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Neuerscheinung:Vom Dampfross zum Ringschluss

Karl Bürger erzählt in seinem neuen Buch vom Glanz, Niedergang und von der Renaissance der ehemals königlich bayerischen Eisenbahn und schlägt dabei den Bogen in eine umwälzende Zukunft: Ein begeisterndes Werk für Fachleute und Hobbyhistoriker

Zeitgeschichte und Verkehrspolitik hat der Walpertskirchener Autor Karl Bürger in seinem neuen Buch "München-Mühldorf-Simbach, Glanz,Niedergang und Renaissance einer königlich bayerischen Eisenbahn" kenntnisreich und unterhaltsam zusammengefasst. Das Werk erläutert nicht allein die Geschichte eines Schienenstrangs für Enthusiasten, sondern erzählt auch das Kapitel der Industrialisierung am Beispiel Südostbayerns. Fachleute wie Hobbyhistoriker dürften gleichermaßen ihre Freude daran haben.

Karl Bürger hat bereits 2013 ein sehr lesenswertes Werk veröffentlicht: "Von königlich bayerischen Zeiten zur S-Bahn und Flughafenbahn. Eisenbahngeschichte am Beispiel des Landkreises Erding". Nun hat er den großen Wurf gewagt und die Verkehrsgeschichte der ganzen Region recherchiert und lebendig niedergeschrieben, bebildert mit vielen seltenen Aufnahmen. Es ist nicht zuletzt auch ein sehr persönliches Buch geworden, erzählt von einem Mann, der sich von Kindesbeinen an für die Eisenbahn begeistert hat; ein Lebenswerk. Das 272 Seiten starke Buch mit insgesamt 532 Abbildungen spannt einen Bogen über rund 150 Jahre Bahngeschichte, wobei Bürger nicht allein Sachverhalt an Sachverhalt knüpft, sondern immer auch das "Warum" erklärt. Angefangen von den politischen Überlegungen zum Verlauf über die kaum noch vorstellbaren Strapazen der Streckenbauarbeiter, die die Geländeeinschnitte von Hand gruben bis hin zu damaligen technischen Hochleistungen wie dem Bau der Innbrücke zwischen Simbach und Braunau erweckt Bürger das Königreich Bayern wieder zum Leben. Nebenbei erläutert er die Entstehungsgeschichte des Chemiedreiecks oder die Episode, in der der prunkvolle Orient-Express auf dieser Route fuhr.

Bürger Buch

Bürgers Eisenbahn-Buch enthält beeindruckende Aufnahmen wie von dieser Baustelle: Am 22. Mai 1871 wurde die Innbrücke zwischen Simbach und Braunau einer Belastungsprobe mit vier Lokomotiven der Kaiserin-Elisabeth-Bahn-Gesellschaft und drei bayerischen Güterzugmaschinen der Klasse C III unterzogen.

(Foto: Sammlg. Alfred Baumgartner)

"Von Krieg zu Krieg" ist ein Kapitel überschrieben, in dem er die zentrale Rolle der Eisenbahn bei der Mobilmachung, beim Aufmarsch und beim Nachschub erklärt. Im Dienst des NS-Regimes entstehen dann "Vernichtungslager mit Bahnanschluss".

Mit den Anfängen der Bundesrepublik und dem einsetzenden Individualverkehr in den 1960er Jahren beginnt der Niedergang der Bahnlinie. Nebenbahnen werden stillgelegt, der Personenverkehr ausgedünnt. Bürger, der Jahrgang 1956 ist, kann von nun an aus eigenen Erinnerungen schöpfen. Sein Vater Martin Bürger ist Zugführer, kann jedoch die Begeisterung seines Sohnes für die Eisenbahn zunächst nicht nachvollziehen. Verständnis für die Leidenschaft des kleinen Karl hat vielmehr der Großvater, der keinen Führerschein und kein Auto hat, und ihn zu Ausflügen mit der Bahn einlädt. In diesen Erzählungen aus seiner Kindheit fängt Karl Bürger das reiche Lokalkolorit des Landkreises Erding in den 1960er Jahren ein. In den folgenden Jahrzehnten macht er sich Gedanken über die fehlende Weiterentwicklung der Bahn: den Rückzug aus der Fläche, die Bahnreform, den immer wieder aufgeschobenen zweigleisigen Ausbau der Strecke München-Mühldorf-Freilassing.

Bürger engagiert sich auch und gründet 1989, als nach jahrelanger Vernachlässigung die Stilllegung des Haltepunkts Walpertskirchen drohte, den örtlichen Pro Bahn Arbeitskreis. Als Vorsitzender dieses Arbeitskreises ist er mit seinem Fachwissen für die Bürger tätig. Zur Aufwertung der seit 1871 bestehenden Walpertskirchener Bahnstation initiierte er 2014 ein kleines Eisenbahnmuseum und baute es auf dem ehemaligen Ladehof auf, wo er viele Tage seiner Kindheit verbracht hatte.

Karl Bürger

Eloquent erzählt Karl Bürger am Beispiel der Eisenbahn ein Stück bayerischer Geschichte.

(Foto: privat)

Mit seinem neuen Buch hat er der Eisenbahn ein weiteres, ein schriftliches Denkmal gesetzt. Es ist sowohl Lektüre als auch Nachschlagewerk mit detaillierten Quellenangaben, akribisch recherchiert und allein mit 368 Abbildungen illustriert, die bisher noch nicht veröffentlich wurden. In Zeiten, in denen der Erdinger Ringschluss und die Walpertskirchener Spange wieder aktuell werden, erzählt dieses Buch die ganze Entwicklung, die die Bahn seit der ersten Trassierung genommen hat. Das Buch ist in der Erdinger Buchhandlung Betz und im Sempt-Park (Buchhandlung Rupprecht) erhältlich sowie bei Bürger selbst (zu bestellen per E-Mail: karl-buerger@t-online de oder telefonisch: 08122/3597; es wird prompt geliefert). Es kostet 39,90 Euro.