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Naturschutz in Oberding:Die Rechnung bitte

Auf der BN-Wiese bei Notzing sind die Pflanzen mit autochthonem Saatgut angesät worden, das man mit gewöhnlichen Saatgut nicht in einen Topf schmeißen kann.

(Foto: Renate Schmidt)

Der Bund Naturschutz beantragt in Oberding einen Zuschuss für die Ansaat einer heimischen Blühwiese. Der Gemeinderat ist erst einmal gar nicht so begeistert und verlangt eine Aufstellung der Kosten

Von Regina Bluhme

Der Schock über den Absturz der Gewerbesteuer sitzt in Oberding offenbar tief. Statt der anvisierten 21 Millionen Euro werden es wegen der Corona-Krise heuer wohl nur vier Millionen sein, hieß es im Mai - und seither wird auf jeden Cent geschaut. Das bekam jetzt auch der Bund Naturschutz (BN) zu spüren. Die Kreisgruppe Erding hat kurz vor dem Ortseingang von Notzing auf 6000 Quadratmetern eine insektenfreundliche Blumenwiese angelegt und nun bei der Gemeinde Oberding einen Zuschussantrag in Höhe von 1000 Euro beantragt. Von einer Zuzahlung waren nicht alle Räte begeistert. Nach längerer Debatte beschloss das Gremium, die Entscheidung zu vertagen. Vor der Abstimmung soll der BN erst mal sämtliche Rechnungen für die Aussaat vorlegen.

Wer von Erding nach Notzing unterwegs ist, den erwartet kurz vor der Ortseinfahrt die Blumenwiese. "Es blüht dort wirklich sehr, sehr schön", sagte Bürgermeister Bernhard Mücke (CSU). Er sprach sich für den Zuschuss aus. Die Gemeinde habe selbst ja auch schon insektenfreundliche Blühwiesen oder Blühstreifen angelegt, ein Zuschuss zu der BN-Fläche sei von Vorteil, denn wollte Oberding selbst so eine Wiese anlegen, "würde es uns mehr kosten".

Das Grundstück in Notzing ist dem Bund Naturschutz für fünf Jahre zur Pacht angeboten worden mit der einzigen Bedingung, dort eine insektenfreundliche Blumenwiese anzulegen. Anfang Mai war autochthones Saatgut einer Freisinger Firma ausgebracht worden. "Dieses wertvolle und mehrjährige Saatgut kostet allein circa 1700 Euro", schreibt der BN in seinem Antrag. Dazu kämen die Kosten für die Ansaat von Ackerwildkräutern sowie die Arbeitskosten für den Landwirt. Außerdem sollen am nördlichen Rand einige heimische Gehölze gepflanzt werden, deren Kauf mit circa 200 Euro veranschlagt wird.

Insgesamt, so hat der BN ausgerechnet, kämen auf den Verein Kosten zwischen 2200 bis 2500 Euro zu. Ein Zuschuss in Höhe von 1000 Euro sei im Rahmen des Programms "Leader" bereits genehmigt worden. Georg Stemmer, CSU-Gemeinderat und Landwirt aus Niederding, stellte die veranschlagten Kosten in Frage. Eine Aussaat für 1700 Euro - "was ist das denn für ein Saatgut?" Er habe auch schon Blühwiesen angelegt, "aber das Saatgut krieg ich für 350 Euro", schimpfte er. Das sei "Wucher". Zudem müsse dann auch der Landwirt einen Zuschuss erhalten. Bürgermeister Mücke hielt dagegen: Landwirtschaft sei ein Gewerbe, "wir unterstützen nur Vereine". Matthias Reitinger (WG Notzing), ebenfalls Landwirt, verwies auf den Leader-Zuschuss, den der BN ohnehin erhalte, und warnte vor "Aktionismus": Was, wenn jetzt auch ein Gartenbauverein einen Zuschuss zu einer Blühwiese möchte? Grundsätzlich gelte für beantragte Zuschüsse: "Verein ja, privat und Landwirtschaft nein", antwortete Mücke.

Der Zweite Bürgermeister Anton Nußrainer (WG Oberding) erklärte, autochthones Saatgut sei heimisches Saatgut, "extra was hier bei uns wächst". Das könne man nicht mit herkömmlichem vergleichen.

Wolfgang Hirner (WG Aufkirchen) unterstützte den BN-Antrag. "Wir sollte das machen, die 1000 Euro tun uns nicht weh." Auch Johannes Sandtner (CSU) fand das Geld "gut angelegt". Auf Vorschlag von Wolfgang Hirner soll der BN vor der kommenden Sitzung alle Rechnungen vorlegen und auch über seine finanziellen Mittel Auskunft erstatten. Noch darf der BN also auf den Zuschuss hoffen. Am Ende schlug Georg Stemmer sogar ein Treffen mit dem Bund Naturschutz an der Blühwiese vor.

© SZ vom 27.07.2020
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