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Oberding:Umgraben wie im Gemüsebeet

Strukturverbesserung in der Dorfen bei Eitting.

(Foto: Andreas Hartl/oh)

Das Wasserwirtschaftsamt lockert Kiesbett in der Dorfen auf, um dort laichenden Fischen zu helfen

Von Thomas Daller

Manche Flüsse und Bäche muss man wie einen Acker oder ein Gemüsebeet gelegentlich umgraben, um der Natur wieder auf die Sprünge zu helfen. Das hat die Flussmeisterstelle des Wasserwirtschaftsamtes Freising kürzlich auf Bitten der Fischerfreunde an der Dorfen bei Eitting und im Ableitungskanal zum Isarkanal unternommen. Damit wird die natürliche Bestandsentwicklung bei zahlreichen kieslaichenden Fischarten, aber auch Prachtlibellen, Stein- und Eintagsfliegen, Flusskrebsen und Muscheln unterstützt.

Eigentlich ist jetzt die Jahreszeit, in der Bachforellen ihren Laich in den Kiesbetten der Fließgewässer ablegen. Sie schlagen mit den Schwanzflossen Kuhlen in den Grund und bedecken die befruchteten Eier dann mit lockerem Kies. Doch in vielen Flüssen und Bächen ist dieses sauerstoffreiche Lückensystem im Flussbett von Sedimenten aus Straßenentwässerung und landwirtschaftlicher Nutzung massiv verschlammt. Dabei wirken Kohäsionskräfte im Mikrometerbereich, die den Kies so fest zusammen halten, dass auch das Geschiebe eines Hochwassers den Flussgrund nicht mehr lockern kann.

Zwar werden die Bäche als Erfolg des Bürgerbegehrens jetzt durch verbindliche, schützende Uferrandstreifen und bessere Überwachung von Schadstoffeinleitungen auch aus Straßenentwässerung besser geschützt. Die Schäden am verdichteten Bachgrund aber bleiben bestehen. Deshalb haben sich die Fischerfreunde an die Flussmeisterstelle des Wasserwirtschaftsamtes Freising gewandt, den Bachgrund in einem großen Abschnitt der Dorfen zu entschlammen und so das lebenswichtige Lückensystem, das auch die Selbstreinigungskraft des Gewässers unterstützt, wieder herzustellen. Durch den Einsatz eines geeigneten Schreitbaggers konnte der Kiesgrund bis in eine Tiefe von 50 Zentimetern gelockert und von Schlamm und Sedimenten gereinigt werden. Durch kleine wasserbauliche Maßnahmen wurde auch der Sauerstoffeintrag in das Gewässer verbessert und Lebensräume für Jungfische und Libellenlarven neu geschaffen. "Auch der Zugang zu einer abgetrennten ehemaligen Flussschleife wurde wieder verbessert", teilte Andreas Hartl von den Fischerfreunden mit. Der Verein wünsche sich, dass diese Maßnahmen auch in weiteren geeigneten Flussabschnitten fortgesetzt werden: "Denn von der Biomasse, die lebendige Bäche erzeugen, leben nicht nur Wasserorganismen, sondern auch zahlreiche Vogelarten und Amphibien." Deshalb sollte man in kleinen Schritten dauerhaft den Lebensraum der Flüsse verbessern, denn sie seien die Lebensadern der Heimat.

Das sei auch in seinem Sinne, sagt Christian Leeb, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes München, zu dem auch das Wasserwirtschaftsamt Freising gehört. Man tätige solche Einsätze mit dem Schreitbagger nicht nur auf Bitten von Fischereivereinen, sondern auch im Rahmen von Gewässerprofilen, die man anlege oder beim biologischen Monitoring. Aber auch die Hinweise der Fischer seien wertvoll, weil sie genaue Ortskenntnisse hätten. Dabei überprüfe man auch, ob Auflandungen vorhanden sind, die man im Rahmen des Hochwasserabflusses beseitige.

Einsätze mit dem Schreitbagger stimme man auch mit der Naturschutzbehörde ab. Da in der Dorfen laichen "faktisch unmöglich" gewesen sei, habe die Behörde den Eingriff in der Laichzeit ermöglicht. "Wir achten jedoch darauf, nicht zu viel auf einmal umzugraben, damit es nicht zu einer großen Trübung kommt", betonte Leeb. Außerdem müsse man bei solchen Eingriffen je nach Region handeln und beispielsweise im Isental Rücksicht auf Wiesenbrüter nehmen.

Wie lange das Kieslückensystem nach dem Umgraben offen bleibe, hänge vom Einzugsgebiet des jeweiligen Flusses ab. In der Schwillach und in der oberen Sempt gebe es beispielsweise viel Eintrag von Sedimenten und der Erosionsprozess sei höher. Dort müsse man solche Maßnahmen auch wiederholen. Demnächst werde ein Schreitbagger auch in der Sempt in Erding Auflandungen beseitigen. Das sei auch beim Hochwasserschutz ein Thema, sagte Leeb. Momentan befinde man sich dabei aber noch in den laufenden Auswertungen und in Gesprächen.

© SZ vom 04.11.2020
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