Oberding/Eitting:Nach dem Ja-Wort in den Flieger

Lesezeit: 3 min

Gerlinde Rott

Standesamtsleiterin Gerlinde Rott hat im Bürgerhaus in Oberding viele Ehen geschlossen. Zum 1. April ist es damit vorbei.

(Foto: Stephan Görlich)

Gerlinde Rott hat in ihren 24 Jahren als Oberdinger Standesamtleiterin schon viel erlebt. Künftig finden die Trauungen in der Großen Kreisstadt statt. Es ist bereits die zweite Ämterhochzeit im Landkreis

Von Regina Bluhme, Oberding/Eitting

Wer kann schon von sich behaupten, über 500 Hochzeiten hinter sich zu haben? Gerlinde Rott, seit 24 Jahren Oberdinger Standesamtsleiterin, kann das. Viele Eheschließungen wird sie nicht mehr leiten, denn es ist beschlossene Sache: Ab 1. April wird die Verwaltungsgemeinschaft Oberding, die die beiden Kommunen Oberding und Eitting bilden, kein eigenes Standesamt mehr haben. Für die Trauungen ist dann die Große Kreisstadt Erding zuständig. Von einem landesweiten Trend zur Zusammenlegung kann man laut Bayerischem Gemeindetag noch nicht sprechen. Aber immerhin ist Oberding der zweite Fall im Landkreis Erding. Vor einem Jahr hat St. Wolfgang sein Standesamt an Dorfen übertragen.

Auch wenn das Oberdinger Standesamt klein ist, so ist doch immer viel los, dank Flughafennähe auch international. Die Paare, die Gerlinde Rott getraut hat, sie kommen "rund um den Globus", bis aus Thailand oder Vietnam. Oft musste ein Dolmetscher anrücken. Es sind auch schon Paare aus München angereist, die dann gleich im Anschluss, mitunter in Brautkleid und Hochzeitsanzug, in den Flieger in die Flitterwochen gestiegen sind. Noch gut kann sie sich an eine Hochzeitsgesellschaft erinnern, bei der alle im knallbunten Hawaii-Look erschienen, der Bräutigam in kurzen Hosen. Sie hat auch schon Paare in Motorradkluft getraut. Ein filmreifes Nein hat sie am Standesamt noch nie gehört. Einmal aber habe zum vereinbarten Termin die Braut kurz umdisponiert. Statt mit dem ursprünglich angegebenen Bräutigam erschien sie mit einem anderen.

Die gebürtige Landshuterin ist 1995 ins Oberdinger Rathaus gekommen und hat seit 1. Januar 1998 die Leitung des Standesamts inne. Zwischen 530 und 540 Ehen wird sie inzwischen geschlossen haben, schätzt Gerlinde Rott. Ihre Vorgängerin habe mit exakt 333 aufgehört, "auf 555 werde ich nicht mehr kommen", so Gerlinde Rott. Das schaffe sie bis 1. April wohl kaum.

Gerlinde Rott wird noch zwei Jahre weiterarbeiten. Wenn es klappt, bald in Teilzeit. Die Aufgaben seien komplexer und mehr geworden, der benachbarte Flughafen habe "eine Aufgabenfülle" gebracht, sagt Oberdings Geschäftsleiter Josef Steinkirchner. Gerlinde Rott habe sich all die Jahre bestens eingearbeitet, aber jetzt sei es schwierig gewesen, für die Abteilung passendes Personal zu finden, so Steinkirchner. Die weiteren Zuständigkeiten des Standesamts, wie Rente, Soziales, Jugend inklusive Kitas oder Wahlen, werden auf Abteilungen im Oberdinger Rathaus verteilt. Die Gebühreneinnahmen des Standesamtsbezirks Oberding, aktuell 10 000 Euro jährlich, stehen künftig der Stadt Erding zu. Zudem beteiligt sich die Verwaltungsgemeinschaft mit einer Standesamtsumlage von 2,82 Euro pro Einwohner.

Gründe für die Aufgabenübertragung sind zumeist "die hohen staatlichen Anforderungen an das Standesamtspersonal", schreibt Wilfried Schober, Pressesprecher des Bayerischen Gemeindetags, auf Nachfrage. Standesbeamte müssen im Regelfall dem gehobenen Dienst angehören und regelmäßig Fortbildungen im Staatsbürgerrecht absolvieren. "Dazu kommen heutzutage bisweilen schwierige Rechtskonstellationen, vor allem, wenn ausländische Personen heiraten wollen und ausländisches Recht beachtet werden muss. Das überfordert manch kleine Gemeinde." Wenn dann der erfahrene Standesbeamte in Ruhestand gehe und kein geeigneter Nachfolger gefunden werde, komme der Wunsch auf, das Standesamtswesen auf eine größere Kommune zu übertragen.

Im Januar 2021 hat St. Wolfgang als erste Gemeinde im Landkreis Erding das Standesamt einer anderen Kommune übertragen, in dem Fall Dorfen. Nun zieht Oberding nach. Laut Johann Wiesmaier, Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetags und Bürgermeister von Fraunberg, sind das die bislang die einzigen zwei Fälle im Landkreis. Ein bisschen schade findet er die Entwicklung schon. In Zukunft werden weitere Kommunen ihre Standesämter an größere Einheiten übergeben, ist Gerlinde Rott überzeugt. Sie verweist auf den Landkreis Ebersberg, wo dies schon in weit größerem Umfang geschehen sei.

"Von einem bayernweiten Trend kann man (noch) nicht sprechen", erklärt Wilfried Schober. "Hin und wieder" komme es zu Standesamtsübertragungen zwischen kleinen und größeren Gemeinden oder Städten. Der Gemeinderat habe dazu sogar einen Musterübertragungsvertrag erarbeitet, um das zu erleichtern. Ein kleiner Trost: Die Bürgermeister von Oberding und Eitting, Bernhard Mücke und Reinhard Huber, dürfen auf Wunsch Trauungen vor Ort vornehmen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB