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Neue Initiative:Freifunk für Flüchtlinge

Das Optik-Studio Geyer (im Hintergrund) macht bei Freifunk mit - am Brunnen am Schrannenplatz gibt es deshalb freien Internetzugang per Wlan.

(Foto: Peter Bauersachs)

Piraten und Grüne wollen Asylbewerbern einen kostenlosen Internetzugang in ihren Unterkünften ermöglichen. Sie könnten dann nicht nur mit ihrer Familie kommunizieren - sie könnten auch selbständig Deutsch lernen

Seit diesem Montag steht Flüchtlingen in der Münchner Bayernkaserne ein freier Zugang zum Internet via Wlan offen. Möglich gemacht hat das die Initiative "Freifunk München" in Kooperation mit dem Münchner Sozialreferat. Kostenlosen Internetzugang in den Flüchtlingsunterkünften im Landkreis Erding, das ist auch das Ziel der Erdinger Freifunker-Initiative um den Erdinger Stadtrat Stefan Lorenz und Alexander Fox (beide Piraten). Der Kreisverband der Grünen unterstützt das Projekt, das sich zudem mit einer weiteren Initiative von Anna Maria Blau perfekt verbinden ließe. Blau will im Landkreis Online-Sprachkurse nach dem Tölzer Modell etablieren. Mit Laptops und Wlan könnten Flüchtlinge selbständig Deutsch lernen.

"Es ist sehr wichtig für Flüchtlinge, Kontakt nach draußen zu halten", sagte die Grünen-Vorsitzende Helga Stieglmeier bei der Vorstellung des Freifunk-Projekts am Montag. Für viele Flüchtlinge sei das Internet oft die einzige Möglichkeit, mit ihren Familien zu Hause zu kommunizieren - ob per E-Mail oder über Skype. Wenn Flüchtlinge darüber hinaus in den Unterkünften online lernen könnten, während sie zum Beispiel noch auf einen Platz in einem Sprachkurs bei der Volkshochschule warten müssen, wäre dies ein großer Gewinn für sie und ihre Integration.

In den Flüchtlingsunterkünften gibt es jedoch aus rechtlichen Gründen bislang keine Internetanschlüsse. Denn der Inhaber eines Anschlusses - in den angemieteten Flüchtlingsunterkünften wäre es das Landratsamt - haftet nach deutschem Recht für Missbrauch wie Urheberrechtsverstöße durch illegale Downloads von Filmen und Musik, erklärte Piraten-Stadtrat Lorenz. Bei Freifunk gibt es aber kein Haftungsrisiko. Denn die speziellen Freifunkrouter leiten den Internetverkehr in die Niederlande oder nach Schweden, wo ein anderes, sehr liberales Internetrecht gilt.

Um in Flüchtlingsunterkünften offenes Freifunk-Wlan anzubieten, muss dort kein eigener Internetanschluss installiert werden, erklärte Lorenz weiter. Die Idee ist vielmehr, Nachbarn in unmittelbarer Nähe einer Unterkunft zu finden, die an ihren privaten oder gewerblichen Internetanschluss einen Freifunkrouter anschließen - ganz einfach, weil sie die Freifunk-Idee und kostenlosen Internetzugang für Flüchtlinge gut finden und unterstützen wollen. Ein Freifunkrouter koste etwa 20 Euro und sei in zehn Minuten angeschlossen. Im Betrieb verursache er lediglich Stromkosten von zirka 50 Cent pro Monat, sagte Lorenz.

Im Landkreis Erding gibt es bereits etwa ein Dutzend Freifunk-Standorte. Ein "Referenzobjekt" ist der Freifunk, der im Optik-Studio Geyer in der Erdinger Innenstadt eingerichtet worden ist. So haben nicht nur die Kunden des Optikers freien Wlan-Zugang. Auch wer am Brunnen am Schrannenplatz sitzt, kann sich dort seit einigen Wochen mit seinem Smartphone, Tablet oder Notebook in das offene und kostenlose Freifunk-Wlan einklinken. Die Standorte aller Freifunkrouter sind auf einer Karte auf der Internetseite www.freifunk-erding.de verzeichnet.

Aus der Freifunk-Idee an sich sei "eher zufällig auch ein Projekt der Flüchtlingshilfe geworden", sagte Lorenz. Anna Maria Blau, die beruflich und ehrenamtlich als Beraterin für Unternehmens- und Organisationsentwicklung tätig ist, war durch die Sprecherin der Aktionsgruppe Asyl (Aga), Maria Brand, auf das Tölzer Modell der Online-Sprachkurse aufmerksam gemacht worden. Die Tölzer Mathematikerin Waltraud Haase hatte im vergangenen Jahr die Idee, dass Flüchtlinge mit Computern online die lateinische Schrift, die deutsche Sprache sowie Mathematik lernen könnten, und gründet dazu den Verein Asyl Plus. Haase sammelte kostenfreie Trainingsprogramme unter anderem beim Verlag des Goethe-Instituts und der Deutschen Welle. Außerdem organisiert sie gespendete Computer, die so konfiguriert werden, dass die Nutzer problemlos mit dem Lernen beginnen können. Die Flüchtlinge sollen sich, so ein weiterer Gedanke Haases, später auch gegenseitig in die Lernprogramme einführen.

Um das Tölzer Modell im Landkreis Erding zu etablieren, hat Blau bereits die ersten zehn Laptops gespendet bekommen. Der IT-Berater Christopher Voth, der sie bei ihrem Vorhaben unterstützt, brachte sie dann mit den Erdinger Freifunk-Initiatoren zusammen. Denn wenn es gelingt, Flüchtlingsunterkünfte mit Freifunk-Wlan zu versorgen, kann es richtig los gehen. Wer das Projekt unterstützen will, indem er an seinen Internetanschluss einen Freifunkrouter anschließt, kann sich bei Stieglmeier, Telefon 08122/ 9 99 19 52, oder bei Lorenz, Telefon 0170/ 9 03 22 98, melden.