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Nitratbelastung:Das Trinkwasser ist in Gefahr

Landwirt beim Odeln, 2017

Ein Landwirt bringt auf einem Feld Gülle aus. Was die Pflanzen nicht aufnehmen, gelangt ins Grundwasser und belastet es mit Nitrat.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die bayerische Wasserwirtschaft benennt bei einer Tagung in der Stadthalle Erding große Herausforderungen

Die Führungskräfte der bayerischen Wasserwirtschaft tagen derzeit in der Stadthalle Erding, um Lösungen für aktuelle Herausforderungen zu finden. Vor allem das Trinkwasser ist in Gefahr und müsste dauerhaft vor Verunreinigungen geschützt werden. Auf 30 Prozent der Landesfläche liegt die Belastung im Grundwasser bereits über 50 Milligramm Nitrat pro Liter. Die Verwendung von Folien im Landbau und das dabei entstehende Mikroplastik stehen ebenfalls in der Kritik. Zudem sind die Bestandsnetze in der Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung in die Jahre gekommen und müssen kurz- und mittelfristig mit einem finanziellen Aufwand von 15 Milliarden Euro allein in Bayern saniert werden. Und nicht zuletzt steht die Wasserwirtschaft auch vor dem Problem, dass Stadtwerke oder kleinere Zweckverbände die gesetzlich vorgeschriebene Phosphorrückgewinnung aus dem Klärschlamm nicht schultern können. Letzteres dürfe nicht Aufgabe der Kommunen sein, sondern müsse vom Staat übernommen werden, forderte Gemeindetagspräsident Uwe Brandl bei einem Pressegespräch.

Brandl betonte, dass die Landwirtschaft kein Gegner der kommunalen Wasserversorger sei und wies auf freiwillige Vereinbarungen in Wasserschutzgebieten hin. Dennoch macht sich die Wasserwirtschaft Sorgen, weil sie selbst wenig Möglichkeiten habe, die Wasserqualität zu beeinflussen. Große Mastbetriebe und die dort anfallende Gülle haben bereits dazu geführt, dass auf einem knappen Drittel der Fläche Bayerns der Schwellenwert von 50 Milligramm Nitrat im Grundwasser überschritten ist. "Wir werden mit der Landwirtschaft ein deutliches Wort sprechen müssen", sagte Brandl. Die EU müsse "dringend" andere Förderkulissen einführen. Es sei nicht zielführend, dass die Förderung landwirtschaftlicher Betriebe nur über die Größe bedient werde und nicht über die Art der Nutzung. Brandl führte das bestehende System der Subventionen auf den Einfluss sehr großer Agrarbetriebe in Frankreich, Italien und Spanien zurück, was dazu führe, dass in Bayern die Kleinteiligkeit zunehmend verschwinde: "Das ist das, was uns unterm Strich umbringt."

Brandl warnte auch vor einer Privatisierung des Wassermarktes: In Deutschland werde damit ein Gewinn von 14 Milliarden Euro erzielt. "Im Zuge internationaler Debatten hat auch die Privatwirtschaft ein Auge auf den Markt geworfen. In England hat man eine Zeit lang ganz üble Erfahrungen damit gemacht, weil nur Gewinne abgeschöpft und die Netzwerke nicht erneuert wurden." Wasser sei aber kein Handelsgut, sondern ein Lebensmittel. Und das müsse so bleiben.

Sorge bereitet der Wasserwirtschaft auch, dass sich eine Dürre wie 2018 wiederholen könne. Insbesondere dort, wo Sonderkulturen angebaut werden, wollen die Landwirte künftig mehr auf Bewässerung der Felder setzen. Es seien viele Anträge auf private Brunnen und auf Wasser aus der öffentlichen Wasserversorgung gestellt worden. Das würde den Grundwasserstock zusätzlich belasten.

Wie wertvoll die Ressource Wasser sei, so Brandl, sehe man an einer Studie, wonach 2030 nur mehr 60 Prozent der Weltbevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser habe. Das werde zu "Völkerwanderungen" führen, sagte Brandl. Daher sei es ein Gebot der Stunde, ganzheitlich ökologisch zu denken.

Die Wasserversorgung in Bayern sei insgesamt gut aufgestellt. "Aber Qualität hat seinen Preis", betonte er im Hinblick auf anstehende Investitionen. Er sprach sich dabei auch dafür aus, "neue Einheiten zu bilden": Zusammenschlüsse von Zweckverbänden und Stadtwerken sind demnach zu erwarten.

© SZ vom 09.05.2019
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