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Notrufe:600 000 Einsätze in zehn Jahren

Ein Notruf nach dem anderen geht aus den drei Landkreisen Erding, Freising und Ebersberg in der Leitstelle ein. 80 000 sind es mittlerweile pro Jahr. Die Disponenten mussten anfangs vier, nunmehr sogar fünf Bildschirme im Auge behalten, um das zu koordinieren.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Integrierte Rettungsleitstelle in Erding ging im Herbst 2009 in Betrieb. Seither koordiniert sie die Alarmierung von Feuerwehr und Rettungsdiensten in drei Landkreisen

Vor zehn Jahren ist die Integrierte Rettungsleitstelle in Erding in Betrieb gegangen. Seither laufen dort die Notrufe für Notarzt, Feuerwehr und Rettungsdienst für die drei Landkreise Erding, Freising und Ebersberg zusammen. Rund 47 000 Einsätze waren es 2010. Für 2019 rechnet man nach derzeitigem Stand mit etwa 80 000 Einsätze. Insgesamt wurden in den vergangenen zehn Jahren dort etwa 600 000 Rettungseinsätze koordiniert. Als Vorsitzender des Rettungszweckverbandes bedankte sich Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) in der Sitzung des Verbands bei allen Mitarbeitern und Partnern wie den Rettungsdiensten und dem THW: Bei Großschadenslagen brauche man jede Frau und jeden Mann, betonte er. Zudem wisse er es sehr zu schätzen, dass man nie im Streit gelegen habe, sondern immer in Harmonie zusammengearbeitet habe.

Bevor die Integrierte Rettungsleitstelle in Betrieb gegangen ist, musste man je nach Notsituation eine von drei Nummern wählen: 19222 für den Rettungsdienst, 112 im Brandfall und 110 für die Polizei. Das neue Konzept sah vor, dass man künftig nur die 112 wählen sollte, um bei der Rettungsleitstelle zu landen. Damit erreichte man die ausgebildeten Rettungsassistenten mit einer Zusatzqualifikation im Feuerwehrbereich, die nach Schilderung der Lage alles Erforderliche sofort in die Wege leiteten.

Bayerstorfer erinnerte daran, dass man in den bayerischen Landkreisen erst einmal abwarten wollte, wie so ein Zusammenspiel funktioniert. Erding sei jedoch durch eine Änderung der Polizeistruktur in Zugzwang geraten. Im Rahmen der Neustrukturierung der Polizeipräsidien in Oberbayern Nord und Süd sei damals die Polizeidirektion Erding in eine Inspektion herabgestuft worden. Dort liefen bislang die Notrufe für Polizei und Feuerwehr zusammen. Es war jedoch nicht vorgesehen, dass eine Inspektion die Feuerwehreinsätze gewährleiste.

Also mussten die drei Landkreise und die drei Feuerwehrinspektionen die Rettungsleitstelle vorantreiben. Sie sei in Form eines Anbaus an Rote Kreuz Erding realisiert worden. Die technischen Investitionen seien beeindruckend gewesen, sagte Bayerstorfer: Man habe 1,4 Millionen in das Gebäude investiert, aber 1,6 Millionen Euro in die Technik. Anfangs waren für den Betrieb der ILS Erding 21 Disponenten, zwei Systemadministratoren und ein Leitstellenadministrator verantwortlich. "Wir haben Leute vom BRK übernommen, da ist niemand gekündigt worden", sagte Bayerstorfer.Die Zusatzausbildung sei anspruchsvoll gewesen, weil sie noch keine Schulungen im Feuerwehrwesen hatten. So habe man sie mit dem Feuerwehrmodul eins geschult und zudem die Qualifikation des Feuerwehrmoduls zwei angeboten. "Das war einmalig in Bayern." Damit waren sie bestens gerüstet, die Alarmpläne von Feuerwehr und Rettungsdienst aufeinander abzustimmen. Es gab dadurch auch eine feinere Tiefenschärfe bei der Alarmierung: Früher hatte es sieben Alarmstufen gegeben, im Zuge der ILS verfügte man dann über 57 Einsatzstichworte. Das erlaubte es etwa den Feuerwehren, je nach Unfall mit der bestmöglichen Ausrüstung auszurücken.

Bayerstorfer hob in seinem Rückblick die hervorragende Zusammenarbeit aller Beteiligten hervor. Man müsse dabei auch bedenken, dass man mit dem Flughafen auch noch eine Sonderlage übernommen habe, die bei anderen Integrierten Leitstellen nicht gegeben sei und eine "andere Sensibilität" erfordere. Er wies zudem auf die enorme Steigerungsrate bei den Alarmierungszahlen hin, die von 47 000 auf aktuell 80 000 gestiegen sind.