Neue Produktion von Opera Incognita Kurz und gut

Samantha Britt und Mantas Gacevicius treten im Stück "Das Telefon" auf. Altmodisch ist der Inhalt des Stückes bestimmt nicht.

(Foto: Anton Empl/OH)

Mit einer internationalen Besetzung präsentiert "Opera Incognita" eine amüsante Doppelprodution. Gezeigt werden die Einakter "Gianni Schicchi" von Puccini und "Das Telefon" von Menotti

Von Mathias Weber

Ernst Bartmann bleibt kaum Zeit zum Durchschnaufen. Vor zwei Wochen hatte das Ensemble Opera Incognita, das Dorfener Opernprojekt im Umfeld des Jakobmayers, bei dem Bartmann die musikalische Leitung hat, noch einen letzten Auftritt. "Ordinary Days" wurde im Münchner Gasteig gezeigt, ein Musical, das die Geschichte von vier jungen Menschen in New York erzählt. Einen Urlaub gönnt man sich in Dorfen aber nicht, es geht gleich weiter mit der nächste Aufführung. Bartmann muss schmunzeln: "Das stimmt, wir haben eine hohe Dichte an Aufführungen, wir schauen, dass wir möglichst viele Veranstaltungen machen", sagt er - erschöpft aber klingt er nicht.

Im Gegenteil, Bartmann wirkt, als freut er sich auf das, was kommt. Ende April feiert Opera Incognita mit einem Musiktheaterabend Premiere, bei dem zwei Opern miteinander kombiniert werden sollen. Zwei Einakter, zwei Komödien sind es: Giacomo Puccinis "Gianni Schicchi" aus dem Jahr 1918 sowie Gian Carlo Menottis Operngroteske "Das Telefon" von 1947.

Zwei vergleichsweise junge Stücke also, "leicht zugänglich", sagt Bartmann, und zwei Stücke über "Kapital und Romantik und den ganz alltäglichen Wahnsinn menschlicher Beziehungen." Puccini, der für seine Melodramen ("Tosca", "La Bohème") berühmt ist, aber auch Komödien komponierte, kannte sich damit aus. Drei Einakter wollte er vor fast 100 Jahren vertonen, einen tragischen Einakter, einen lyrischen und einen komischen - drei Opern in einer sozusagen. Der komische Einakter, das war "Gianni Schicchi", eine "Perle der burlesken Musikliteratur", wie es von Opera Incognita heißt. In dem Stück geht es um den Toten Buoso Donati, an dessen Sterbebett sich die Verwandtschaft versammelt - vor allem, um auf die Verkündung des Erbes zu warten. Es stellt sich heraus, dass Donati sein Vermögen einem Kloster vermacht hat, aber Gianni Schicchi, das schwarze Schaf des Clans, hat einen Plan, wie man das Erbe retten kann.

Nur 30 Jahre später hat der italienisch-amerikanische Komponist Gian Carlo Menotti die Operngroteske "Das Telefon" geschrieben, ebenfalls ein Einakter. Darin versucht der junge Ben verzweifelt, das Gehör seiner dauertelefonierenden Geliebten Lucy zu bekommen, um ihr einen Heiratsantrag zu machen. Das Stück, so heißt es, zeige die "reiche Stilistik des Musiktheaters des 20. Jahrhunderts." Musikalisch ist die Kombination der beiden Stücke also durchaus interessant. Während es bei Puccini "noch hochromantisch" sei, gehe es bei Menotti in "Richtung Genremix", sagt Bartmann: "Irgendwo zwischen Britten und Neuer Musik", was für das Publikum sicher einen großen Reiz habe.

Wurden für das kürzlich aufgeführte Musical nur vier Sängerinnen und Sänger benötigt, ist die Besetzung für die neue Produktion angewachsen - und sie ist sehr international. Herfinnur Arnafjall stammt zum Beispiel von Faröer Inseln, Mantas Gacevicius aus Litauen, Samantha Britt aus den USA. Die Inszenierung übernimmt wie immer Andreas Wiedermann, die Produktionsleitung hat Evi Festl, Anton Empl kümmert sich um das Bühnenbild, Barbara Gruber um die Kostüme. Die kürzeste Anreise - auch zu den gerade stattfindenden Proben - hat wohl Sänger Peter Kellner, er kommt aus München.

Im Mai wird es Keller tatsächlich nicht sehr weit zu einem Auftritt haben, denn wie gewohnt wird die Oper zuerst im Jakobmayer aufgeführt, fünf Mal hintereinander; für drei Auftritte geht es dann aber nach München, dieses Mal in den Hubertussaal im Schloss Nymphenburg.

Karten für die Aufführungen im Jakobmayer lassen sich ab sofort über den Ticket-Treff Dorfen unter 08081/1393 sowie www.printyourticket.de beziehen. Sie kosten 29 Euro im Vorverkauf (zwölf Euro ermäßigt) und 33 Euro an der Abendkasse. Die Premiere findet am Freitag, 28. April statt. Weitere Termine: Samstag, 29. April, Mittwoch, 3. Mai, Freitag, 5. Mai, Samstag, 6. Mai. Beginn jeweils 20 Uhr. In München wird die Oper am Freitag, 19. Mai, Freitag, 26. Mai und Samstag, 27. Mai, aufgeführt.