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Naturschutz in Erding:Der grüne Landkreis

Die Öko-Partei hat mit 16,7 Prozent ein Rekordergebnis erzielt. Doch für eine intakte Umwelt stehen im Erdinger Raum vor allem andere ein. Ein Überblick über das Engagement von Natur- und Vogelschützern

Ist das Ergebnis der Landtagswahl der Maßstab, dann müsste der Umweltschutz eines der wichtigsten Anliegen der Bürger im Landkreis Erding sein. Die Grünen erzielten mit 16,7 Prozent im Landkreis das beste Ergebnis ihrer Geschichte. Höchste Zeit herauszufinden, ob sich die politische Neuausrichtung im Engagement für Naturschutz niederschlägt.

Ein wichtiger Akteur in Bayern ist der Landesbund für Vogelschutz (LBV), der sich nicht nur für den Vogelschutz, sondern auch für Biodiversität und größere Naturschutzgebiete einsetzt. Er ist der bayerische Partnerverband des im restlichen Deutschland aktiven Naturschutzbunds (NABU). Auf der Jahrestagung 2018 konnte der LBV einen Anstieg der Mitgliederzahl um 9000 auf 95000 bekannt geben. Dennoch ist es für die Kreisverbände schwierig, neue Mitglieder zu gewinnen. "Der Nachwuchs fehlt ein bisschen, die Mitgliederzahl liegt bei uns relativ konstant bei circa 300", sagt Kassenwart Wolfgang Behn über den Kreisverband Erding. Viele Leute verbänden den LBV nur mit Vogelschutz, dabei setze man sich auch in vielen anderen Bereichen ein. "Auch mit dem politischen Erfolg von den Grünen überlaufen sie uns nicht gerade. Ich bin aber guten Mutes, dass in nächster Zeit wieder was vorwärts geht", sagt Behn.

Über die Vogelzählungen an Schulen, das Angebot von Kursen zur Vogel- und Tiererkennung und die Brutkastenaktionen will der LBV jüngere Menschen als Mitglieder gewinnen.

"Die Menschen engagieren sich heute oft nicht mehr dauerhaft, sondern meistens nur für bestimmte Projekte. Jeder hat sein Thema und dafür setzt er sich ein", sagt Manfred Drobny, Geschäftsführer des Erdinger Bund Naturschutz (BN), des bayerischen Landesverbands des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND. Das sei aber verständlich und in allen Vereinen bemerkbar. Trotzdem weise die Kreisgruppe Erding über Jahre hinweg wachsende Mitgliederzahlen auf, seit Anfang 2016 von 2427 auf 2948. Und auch der Zuspruch der Menschen in Erding sei gut, erkennbar an den Spenden im Landkreis. "Seit dem Bau der A94 und dem Flughafen sind wir als starke Stimme und Anwalt der Natur angesehen." Und auch bei kleineren Problemen würden sich viele an den BN wenden. Weitere wichtige Anliegen seien die Biotoppflege und der Schutz bedrohter Arten, wie der in Erding beheimateten Gelbbauchunke.

Es ist nur eine Aktion von vielen des Kreisverbandes Erding des Bund Naturschutz, aber eine, bei der auch andere mitmachen: Mit dem Alpenkranzl Erding pflegen die Naturschützer ein Biotop an der Gfällach.

(Foto: Peter Bauersachs)

Bei der Pflege der Naturschutzflächen an der Gfällach arbeitet der BN mit der Sektion Erding des Deutschen Alpenvereins (DAV) zusammen. Dessen Naturschutzreferent Wolfgang Mayer betont die Bedeutung des Umweltschutz: "Wir versuchen immer, Sport und Naturschutz unter einen Hut zu bekommen." Der DAV sei mit ungefähr 2000 Mitgliedern ein großer Verein in Erding, leicht wachsend und anerkannt im Umweltschutz. "Uns ist die Erziehung zur Nachhaltigkeit wichtig. Wir versuchen, unsere Mitglieder aktiv zu umweltbewusstem Verhalten zu motivieren", sagt Mayer. Dies geschehe durch CO₂-Reduktionsprojekte, Ausstellungen über Naturschutz im Museum Erding und Ausflüge, zum Beispiel an die renaturierte Isar, mit begleitender Aufklärung. "Ein harter Kern ist immer dabei", so Mayer über das Engagement der Mitglieder. Er gehe aber davon aus, dass das besser werde, da Umweltthemen kein Hype seien, sondern uns noch Jahrzehnte betreffen würden.

Die Wasserwacht des Roten Kreuzes ist wie der DAV eine Organisation, an die man nicht so schnell denkt, wenn es um Umweltschutz geht. Sie ist vor allem im Gewässerschutz aktiv. "Unsere Bereiche sind vor allem die Ausbildung der eigenen Mitglieder und Streifengänge an Gewässern, bei denen wir darauf schauen, dass niemand Naturschutzgebiete betritt und keiner seinen Müll liegen lässt", erklärt der Ausbilder für Naturschutz der Wasserwacht Erding, Walter Rauscher. Man sei bereits seit 1963 im Umweltschutz aktiv, für die jüngeren Mitglieder sei das eine der wichtigsten Aufgaben. Nach Angaben des Kreisvorsitzenden Alois Schießl liegt die Mitgliederzahl im Landkreis bei ungefähr 1100 und steige leicht. Momentan gebe es zwar nur zwei Ausbilder für den Naturschutz im Landkreis, der trotzdem einen hohen Stellenwert genieße.

2948 Mitglieder

hat der Bund Naturschutz mittlerweile im Landkreis Erding. "Eine starke Stimme der Natur", sagt Geschäftsführer Manfred Drobny. Und sie gewinnt an Lautstärke: Anfang 2016 waren es noch 2427. Politisches Engagement ist dann aber noch mal was anderes: Die Grünen haben 126 Mitglieder.

Die Mitgliederzahl der Grünen profitiert vom politischen Aufschwung. Mit aktuell 126 Mitgliedern im Kreisverband Erding sind die Umweltverbände zwar größer. 26 Neueintritte in diesem Jahr, darunter einige, die erst seit der Landtagswahl einen Mitgliedsantrag stellten, zeigen das steigende Interesse. "Schon in den vergangenen zwei Jahren geht die Mitgliederzahl kontinuierlich nach oben, aber auch wenn es keine großen Sprünge sind haben wir viele Neue, die sich dann länger engagieren", so Helga Stieglmeier, Kreisvorstandssprecherin in Erding. Einige Neumitglieder hätten zum Beispiel kurz entschlossen einen Ortsverband in Forstern und Pastetten gegründet und planten auch an der nächsten Kommunalwahl teilzunehmen. "Gut ist, dass viele der Neuen Frauen und wirklich alle Altersgruppen vertreten sind. Das ist für die Zukunft sicher ein Vorteil."