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Oberding:Warten auf die Wiedereröffnung

Erst im Dezember 2019 hat das Divers Indoor Tauchzentrum in Erding mit neuen Pächtern und nach einer Generalsanierung aufgemacht. Wegen der Corona-Schutzmaßnahmen sind die Türen jetzt wieder verschlossen

Der Besuch im Tauchzentrum in Aufkirchen war für Mitte Februar ausgemacht worden. Begeistert führten damals die neuen Betreiber kurz nach der Wiedereröffnung durch das Divers Indoor Tauschsportzentrum. Jetzt hat das Coronavirus alles durcheinander gewirbelt. Das Tauchsportzentrum ist geschlossen. "Eine Katastrophe", sagt Jürgen Steiger, einer der Betreiber. Seit der Neueröffnung im Dezember 2019 sei es drei Monate lang stetig mit den Besucherzahlen bergauf gegangen. Und jetzt, keine Einnahmen, aber laufenden Kosten, denn das Wasser in den Becken muss weiterhin aufbereitet werden. Die Reportage, verfasst im Februar 2020, beschreibt, was die Besucher im Divers erwartet:

Über ein paar Stufen geht es hinunter ins Untergeschoss, in einem Nebenraum zwängen sich zwei Männer in schwarze Neoprenanzüge - dann tauchen sie ab. Sie haben lange darauf gewartet. Eineinhalb Jahre nach der Schließung des Tauchzentrums in der ehemaligen Sauerkrautfabrik an der Dorfstraße hat nun das Divers Indoor Tauchsportzentrum Aufkirchen neu eröffnet. Mit seinen acht Becken zählt es zu den drei größten in Deutschland. Die Besucher kommen bis aus Nürnberg oder Salzburg.

Das Schild an der Wand warnt mit Ausrufezeichen vor Haien. Davor stellen sich Jürgen Steiger und Robert Walter ganz entspannt fürs Foto auf. Zusammen mit Florian Eschenloher betreiben sie mit der Yneep GmbH das Divers Tauchsportzenrum. Haie bereiten ihnen keine Sorgen, für Kopfzerbrechen sorgte eher der Brandschutz. Seit 1999 werden die Räume der ehemaligen Sauerkrautfabrik für den Tauchsport genutzt. Im Mai 2018 hatte das Landratsamt eine weitere Nutzung untersagt. Dabei ging es vor allem um das Erdgeschoss, in dem sich eine Eventfirma befand. Deren Räume werden jetzt als Lager genutzt. Im Untergeschoss, im neuen Divers, sei jetzt der Brandschutz "komplett neu gemacht, Fluchtwege, alles", erklärt Jürgen Steiger. "Das war eine hochkomplexe Aufgabe", fügt er hinzu.

Wenn man gerade keine Zeit oder Möglichkeit hat, ans Rote Meer oder nach Kho Tao zu fliegen, bietet sich das Divers als Alternative an. Allerdings nicht in Zeiten der Corona-Krise, den das Tauchsportzentrum in Aufkirchen musste kurz nach der Wiedereröffnung gleich wieder schließen.

(Foto: Renate Schmidt)

Im Zuge der Renovierung erlebten die neuen Betreiber eine Überraschung. Bislang gingen sie davon aus, dass in Aufkirchen sieben Becken befinden, so steht es auch noch auf der Homepage. "Dann haben wir nachgezählt - und es sind tatsächlich acht", erklärt Jürgen Reiter. Gefüllt sind sie mit insgesamt zwei Millionen Liter Wasser, alle Becken sind miteinander verbunden und fünf Meter tief. Einige haben große Sichtfenster, so dass Besucher von der Bar zuschauen können. Zum Beispiel, wenn sich Taucher durch sogenannte Tarier-Reifen schlängeln und damit ihr Gleichgewicht schulen. In einem Becken befindet sich ein Korallenriff, in einem weiteren steht sich in der Mitte noch ein mächtiger Stützpfeiler der ehemaligen Sauerkrautfabrik. An vier Seilen hängt eine nach unten offene Halbkugel aus durchsichtigem Acryl. Taucher, die dort ihre Köpfe hineinstecken, können sich so unter Wasser unterhalten.

"Es läuft gut, wir sind zufrieden", sagt Steiger. "Alle haben ja schon drauf gewartet." Auch Adam Cole, Tauchlehrer schon im vorherigen Zentrum, ist wieder dabei. Er sei sehr froh, dass es hier jetzt weitergeht, und die renovierten Räume findet er "einfach super". Insgesamt gibt es im Divers 20 freiberuflich oder teilzeitbeschäftigte Mitarbeiter. "In ganz Süddeutschland sind wir die Einzigen mit unseren Angebot, in dieser Größe und Ausstattung gibt es insgesamt nur drei Indoor-Tauchzentren in Deutschland", sagt Jürgen Steiger.

Nach Aufkirchen kommen Tauchschulen, Tauchvereine, Einzelpersonen, die für den Urlaub trainieren wollen, oder gleich ganze Familien. Erst vor wenigen Tagen war ein Verein zu Gast, der mit historischen Anzügen taucht, verrät Steiger, es ging also mit Kupferhelm, schwerem Stoffanzug und klobigen Stiefeln in die Tiefe. An diesem Donnerstag ist ein Vater mit seinem Sohn aus Salzburg angereist. Der Zwölfjährige absolviert ein Schnuppertauchen, der Vater trainiert erstmals mit einer modernen Full-Face-Maske. Das ist eine Tauchmaske, die Brille und Mundstück verbindet, und mit der durch die Nase geatmet werden kann . 45 bis 60 Minuten dauert ein Tauchgang, Mittwoch und Donnerstag zum Beispiel kostet der Eintritt 24 Euro.

Robert Walter zeigt im Ausleihraum, was es alles zu einem Tauchgang dazu braucht: "Am Anfang kommt die Theorie: Ich muss wissen, welche Gerätschaften ich brauche und wie ich damit umgehe, auch die Handzeichen muss ich beherrschen." Erst nach einer Prüfung gehe es ins Wasser - und auch die Ausrüstung ist eine Wissenschaft für sich. Dazu gehören Neoprenanzug, Füßlinge, Flossen und das sogenannte Tarier-Jacket, das zum Ausbalancieren mit Bleistücken beschwert und an dem die Druckluftflasche befestigt wird, und schließlich noch Brille, Mundstück, Atemregler und ein Finimeter, das die verbleibende Atemluft anzeigt, außerdem ein Ersatzatemregler für den Tauchpartner, den "Buddy". Wer will, kann auch im neu gestalteten Shop das Zubehör kaufen. Im Divers werden bereits weitere Pläne geschmiedet. Zum Beispiel soll ein Becken auf zwei Meter absenkt werden, damit dort Kindergeburtstage angeboten werden können. Noch weiter ausbauen will Steiger auch das Mermaid-Schwimmen. Sich als Meerjungfrau durchs Wasser zu schlängeln sei sehr beliebt, auch bei dem einen oder anderem Mann. "Mermaid ist gar nicht so leicht, da braucht es schon Technik." Zudem soll die Zusammenarbeit mit dem benachbarten Mercure Hotel München Airport Aufkirchen, das eine direkte Verbindung zum Tauchzentrum hat, verstärkt werden. "Gäste, die dort für ein Seminar einige Nächte verbringen, könnten nun den einen oder anderen Abend für einen Tauchgang im benachbarten Korallenriff nutzen", so Steiger. Als Incentive-Angebot würde ein Tauchgang im Divers doch gut passen.

Auf die Frage, was ihm am Tauchen so gut gefalle, nennt Jürgen Steiger die Begegnung mit der Tierwelt. "Fischschwärmen ganz nah zu kommen, das ist immer wieder faszinierend." Vor Haien bräuchten Taucher überhaupt keine Angst zu haben, sagt er. Der Hai schwimme heran, "dann bemerkt er den Gummianzug und weiß, ,Der schmeckt nicht' und schwimmt weiter", lautet seine Erfahrung. Gefährlich werde es eher für Surfer auf Brettern, "die werden manchmal für Schildkröten gehalten". Das Schönste am Tauchen aber, sagt Jürgen Steiger, "das ist das Schweben in der Schwerelosigkeit, die vollkommene Ruhe".

Jürgen Steiger hofft, dass sich dieses schöne Gefühlt recht bald wieder in Aufkirchen einstellen wird.

© SZ vom 09.04.2020

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