Oberding:Die Reise geht los

Semptufer

In die Jahre gekommen und längst zu klein: Das Oberdinger Rathaus an der Tassilostraße am Ortsausgang soll durch einen Neubau ersetzt werden. Platz ist auf dem Areal genug, wenn erst einmal der Bauhof an seinen neuen Standort in Aufkirchen umgezogen ist.

(Foto: Renate Schmidt)

Oberding erhält ein neues Rathaus und auf dem Nachbargrundstück auch noch ein neues Wohngebiet. Der Gemeinderat hat in der jüngsten Sitzung den Startschuss für den städtebaulichen Wettbewerb gegeben

Von Regina Bluhme, Oberding

Die Gemeinde Oberding bekommt ein neues Rathaus. Und nicht nur das. Auf dem bisherigen Areal an der Tassilostraße soll nach dem Wegzug des Bauhofs zusätzlich Platz sein für Arztpraxen. Zudem wird auf dem benachbarten zugekauften Grundstück ein neues Wohngebiet entstehen. Das Projekt steht noch am Anfang. Am Dienstag stellte das Planungsbüro die Eckpunkte für den städtebaulichen Wettbewerb im Gemeinderat vor. Wenn alles glatt läuft, könnte zumindest noch heuer der Sieger gekürt werden.

2,5 Hektar umfasst die Planungsfläche für Rathaus und Wohngebiet am Ortsrand von Oberding. Platz ist dort nach dem Wegzug des Bauhofs, der in Aufkirchen neu errichtet wird, genug. Während der Bauarbeiten fürs neue Rathaus mit Tiefgarage soll im alten Gebäude der Betrieb weiterlaufen. Der Gemeinderat werde also entscheiden müssen, ob das neue Haus "davor, dahinter, auf der Seite" gebaut werde, sagte Peter Kellerer, der mit Büro Kellerer und Kellerer und Planungsbüro DU Diederichs & Partner GmbH den Wettbewerb vorbereitet. Leider gebe es von Seiten der Raiffeisenbank keine Bereitschaft, ihre Filiale auf dem Areal mitüberplanen zu lassen, bedauerte Kellerer.

Diese Eckpunkte müssen die Bewerber im städtebaulichen Wettbewerb berücksichtigen: Das Rathaus soll eine Kubatur von 8000 Kubikmeter umbauten Raum haben sowie Mietflächen von 1500 Kubikmetern "für andere Einrichtungen", wie es in der Vorlage heißt. Als Beispiel werden hier Arztpraxen genannt. Die Ausmaße des Neubaus seien so berechnet, dass jede Fachabteilung noch um ein zusätzliches Büro erweitert werden könnte, sagte Geschäftsstellenleiter Josef Steinkirchner. "Ein Puffer ist drin", so Kellerer. Geplant wird mit circa 70 Stellplätzen für die Rathausmitarbeiter sowie circa fünf oberirdischen für Besucher.

Geschäftsstellenleiter Josef Steinkirchner nannte auf Nachfrage aus dem Gemeinderat das Taufkirchner Rathaus als Vorbild. Der Vorplatz des neuen Rathauses soll repräsentativ gestaltet werden, womöglich auch mit Spielmöglichkeiten oder E-Ladestationen. Im Anschluss an das Areal liegt freies Feld. Deswegen sei ein wichtiges Kriterium für die künftigen Planer, den Übergang zur freien Landschaft hochwertig zu gestalten, so Kellerer.

Kurz erläuterte er die weiteren Verfahrensschritte, seiner Ansicht nach sollten für den Wettbewerb maximal drei Büros für die Endrunde ausgewählt werden. Die drei Finalisten sollten je 9200 Euro erhalten und für den Sieger 1200 Euro als Prämie.

Auf dem dazugekauften Grundstück, ehemaliges Ackerland, sollen die Städteplaner ein Wohngebiet entwickeln. Und zwar vor allem eins für junge Familien, zugleich soll es "ruhig und hochwertig" sein, lauten die Vorgaben. Hauptsächlich sollen Einzel- und Doppelhäuser entstehen, Geschossbau soll begrenzt möglich sein "aber keine großen Wohnblocks", so Kellerer. Einige Gemeinderäten wollten Reihenhäuser von vornherein ausschließen, da sie ihrer Meinung nach nicht nach Oberding passten. Letztendlich entschied die Mehrheit, Reihenhäuser zu erlauben.

Ein weiteres Kriterium bezieht sich auf den demografischen Wandel der Gesellschaft. Es gelte zu berücksichtigen, dass auch Wohnen im Alter möglich sein soll, erläuterte Kellerer. So solle eine Wohnbebauung entstehen, "die Umbauten ermöglicht, zum Beispiel Einheiten abtrennbar macht", erläuterte der Planer.

Als weitere Vorgaben sollen die Einzel- und Doppelhäuser jeweils eine Garage erhalten und oberirdische Stellplätze. Beim Geschosswohnungsbau ist für die Autos der Bewohner eine Tiefgarage vorgesehen. "Sonst würden wir wertvolle Wohnplätze versiegeln und noch mehr Grünflächen", erklärte Bürgermeister Bernhard Mücke (CSU). Eine weitere Vorgabe lautet: "Über die Dreigeschossigkeit wollen wir nicht hinaus."

Peter Kellerer erklärte, es werde eine "Zwischenpräsentation" geben, "damit auch nichts Luftschlösser mäßiges rauskommt". Er rechne damit, dass die Entwürfe noch Ende des Jahres in Oberding vorgestellt werden. Das sah Bürgermeister Bernhard Mücke anders, es könne schon sein, "dass wir ins neue Jahr reinrutschen." Im Haushalt der Gemeinde steht für das Rathausareal für 2021 ein Betrag von insgesamt 273 000 Euro. Für 2022 ist bisher keine Summe eingesetzt, für 2023 sind es zwei Millionen und für 2024 dann acht Millionen. Auf Nachfrage aus dem Gemeinderat erklärte Mücke, es sei noch nicht sicher, ob das gesamte Areal in einem Rutsch bebaut werde. Vielleicht werde "das Rathaus auf einmal erstellt und das Wohngebiet auf zweimal, vielleicht dritteln wir". Auf jeden Fall würde er "jetzt gern den Wettbewerb auf die Reise geben". Dem stimmten die Gemeinderäte zu. Die Handbremse könne man ja immer noch ziehen.

© SZ vom 20.05.2021
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