Naturschutz Alles im Fluss

Ein Interessensbündnis hat bislang 2000 Unterschriften für einen dritten Nationalpark in den Donau- und Isarauen gesammelt. Ministerpräsident Markus Söder will Mitte April erklären, ob oder wie es mit den Plänen weitergeht

Von REgina Bluhme, Erding

Das Motto ist klar: "Höchste Zeit, mehr Wildnis zu wagen." Wenn es nach dem Bündnis Auennationalpark geht, dann wäre ein Nationalpark in den Donau- und Isarauen genau der Schritt in die richtige Richtung. Seit kurzem werden Unterschriften dafür gesammelt. Etwa zweitausend sind laut den Organisatoren inzwischen zusammengekommen. Der Schutzbereich für die Auen könnte sich auch auf einen Zipfel im Landkreis Erding erstrecken im Bereich von Gaden. Allerdings stehen die Pläne für einen dritten Nationalpark in Bayern seit dem Abgang von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) auf der Kippe. Ob das Projekt unter seinem Nachfolger Markus Söder noch Chancen hat, ist fraglich. Er will sich erst in der Regierungserklärung Mitte April dazu äußern.

"Eine Mehrheit in Bayern wünscht sich einen dritten Nationalpark", davon ist Christine Margraf überzeugt. Die Artenschutzreferentin des Bund Naturschutz (BN) für Südbayern und stellvertretende BN-Kreisvorsitzende aus Freising sieht sich durch mehrere Umfragen bestätigt. Zu den bestehenden Parks in Berchtesgaden und im Bayerischen Wald sollte sich ein dritter gesellen. Rhön und die Donau-und Isarauen werden als mögliche Kandidaten gehandelt.

Das Bündnis Auennationalpark setzt sich in der Unterschriftenaktion für eine Region "von Donauwörth bis Kelheim und Freising" ein. Es wurde im Januar 2018 gegründet, vertreten sind Naturschutzverbände, Imker, Jäger und Grundstücksbesitzer aus den Landkreisen. Die exakten Grenzen müsse das Ministerium festlegen, aber Margraf kann sich gut vorstellen, dass ein kleiner Bereich des Landkreises Erding hineingenommen wird, "der Topbereich" Rosenau rund um Gaden in der Gemeinde Eitting. Der Auwaldbereich dort sei besonders wertvoll. Zudem sei der Freisinger Buckl bei Eitting mit seinem Trockenrasen ein "Hotspot der Artenvielfalt".

Ganz schön wild: Das Bild zeigt die Isar auf ihrem Weg durch das Naturschutzgebiet von Rosenau.

(Foto: Christine Margraf/oh)

Ein Nationalpark, der von den Donau- bis zu den Isarauen reiche, könne eine tolle Dynamik entwickeln, davon ist Manfred Drobny, Geschäftsführer der BN-Kreisgruppen Erding und Freising, überzeugt. Entlang der Isar befinde sich ein geschlossenes Auwaldband, bundesweit einmalig, betont Drobny. Die Donauauen seien die Heimat unzähliger Frühlingsblüher, wie Schneeglöckchen oder Blaustern. "Die beiden würden sich wunderbar ergänzen."

Allein im Naturschutzgebiet zwischen Marzling und Moosburg seien in den Waldflächen hochwertige Bestände von Totholzinsekten und von fast allen Spechtarten erfasst worden. In bereits renaturierten Bereichen zwischen Freising und Moosburg sei die Artenvielfalt enorm, zum Beispiel von Wildbienen, Wespen und Spinnen. Die Isar habe "ein enormes Renaturierungs- und Artenpotential", wenn man Flüssen ihre Fesseln nehme, ihnen durch Deichverlegungen Raum gebe und sie zumindest abschnittsweise wieder zu einem Wildfluss werden lässt, sagt Margraf. Die Projekte hätten auch hohe Synergieeffekte mit einem ökologischen Hochwasserschutz.

Laut bayerischem Umweltministerium sind Nationalparke "großflächige Naturräume, in denen sich die Natur weitgehend ungestört entwickeln kann". Festgelegt ist eine Mindestfläche von 10 000 Hektar. Das Gebiet wird in Zonen aufgeteilt. In der Kernzone soll sich die Natur möglichst ungestört entwickeln. Sie soll 75 Prozent der Fläche ausmachen, kann aber über einen Zeitraum von mehreren Jahren eingerichtet werden. Zusätzlich gibt es Rand- und Pflegezonen, in denen zum Beispiel "Borkenkäfermanagement, waldbauliche Maßnahmen oder Beweidung dauerhaft durchgeführt werden können". Die Isarauen hätten noch einen großen Vorteil, "weil hier fast alles Staatswald ist", betont Margraf.

Ein Nationalpark erntet nicht nur Zustimmung, wie sich bei Infoveranstaltungen bereits gezeigt hat. Ein Knackpunkt ist die forstliche Nutzung: Sie sollte weitgehend eingestellt werden, sagt Margraf. Die Bäume sollen alt werden dürfen, der Wald sich selbst überlassen sein. Fischerei sei "durch räumliche und zeitliche Zonierungen" noch möglich, ebenso die Jagd, allerdings "in eingeschränktem Maße und nach fachlicher Planung". Eine touristische Aufwertung, wie es im Bayerischen Wald geschehen ist, ist für Christine Margraf eher ein Nebeneffekt. "Wir brauchen keinen Massentourismus, wir wollen vor allem den Erholungseffekt betonen." Spaziergänger sollen "ein bisserl anders auf die Landschaft schauen und die Natur auch erleben können".

Christine Margraf vom Bund Naturschutz engagiert sich für einen dritten Nationalpark.

(Foto: Marco Einfeldt)

Doch alles ist im Fluss. Es gibt zwar den Kabinettsbeschluss vom Juli 2017, der besagt, dass die Nationalparkprüfung sowohl für die Auen als auch für die Rhön fortgesetzt werden soll. Der neue bayerische Ministerpräsident Markus Söder zeigte sich bislang dem Thema gegenüber eher kritisch. Ob sich Umweltminister Marcel Huber (CSU) ähnlich wie seine Vorgängerin und Parteikollegin, die Erdinger CSU-Landtagsabgeordnete Ulrike Scharf, für einen Nationalpark engagiert, ist bislang nicht bekannt. Auf Nachfrage bei der Pressestelle des Bayerischen Umweltministeriums ist lediglich zu erfahren, dass sich Söder bei seiner Regierungserklärung Mitte April "grundsätzlich zum Thema dritter Nationalpark" äußern wolle. "Dem wollen wir nicht vorgreifen", schreibt das Umweltministerium. Immerhin: Auf der Homepage wird das Projekt noch sehr detailliert dargestellt.

"Wie es ausgeht, kann kein Mensch vorhersagen", sagt Christine Margraf. Aber solange es keine endgültige Entscheidung dagegen gibt, will das Bündnis weiter Unterschriften sammeln, auf Papier und auf der Homepage des BN. Viele Politiker und Naturschutzgruppen hätten sich bereits sehr für einen dritten Nationalpark engagiert, "wenn das Projekt jetzt abgesagt wird, dann würde das für Unmut sorgen", davon ist Margraf überzeugt.