Öffentlicher Nahverkehr:Zwei E-Busse für die Verkehrswende

Lesezeit: 2 min

Öffentlicher Nahverkehr: Vorstellung der E-Busse (v. l.): Ministerin Kerstin Schreyer, Landrat Martin Bayerstorfer, OB Max Gotz, Martin, Ulrike und Andreas Scharf (alle CSU).

Vorstellung der E-Busse (v. l.): Ministerin Kerstin Schreyer, Landrat Martin Bayerstorfer, OB Max Gotz, Martin, Ulrike und Andreas Scharf (alle CSU).

(Foto: wil)

Die Fahrzeuge werden auf der Linie 580 im Erdinger Stadtgebiet von Montag an eingesetzt. OB Max Gotz mahnt einen "behutsamen, aber konsequenten" Umbau des ÖPNV an

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Vom heutigen Montag an fahren zwei Elektro-Busse durch das Erdinger Stadtgebiet, auf der Linie 580 von Eichenkofen über Langengeisling und die Bahnhöfe in Erding und Altenerding bis zur Therme. Bei der Vorstellung der Busse bei der Firma Scharf, die den Linienverkehr in Erding betreibt, war viel von "Aufbruchstimmung" und "Herausforderung" zu hören. OB Max Gotz (CSU) sprach von einem "ganz wichtigen Baustein in der Mobilitätskultur". Zum Einsatz kommen von der Firma Orten Electric-Trucks umgerüstete Mercedes-Kleinbusse. Insgesamt 50 Tonnen CO₂ sollen mit den Bussen jedes Jahr eingespart werden.

"Die Verkehrswende muss mit Maß und Ziel in unseren Städten und Gemeinden umgesetzt werden", sagte OB Gotz. Die Zusammenarbeit mit der Firma Scharf sei seit Beginn des ÖPNV eine gute. Der nächste Baustein, der Einsatz von E-Bussen, sei deshalb selbstverständlich mit der Firma im Dialog umgesetzt worden. "Wir müssen behutsam aber auch konsequent die Entwicklung des ÖPNV vorantreiben", sagte Gotz. Hin zu noch mehr Bus und Fahrrad, weg vom Auto. "Die Zahlen sind dramatisch. In den letzten zehn Jahr wuchs die Bevölkerung Erdings um 8,5 Prozent. Gleichzeitig haben wir 25 Prozent mehr Kfz-Zulassungen." Jetzt würden die Bürger durch die Nutzung der Busse über die Zukunft der E-Mobilität entscheiden.

Ein "Vorzeigeprojekt" nannte die bayerische Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) den Einsatz der Busse in der Stadt. Pro Jahr wolle der Freistaat 400 Klimabusse fördern, bis spätestens 2040 soll der ÖPNV komplett umgestellt sein. Die Gemeinschaftsleistung E-Busse leiste einen "wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz", sagte Schreyer, und dies sei mit "Sachverstand" und "Augenmaß" geschehen.

Dabei hätte der Start beinahe verschoben werden müssen, wie Martin Scharf vom Busunternehmen Scharf sagt. Man stecke in einer der größten Umbruchphasen seit Jahrzehnten. In seiner Firma beschäftige man sich seit 2017 mit der Idee von umweltfreundlicher, batteriebetriebener Busse. Im August 2018 wurde die staatliche Förderung beantragt. Die 13 folgenden Monate bis zur Bewilligung habe man am Konzept gefeilt, ehe man es den Kunden vorstellen konnte. Doch dann sei die Corona-Pandemie gekommen und die Welt fast über Nacht zum Stillstand. "Von da an gab es für uns nur noch eine Devise: Überleben", sagte Martin Scharf. Das habe man geschafft, sogar ohne eine einzige pandemiebedingte Kündigung aussprechen zu müssen. Im Herbst 2020 wurde das Konzept mit den beiden Elektrobussen vorgestellt. Stadt und Landkreis sowie der MVV stimmten zu. Losgehen sollte es mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2021.

"Alles lief wie gewünscht und erhofft", sagte Scharf. Dann sei der 29. September 2021 gekommen. An einem Mittwochabend habe er kurz vor 19 Uhr noch mal seine E-Mails angesehen. Die Firma Orten hatte gerade gemeldet, dass es Lieferschwierigkeiten bei den E-Motoren gebe. Diese könnten frühestens am 17. Dezember geliefert werden. Schon am nächsten Morgen kam der nächste Schock. Der Ladesäulenhersteller teilte mit, die Säulen kämen frühestens Mitte bis Ende Dezember. "Innerhalb von 15 Stunden war unser Konzept hinfällig", sagte Scharf. Man habe aber nicht locker gelassen. Dank einer "großen Kollektivleistung aller Firmen" habe man es doch geschafft. Die zwei in einer Rekordzeit von vier Monaten umgerüsteten Fahrzeuge seien seiner Meinung nach eine "Weltneuheit".

Martin Scharfs Schwester, die CSU-Landtagsabgeordnete Ulrike Scharf, hatte es in ihrer Rede bereits angedeutet: Die E-Mobilität sei bei ihrem Bruder an erster Stelle gewesen - auch wohl in seiner Familie. Seine Frau sei bestimmt froh, wenn die Busse jetzt fahren. Und deshalb dankte der Busunternehmer nicht nur allen Beteiligten, sondern auch seiner Frau Claudia und seinen Kindern. "E-Bus war für euch vermutlich das Wort des Jahres." Was Claudia Scharf schmunzelnd mit einem "Ja" bestätigte.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB