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Oberpframmern:Ein Plädoyer für die Windkraft

Ein Windrad steht bereits auf Ebersberger Flur, drei weitere könnten bald unmittelbar an der Landkreisgrenze errichtet werden.

(Foto: Christian Endt)

Kommunen in Ebersberg und München planen im Höhenkirchener Forst die größten Anlagen in Süddeutschland. Auf einer Online-Veranstaltung beantworten die Planer Fragen der Bürger aus Oberpframmern

Von Daniela Gorgs, Oberpframmern

Warum beziehen wir unseren Strom nicht von der Nordsee? Reicht die Windleistung für einen wirtschaftlichen Betrieb der Anlage aus? Gibt es eine Simulation, wie sich die Windräder in das Landschaftsbild einfügen? Mehr als 60 Fragen stellten die Bürger in der Online-Veranstaltung zum Windkraftprojekt im Höhenkirchener Forst. Das Webinar, das am Montagabend für Bürger in Oberpframmern ausgestrahlt wurde, stieß auf große Resonanz. Trotz Biergartenwetter verfolgten etwa 60 Teilnehmer die zweieinhalb Stunden dauernde Informationsrunde.

Eine Umfrage zu Beginn der Konferenz ergab, dass die Hälfte der Befragten die Windkraft befürwortet. 24 Prozent stehen ihr positiv gegenüber, benötigen aber noch Informationen. Die verbleibenden 26 Prozent bezeichneten sich als Bedenkenträger. Dieses Ergebnis verschafft einen Eindruck, ist aber nicht repräsentativ, da nicht mal die Hälfte der Zuhörer an der Umfrage teilnahm.

Die Arbeitsgemeinschaft Windenergie im Höhenkirchener Forst (Arge), der Egmating, Oberpframmern, Höhenkirchen-Siegertsbrunn sowie die Landkreise Ebersberg und München angehören, prüft den Bau von drei Anlagen auf Höhenkirchener Flur. Die Windräder hätten eine Nabenhöhe von 165 Metern, einen Rotorendurchmesser von 150 Metern und wären somit 240 Meter hoch bei 4,5 Megawatt Leistung. Es wären größere Anlagen als die von der Gemeinde Bruck und die derzeit größten in Süddeutschland.

Der Klimaschutz, zu dem sich der Landkreis verpflichtet habe, wie Landrat Robert Niedergesäß (CSU) zu Beginn des Webinars sagte, wird also sichtbar. Wie notwendig die Energiewende ist, machte Hans Gröbmayr, Geschäftsführer der Energieagentur, deutlich. Er zeigte anhand der Klimaorgel, wie der CO₂-Gehalt im Zuge der Industrialisierung immer neue Höhen erreicht. Bayern soll laut Staatsregierung bis 2040 klimaneutral sein, man müsse alle Möglichkeiten nutzen, informierte Gröbmayr. Im dicht besiedelten Bayern werde man auf sämtliche erneuerbare Energien setzen und auf Windräder kaum verzichten können. Photovoltaik und Windkraft, die vor allem in den Wintermonaten Strom liefere, ergänzten sich. Die Energieagentur setze auf viele Maßnahmen. Die Gemeinde Oberpframmern, die sich zur Klimaschutzregion erklärt hat, rüstete bereits die komplette Beleuchtung der öffentlichen Gebäude und der Straßen auf LED um und führte ein Gesamtheizkonzept für Schule, Kinderhaus, Mittagsbetreuung und Mehrzweckhalle ein. Doch, so merkte Bürgermeister Andreas Lutz an, all dies werde nicht reichen, um dem Klimawandel zu begegnen. Ein Grund, weshalb die Gemeinde Oberpframmern dem interkommunalen Projekt beitrat.

Ein Plädoyer für die Windkraft hielt der Landwirt Hans Zäuner, der anschaulich berichtete, wie eine Handvoll Bürger in geselliger Runde die Anlage auf einer Anhöhe in Hamberg plante. Zäuner beantwortete Fragen zu Aufforstung ("2160 Quadratmeter Wald an anderer Stelle angepflanzt"), zu Ersatzzahlungen wegen des optischen Eingriffs in die Landschaft ("97 000 Euro an den bayerischen Umweltfonds") und zum Rückbau der Anlage ("alles recycelbar").

Robert Sing, der von der Arge beauftragte Planer, erläuterte auf Nachfrage, dass Ersatzpflanzungen auch am Hofoldinger Waldrand geplant seien, es aber noch keine genauen Standorte gebe. Weil die drei Windräder noch nicht genehmigt seien, gebe es auch noch keine Simulation. Die Frage, ob die Windräder durch Abrieb Mikroplastikteile in die Umwelt streuen könnten, verneinte er.

Fragen zum Artenschutz begegnete der Ingenieur mit dem Hinweis, dass eine saubere Planung der Anlagen wichtig sei. Jede Art der Energieversorgung könne negative Auswirkungen auf die Umwelt haben. Vogelschlag sei bei Windrädern nicht auszuschließen - das sei es aber auch nicht im Zug- und Straßenverkehr. Auf die Befürchtung einiger Teilnehmer hin, die drei Windräder könnten erst der Anfang sein, verwies Sing auf die 10-H-Abstandsregel, die das unwahrscheinlich mache. Mehr als drei Anlagen würden wirtschaftlich keinen Sinn ergeben. Die Räder würden sich die Energie gegenseitig absaugen.

Fragen zu laufenden Untersuchungen zur Windhäufigkeit und zum Artenschutz haben laut Experten bislang keine negativen Ergebnisse geliefert. Die Arge hofft, die Studien im Herbst vorstellen zu können. Moderatorin Veronika Preißinger sicherte den Teilnehmern zu, dass alle gestellten Fragen schriftlich beantwortet werden. Zudem wolle die Agentur häufig gestellte Fragen und Antworten auf der Homepage windenergie-hoehenkirchner-forst.de/ veröffentlichen.

© SZ vom 22.07.2020

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