Dorfgemeinschaft feiert „ihren Olli“Einmal eine Goldmedaille anfassen

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Auf der Rückbanklehne eines Cabrios und mit Goldmedaille um den Hals fährt Olympiasieger Oliver Zeidler in seinem Heimatort Schwaig vor.
Auf der Rückbanklehne eines Cabrios und mit Goldmedaille um den Hals fährt Olympiasieger Oliver Zeidler in seinem Heimatort Schwaig vor. (Foto: Renate Schmidt)

Ruderer Oliver Zeidler, Olympiasieger von Paris und aufgewachsen in Schwaig, wird in seinem Heimatort begeistert empfangen. Der „Goldjunge“ dankt es mit zahlreichen Autogrammen und lässt seine Fans bereitwillig testen, wie sich olympisches Edelmetall anfühlt.

Von Dominik Zarychta, Oberding

Oberding-Schwaig am Tag eins nach den Olympischen Spielen in Paris. Der kleine Ortsteil der Gemeinde Oberding im Landkreis Erding füllt sich an diesem Montag mit Leben, Kinder tollen herum, die Erwachsenen unterhalten sich aufgeregt und Bürgermeister Bernhard Mücke schaut angespannt auf die Uhr. Im neu geplanten gesellschaftlichen Zentrum von Schwaig, dem Heiglhof, ist ein großer Empfang vorbereitet.

Neben den vielen aufgebauten Biertisch-Garnituren kümmert sich der Moosmotor-Verein um die Verpflegung am Grill und verteilt kostenlos Getränke. Doch die Ankunft des „Helden“, auf den alle warten, verzögert sich.

Das Flugzeug sollte um 14.40 Uhr am Münchner Flughafen landen, spätestens um 15.30 Uhr sollte er eintreffen, auf den kurz vor vier immer noch alle warten. „Der Bayerische Rundfunk hält sich nicht an die Abmachung, sie interviewen ihn schon am Flughafen und nicht hier in Schwaig“, ärgert sich Mücke.

Die Rede ist von Oliver Zeidler, der bei den Spielen in Paris für Deutschland Gold im Ruder-Einer geholt hat. In Schwaig ist er aufgewachsen, seine Familie lebt hier, heute kehrt der Gewinner zurück nach Hause. In der Familie ist er nicht der erste erfolgreiche Sportler. Sein Großvater, Hans-Johann Färber, holte bereits 1972 Olympia-Gold im Rudern. Auch Oliver Zeidlers Tante darf sich Olympiasiegerin nennen, sein Onkel war Weltmeister. Vater und Trainer Heino Zeidler war ebenfalls lange erfolgreicher Ruderer und auch seine Schwester ist im Rudersport aktiv.

Oberdings Bürgermeister Bernhard Mücke (links) beim Empfang des Olympiasiegers.
Oberdings Bürgermeister Bernhard Mücke (links) beim Empfang des Olympiasiegers. (Foto: Renate Schmidt)

Während die Fans und Freunde in Schwaig am Montag auf „ihren Goldjungen“ warten, erzählt man sich untereinander Anekdoten über ihn. „Normalerweise mach’ ich so was nicht“, erzählt eine ehemalige Grundschullehrerin von Olli, wie er genannt wird. Wenn es aber so eine Gelegenheit gebe, dann dürfe man sie sich nicht entgehen lassen, sagt sie. Sportlich sei er schon damals gewesen, ständig gab es irgendwelche Turniere.

Die Zeidlers seien „immer bodenständig geblieben“, erzählt ein Oberdinger

Andere Oberdinger steigen in das Gespräch ein und erzählen von der Ruder-Familie aus ihrer Mitte: „Das ist das Tolle an Familie Zeidler, die sind immer bodenständig geblieben, bei all ihren Erfolgen, auch der Olli.“ Je länger die Gäste warten, umso mehr kristallisiert sich das Gefühl einer starken Gemeinschaft heraus. Wo Vereinsmitglieder fehlen, helfen Besucher aus, einige bringen Kuchen für die Theke vorbei.

Die Schwaiger wissen sich in der 32 Grad heißen Schwüle untereinander zu helfen und ihren Sportler zu begrüßen. Auch als Olympiasieger ist er fester Bestandteil ihrer Gemeinschaft. Im Inneren des Heiglhofes laufen auf einem Fernseher in Dauerschleife Interviews von Olli Zeidler vor und während Olympia. Überall finden sich Banner mit dem Schriftzug „Herzlich willkommen, Olli!“.

Und dann hört man was, die Hupen des sich nahenden Autokorsos dringen langsam zum Heiglhof durch. Auf den Hof fährt, Bodenständigkeit hin oder her, ein blauer Cabrio-Bentley mit Chromfelgen und weißem Innenleder. Auf den Lehnen der Rückbank sitzt Olli Zeidler mit seiner Goldmedaille und winkt dem tosenden Publikum zu. Die Szene erinnert an den Einzug von Gladiatoren ins antike Kolosseum, nur eben etwas moderner.

Auf dem Heiglhof in Schwaig wartet eine große Fangemeinde auf "ihren" Olympiasieger.
Auf dem Heiglhof in Schwaig wartet eine große Fangemeinde auf "ihren" Olympiasieger. (Foto: Renate Schmidt)

Im Hintergrund knallen die Schwaiger Böllerschützen zur Begrüßung. Direkt an die Ankunft schließt eine Rede des Bürgermeisters an, die von Zeidlers „Heldentaten“ kündet. Und ein Held ist er für seine Fans und Bekannten wahrlich, wie es scheint. So werden bereits einige Geschenke und Gaben vorgehalten, die Olli Zeidler bekommen soll. Bevor es aber in die Autogrammstunde übergeht, wird dem Bürgermeister und Zeidler aber noch jeweils ein Drei-Liter-Maßkrug einer lokalen Brauerei überreicht. Während sie trinken und für die Kamera posieren, hört man den Manager nur rufen: „Das Logo nach vorne in die Kamera!“

Bürgermeister Mücke lässt Zeidler nicht gehen, bevor er sich ins Goldene Buch der Gemeinde Oberding eingetragen hat. Mittlerweile hat sich eine große Schlange gebildet, alle möchten Unterschriften und Bilder, oder ihm ihre Anerkennung durch Geschenke ausdrücken. „Wir, deine Nachbarn, haben deine Karriere immer verfolgt, viel mit deiner Mama telefoniert und möchten dir Folgendes schenken“, lautet es etwa von den Ersten in der Schlange. Sie holen einen großen Rahmen hervor und stellen Olli Zeidler ein gemaltes Bild mit Unterschriften aller seiner ehemaligen Nachbarn vor.

Die Autogramme des Olympiasiegers sind beim Empfang am Heiglhof begehrt.
Die Autogramme des Olympiasiegers sind beim Empfang am Heiglhof begehrt. (Foto: Renate Schmidt)
Die Schwaiger und Schwaigerinnen meinen es gut mit Oliver Zeidler, sie haben zahlreiche Geschenke, Plakate und Bilder für ihn vorbereitet - unter anderem eines mit den Unterschriften ehemaliger Nachbarn.
Die Schwaiger und Schwaigerinnen meinen es gut mit Oliver Zeidler, sie haben zahlreiche Geschenke, Plakate und Bilder für ihn vorbereitet - unter anderem eines mit den Unterschriften ehemaliger Nachbarn. (Foto: Renate Schmidt)

Bis jetzt kam Zeidler selbst noch gar nicht zu Wort. Als er dann die Gelegenheit hat, zeigt er sich begeistert von all den überraschenden und freundlichen Gesten und bedankt sich. Es folgen noch Gemüsekörbe einer örtlichen Gärtnerei in den Farben der Deutschlandfahne und eine dreistöckige Torte, die ebenfalls in diesen Farben gehalten ist. Auf der obersten Schicht befindet sich das ausgedruckte Gesicht Zeidlers auf Esspapier. Die Gaben stapeln sich neben ihm, während er für Kindern auf T-Shirts, Schuhen und Händen unterschreibt und ihnen erlaubt, die Goldmedaille einmal selbst in die Hand zu nehmen und das Gewicht zu spüren.

Später an diesem Tag werden noch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann und der Landrat Martin Bayerstorfer hinzukommen, um den Goldmedaillengewinner zu begrüßen. Für die Schwaiger ist natürlich die wichtigste Person bereits eingetroffen und wird ordentlich gefeiert. Schließlich hat einer von ihnen Gold für Deutschland geholt.

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Die direkte Nachbarschaft zum Flughafen München hat in Oberding Spuren hinterlassen. Viele Landwirte haben aufgegeben, doch in den sechs Ortschaften halten Vereine die Gemeinschaft am Leben.

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