Das Hohenpoldinger Landwirte-Ehepaar Barbara und Anton Neudecker hat beim Bundeswettbewerb ökologischer Landbau gewonnen. Für ihre innovative Betriebsgemeinschaft wurden sie auf der Grünen Woche von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer als einer von drei Betrieben bundesweit ausgezeichnet. Ihre Vielseitigkeit ist enorm: Auf ihrem 400 Hektar großen Biohof erzeugen sie zu 80 Prozent Lebensmittel, darunter Biozuckermais zum Grillen sowie Bioeier.
Ferner stellen sie große Mengen Dünger für den Biolandbau her und verarbeiten pro Jahr 2000 Tonnen Altbrot zu einer Kraftfutterkomponente. Zudem sind sie auch Energiewirte: Ihre Biogasanlage ist großzügig dimensioniert und erzeugt 3,5 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Damit versorgen sie ihren Hof und den Fuhrpark. Mit der Abwärme werden der Dünger und das Brot getrocknet. „Ein Biohof muss kein kleiner Betrieb mit zehn Hühnern sein“, sagt Anton Neudecker.
1994 übernahm er den Hof eines erkrankten Onkels in Gurnhub bei Hohenpolding an der Landkreisgrenze von Erding und Landshut. „Ich wollte immer selbständig sein, aber eigentlich wollte ich Maschinenbau studieren oder Wirtschaftsingenieurswesen. In der Landwirtschaft war ich völlig blauäugig.“ Er schloss erst eine landwirtschaftliche Lehre ab und machte dann seinen Meister.
2002 war er fertig mit der Ausbildung und krempelte den Hof um. 2003 renovierte er den alten Bullenmaststall und riss alte Gebäude ab. Ein Jahr später kamen die ersten PV-Anlagen aufs Dach. Weitere drei Jahre darauf heiratete er seine Frau Barbara. Seither bewirtschaften sie ihren Hof, eine Pferdepension in Landshut. 2010 war ein besonderes Jahr für ihn: „Ich habe die Biogasanlage gebaut, den Hühnerstall und die Maschinenhalle. Anschließend war ich platt.“

Die Biogasanlage ist seither das Herzstück des Betriebs. Sie liefert den Strom für Haus und Hof sowie für den elektrischen Fuhrpark. Sie stellen ihren 15 Mitarbeitern E-Autos zur Verfügung, fahren selbst welche und auch ein elektrisch angetriebener Lastwagen kommt auf dem Hof zum Einsatz. In den Fermenter kommt Kleegras von 20 weiteren Biohöfen aus der Region. „Viele Biobetriebe haben keine Verwendung für das Kleegras, wenn sie keine Kühe halten“, sagt Neudecker. „Wir mähen es, holen es ab und gewinnen Energie daraus.“
Nach dem Vergären wird das Substrat mit der Abwärme der Biogasanlage getrocknet, mit der Hühnergülle des Legebetriebs vermengt und als Dünger wieder auf den Acker ausgebracht. Die Ernte des Kleegrases konzentriert sich auf wenige Tage im Jahre, aber dann werden bis zu 20 Tonnen am Tag am Neudeckerhof angeliefert. „Im Biolandbau ist Biodünger immer knapp“, sagt Neudecker. „Und mit meiner Düngerfabrik kann ich sie beliefern.“

Etwa 2000 Tonnen Altbrot werden ebenfalls pro Jahr getrocknet. Das Brot stammt von einer Münchner Bio-Großbäckerei aus deren unverkauften Beständen. Die Laibe werden in Hohenpolding getrocknet, geschreddert und dann an ein Kraftfutter-Mischwerk als Komponente geliefert. „Der Bäckerei ist es wichtig, dass das Brot verwertet und nicht weggeworfen wird“, betont Neudecker.
Statt Futtermais bauen die Neudeckers Bio-Zuckermais an. Anton hat dazu eine eigene Vermarktungsschiene entwickelt. Unter dem Namen „Kolbenfresser“ liefert er sie im Zweierpack als Mais zum Grillen und Kochen bis nach Berlin. Auch Weizen wächst auf seinen Feldern, sowie Dinkel, Hafer, Soja und Kleegras.
Vor eineinhalb Jahren hat er auf einer Wiese neben dem Hühnerstall eine Agri-PV-Anlage errichtet, unter den aufgeständerten Modulen sollen künftig die Hühner scharren können. Auch einen Speicher mit Trafostation hat er dafür gebaut. Nun wartet er jedoch auf den Stromanschluss, der Netzbetreiber halte ihn hin, weil der Speicher zu groß sei, sagt er. „Ich habe alles erledigt, was angefordert wurde und 1,5 Millionen Euro investiert. Ich verstehe das nicht, wir brauchen ja die erneuerbaren Energien.“
Der 49-Jährige wirft der Politik mangelnde Planbarkeit vor, eine Klage, die man häufig in der Landwirtschaft hört. Konkret geht es bei Neudecker um die Biogasanlage. Die Förderungen dieser Anlagen laufen nach 20 Jahren aus. Bei ihm ist das 2030 der Fall. „Ich habe zwei bis drei Millionen Euro investiert, bei wechselnden Rahmenbedingungen wird der Betrieb schwierig.“ Er wirkt nachdenklich: „Ich habe keinen Plan B“.

