampf gegen Gewalt an Frauen voranzubringen: "Je präsenter das Thema in der Öffentlichkeit ist, desto mehr Frauen trauen sich", sagt Irmscher-Grothen.

Unterstützung gibt es allem auch bei rechtlichen Verfahren

Auch das Frauenhaus Erding hat es sich zur Aufgabe gemacht, betroffenen Frauen, Männern und Kindern, Zuflucht zu geben und sie auf ihrem Weg aus der Situation zu begleiten. Tag und Nacht sei das Frauenhaus erreichbar. Neben der psychologischen Unterstützung werde vor allem auch bei rechtlichen Verfahren und Komplikationen geholfen, sagt Irmscher-Grothen. Ob Kindergeldbeantragung oder Umgang mit Gegenanzeigen, das Frauenhaus stehe den Frauen zur Seite und begleitet sie beispielsweise zu Gerichtsverhandlungen oder Anwaltsterminen. "Das ist mit nur drei Beratungen nicht getan", sagt die Frauenhausleiterin.

Doch in Deutschland gebe es derzeit viel zu wenige Anlaufstellen, um allen zu helfen, so Irmscher-Grothen. Bundesweit gerade einmal 354. Auch das Frauenhaus in Erding platze deshalb aus allen Nähten. Allein in diesem Jahr seien bereits 670 Anrufe beim Hilfetelefon eingegangen, rund 90 Frauen und neun Männer haben sich beraten lassen. Besonders knapp sei der Platz, um Frauen, die akut mit Gewalt konfrontiert seien, längerfristig im Frauenhaus unterzubringen. Die Möglichkeit, einen wirklichen Zufluchtsort zu bieten, sei aber das Wichtigste, um die Frauen aus der Gewaltsituation heraus zu holen. Die Alternative ohne einen Platz: Viele Frauen würden sich laut Irmscher-Grothen denken "Dann halte ich es doch lieber aus".

Orange-Day in Erding: Am Info-Stand vom BRK Frauenhaus.

Am Info-Stand vom BRK Frauenhaus.

(Foto: Renate Schmidt)

Durch die Aktion am Grünen Markt, parallel zur Aktion Erbse des Roten Kreuzes, hofft der Verein, dass auch diejenigen erreicht werden, die Hilfe am dringendsten brauchen, aber sich oft gar nicht trauen, nach Frauenhäusern und ähnlichen Einrichtungen und Organisationen zu googeln, aus Angst, dass ihr Partner davon erfährt. Eine große Hilfe sei für die betroffenen Frauen auch, wenn nahestehende Personen, Freunde, Familienmitglieder nicht wegsehen würden, sondern "laut sind", wie Irmscher-Grothen sagt. Wenn man den Verdacht habe, dass Freunde oder Familienmitglieder von Gewalt betroffen seien, sollten man dies "ansprechen, ansprechen, ansprechen". Das Wichtigste sei es, den Betroffenen, die Möglichkeit zu geben, darüber zu reden und wenn nötig, ihnen die Hand zu reichen. Mit einem einfachen "Lass uns gemeinsam gehen", so die Frauenhausleiterin, wäre oft schon viel geholfen.

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