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Nach der Bundeswehrreform:Seehofer bietet Erding Hilfe an

Erding hat es hart getroffen. Der Bundeswehrstandort wird fast komplett aufgelöst. Doch von einem Treffen mit Ministerpräsident Seehofer kommt Erdings Bürgermeister Gotz mit guten Nachrichten zurück: Er hat eine Zusage für einen Kreuzungsbahnhof - und möglicherweise Neuigkeiten zur dritten Startbahn. Doch nicht alle Teilnehmer interpretieren die Aussagen Seehofers gleich.

Antonia Steiger, Matthias Vogel und Florian Tempel

Die Bundeswehrreform trifft Erding hart. Von etwa 1190 militärischen Dienststellen und zivilen Arbeitsplätzen bleiben nur 220 erhalten. Außer dem Wehrwissenschaftlichen Institut Wiweb und einigen Dienststellen, die in Kooperation mit dem Triebwerkshersteller MTU bestehen, wird der Großteil des Standorts geschlossen. Die Politik hat den Gestaltungsraum bereits genutzt: Von einem Gespräch in der Staatskanzlei ist Bürgermeister Max Gotz (CSU) am Mittwochabend mit der Zusage zurück gekommen, dass Erding einen neuen Kreuzungsbahnhof auf dem Fliegerhorst bekommen soll.

Gotz interpretierte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) dahingehend, wie er sagt, dass die dritte Startbahn erst gebaut werde, wenn für die Schienenprojekte S-Bahn-Ringschluss und Walpertskirchener Spange "unumkehrbare Fakten" geschaffen worden seien. Dies habe Seehofer so gesagt. Damit steht für Gotz fest, dass erst Baurecht und Finanzierung für den Ringschluss inklusive Walpertskirchener Spange feststehen müssten, bevor der Bau der dritten Startbahn beginnen könne. Noch in diesem Jahr sollten konkrete Pläne für die Infrastrukturmaßnahmen ausgearbeitet werden. An dem Konzept sollen neben Zeil auch Innenminister Joachim Hermann, Finanzminister Georg Fahrenschon (beide CSU) sowie die beiden Landräte aus Erding und Freising, Martin Bayerstorfer und Michael Schwaiger mitwirken.

Andere Teilnehmer interpretieren das Gespräch jedoch anders. Zeil knüpfte zwar ebenfalls einen Zusammenhang zwischen der dritten Startbahn und dem Ringschluss, aber weniger konkret: Die Projekte und deren Finanzierung für eine verbesserte Schienenanbindung des Flughafens wie der Erdinger Ringschluss sollten festgezurrt werden - damit man mit deren Umsetzung sofort beginnen könne, sobald erste Urteile zum Bau der geplanten dritten Startbahn vorlägen.

Von dem Treffen solle ein Signal ausgehen, dass die Regierung bei der dritten Startbahn bei ihrem Versprechen bleibe, sie nicht ohne angemessene Verkehrserschließung zu verwirklichen. Tatsächlich einigten sich die Politiker darauf, ein Konzept mit Maßnahmen und Zeitabläufen zu "konkretisieren", wie Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) sagte. Gotz sagte, Seehofer habe bei der Konferenz bestätigt, dass Ringschluss und Walpertskirchener Spange mit einem Kreuzungsbahnhof auf dem Fliegerhorstgelände realisiert werden sollen. Die Südeinführung der Walpertskirchener Spange sei damit vom Tisch.

Nach Auffassung des SPD-Bundestagsabgeordneten Ewald Schurer stehen die Entscheidungen zur fast kompletten Auflösung des Fliegerhorstes und für den Bau eines Kreuzungsbahnhofes in engem Zusammenhang. Die Bayerische Staatsregierung habe es am Engagement für den Fliegerhorst fehlen lassen, sagt Schurer und beruft sich dabei auf Susanne Kastner, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses. Ihr zufolge habe Verteidigungsminister de Maizière gesagt, dass Seehofer wenig Interesse am Erhalt des Standortes gezeigt habe. Seehofer habe die drastische Reduzierung "billigend in Kauf genommen", befand Schurer. Der Verteidigungsminister habe den Eindruck mitgenommen, dass der Standort Erding nicht mehr wichtig sei, da man so den neuen Bahnhof bauen könne. Tatsächlich müsste für den Kreuzungsbahnhof "aber nicht der Bundeswehrstandort geopfert werden", sagte Schurer.

Aufgelöst werden das Luftwaffeninstandhaltungsregiment 1, das Systemzentrum Luftfahrttechnik ebenso wie das Materialdepot und die Sanitätsstaffel. Wie schnell die Abteilungen geschlossen werden, ist nicht klar. Die Bundeswehrreform soll spätestens bis 2017 umgesetzt sein. Der stellvertretende Regimentskommandeur Heiko von Roeder sagte: "Wir wussten ja theoretisch, dass das Personal sehr stark reduziert werden würde. Dass aber in diesem großen Ausmaß zu hören, ist noch einmal eine ganz andere Nummer."

© SZ vom 27.10.2011/bica

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