BadeweiherEs bleibt (k)ein Stein

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Beim Brotzeitmachen am Ufer des Notzinger Weihers: Der Kiosk (rechts) ist ein echtes Unikat. Links davon ist die 2019 eröffnete, recht groß dimensionierte Toilettenanlage zu sehen.
Beim Brotzeitmachen am Ufer des Notzinger Weihers: Der Kiosk (rechts) ist ein echtes Unikat. Links davon ist die 2019 eröffnete, recht groß dimensionierte Toilettenanlage zu sehen. (Foto: Renate Schmidt)

Seit mehr als 50 Jahren steht am Notzinger Weiher der Kiosk des inzwischen verstorbenen Heini Link. Nun wird das einsturzgefährdete Häuschen abgerissen und durch einen Foodtruck ersetzt.

Von Regina Bluhme, Oberding

Der Notzinger Weiher liegt idyllisch in einem Landschaftsschutzgebiet ein paar Kilometer westlich von Erding, umgeben von viel Grün und altem Baumbestand, mit Steg ins Wasser und gemütlicher Liegewiese. Und dann gibt es dort den kleinen Kiosk, den Heini Link vor mehr als 50 Jahren selbst gebaut und bis zu seinem Tod 2022 geführt hat. Jetzt sind die Tage des bunt gestrichenen Häuschens gezählt. Weil es inzwischen einsturzgefährdet ist, wird es abgerissen und soll fürs Erste durch einen Foodtruck ersetzt werden.

„Irgendwie hat der Kiosk nach über 50 Jahren nicht mehr die Kraft, seine Mauern sicher zu halten.“ So steht es auf der Homepage des Notzinger Weihers (www.notzinger-weiher.de). Ein Foto, datiert vom Oktober vergangenen Jahres, zeigt mehrere Stützen, die eine Wand des Gebäudes sichern. Nachdem sich sehr große Risse gezeigt hatten, hat der Grundstückseigentümer, das Landratsamt Erding, im vergangenen Jahr einen Statiker beauftragt. Die Prüfung habe ergeben, dass das Gebäude einsturzgefährdet ist und nicht mehr betreten werden darf, erklärt Markus Hautmann von der Pressestelle des Landratsamts Erding auf Nachfrage.

Das Gebäude im Gemeindebereich von Oberding hat immerhin schon mehr als 50 Jahre auf dem Buckel. 1971 hat es der Erdinger Heini Link erbaut. „Ich hatte jeden Stein in der Hand“, hat er einmal erzählt. Die Kundschaft kam jahrzehntelang nicht nur wegen des Badeweihers, sondern wegen der „besten Currywurst“, wie Link stets betonte. Auch Mitarbeiter umliegender Firmen verbrachten gerne die Mittagspause hier. Neben Pommes, Kuchen oder Eis hatte Heini Link, der von seiner Frau Gertrud unterstützt wurde, immer auch einen freundlichen Ratsch im Angebot und für die kleinen Gäste Stofftiere zum Ausleihen.

Wegen des 2019 eröffneten Kreisjugendzeltplatzes nebenan hatten sich Heini Link, Badegäste und Naturschützer um das Idyll gesorgt. Die Wogen glätteten sich, auch wenn sich Link mit der neu erbauten, sehr großzügig dimensionierten WC-Anlage nie so recht hatte anfreunden können. Nach dem plötzlichen Tod des Kioskbetreibers im Januar 2022 schien der Kiosk vor dem Aus zu stehen. Eine Saison machte Gertrud Link alleine weiter.

Der Notzinger Weiher im Sommer.
Der Notzinger Weiher im Sommer. (Foto: Renate Schmidt)
Der Notzinger Weiher im Frühling.
Der Notzinger Weiher im Frühling. (Foto: Stephan Görlich)

Nach längerer Suche übernahm 2023 Kočo Klinger und versorgte zwei Saisons lang die Badegäste am Notzinger Weiher mit Getränken und kleinen Gerichten. Mit Klinger, der auch am Finsinger Weiher einen Kiosk betreibt, sei man im Einvernehmen auseinandergegangen, so Hautmann.

Es habe zunächst Überlegungen gegeben für einen Neubau. Die Kosten hätten sich überschlagsweise auf circa 125 000 Euro belaufen. Nun will es der Landkreis für die Badesaison 2025 erst einmal mit einem Foodtruck beziehungsweise Imbisswagen versuchen. Interessenten können sich noch bis Freitag, 31. Januar, beim Landratsamt bewerben.

Im Sommer 2021 feierten Gertrud und Heini Link das 50-jährige Bestehen ihres Kiosks.
Im Sommer 2021 feierten Gertrud und Heini Link das 50-jährige Bestehen ihres Kiosks. (Foto: Renate Schmidt)
Am Ufer erinnert ein Gedenkstein an Heini Link, der den Kiosk erbaut und bis zu seinem Tod bewirtschaftet hat.
Am Ufer erinnert ein Gedenkstein an Heini Link, der den Kiosk erbaut und bis zu seinem Tod bewirtschaftet hat. (Foto: Renate Schmidt)

Laut Ausschreibung verpflichtet sich der Pächter, den Foodtruck während der Badesaison, von mindestens April bis September, „gerne aber auch an allen anderen schönen Tagen“, für den Verkauf „von regionalen Lebensmitteln und Getränken sowie Genussmitteln“, zu öffnen. Als Schmankerl offeriert das Landratsamt den Neuen, im ersten Jahr keine Pacht zu erheben. Weniger schmecken dürfte den künftigen Pächtern, dass sie für die Kosten von Strom, Heizung, Wasser und Müll selbst aufkommen müssen. Außerdem sind sie für die Reinigung der Toilettenanlage zuständig, für die Leerung der Abfallkörbe und die „laufende Säuberung des Geländes“. Auch das Aufsperren der Toilettenanlage morgens und das Schließen abends gehört zu den Aufgaben, bestätigt Markus Hautmann.

Wann der „Schmankerlkiosk“, wie ihn Link nannte, am Notzinger Weiher abgerissen wird, kann das Landratsamt nicht sagen. Ein Termin steht laut Hautmann noch nicht fest. Egal, was dann folgt, Heini Link bleibt: Ein kleiner Gedenkstein am Ufer des Notzinger Weihers erinnert an den Erdinger, der den Kiosk gebaut und über 50 Jahre bis zu seinem Tod betrieben hat.

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