Museum Erding Von der Wehrmacht bis zum Warteraum Asyl

Sonderausstellung "80 Jahre Fliegerhorst Erding" zeigt von 6. Mai an die vielseitige Geschichte der Militäranlage

Von Simon Gross, Erding

"Es wird hoch emotional werden, das habe ich schon im Vorfeld gemerkt", sagt Museumsleiter Harald Krause: "Bei vielen Besuchern werden Erinnerungen hochkommen. Die Verknüpfungspunkte zwischen der Stadt und dem Fliegerhorst sind einfach so vielfältig." Das Erdinger Museum bietet von Samstag, 6. Mai, an in der Sonderausstellung "80 Jahre Fliegerhorst Erding" Besuchern die Möglichkeit, auf die bewegte Geschichte des Militärstandorts zurückzublicken. Von der Zeit des Baus unter der Wehrmacht bis hin zur aktuellen Nutzung des Geländes durch den Warteraum Asyl stellt das Museum zahlreiche Objekte aus. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Beziehung zwischen den Einwohnern der Stadt und dem Fliegerhorst. Bis Ende Januar 2018 wird die Ausstellung zu sehen sein.

Krause stellt zusammen mit 15 ehrenamtlichen Helfern des Museums und Ehemaligen des Fliegerhorsts die Ausstellung auf die Beine. Wie viele Objekte sie insgesamt zusammengetragen haben, könne er nicht sagen. Das größte Objekt sei jedenfalls ein zwei mal vier Meter großes, vertikales Holzmodell des Fliegerhorsts, das die 360 Hektar große Anlage detailgetreu wiedergebe, sagt Krause. Beeindruckend seien ebenfalls eine originale Pilotenausrüstung, ein Schleudersitz und ein Bugfahrwerk eines F-104 Starfighters. Neben Stücken aus dem museumseigenen Bestand und Leihgaben des Fliegerhorsts hatte das Museum auch die Bevölkerung dazu aufgerufen, private Erinnerungsstücke für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen. "Das war uns wichtig, weil wir nicht nur die militärische Seite abbilden, sondern auch die vielen persönlichen Bezüge zum Fliegerhorst zeigen wollen. Die Ausstellung richtet sich schließlich nicht nur an militärische Fachleute", sagt Krause.

Mit dem Rücklauf aus der Bevölkerung ist er zufrieden. Unter den privaten Leihgaben seien ganz besondere Stücke, wie eine Autogrammkarte von Heinz Rühmann. Der hatte 1941 in dem Spielfilm "Quax, der Bruchpilot" die Hauptrolle gespielt. Gedreht wurde die Komödie damals unter anderem auf dem Fliegerhorst Erding. Seltenheitswert habe aber auch das Porzellangeschirr aus amerikanischen Haushalten, das noch aus der Besatzungszeit nach 1945 stammt. Krause rechnet damit, dass sich während der Ausstellung weitere Menschen melden werden, die Gegenstände, aber auch Erinnerungen mit den Besuchern teilen wollen: "Wir hoffen darauf, Interviews mit Zeitzeugen führen zu können, die zum Beispiel noch den Bombenangriff auf Erding während des Zweiten Weltkriegs miterlebt haben", sagt Krause.

Bewegende Geschichten stammen aber auch aus der heutigen Zeit. Die Ausstellung zeigt Zeichnungen von Flüchtlingskindern, auf denen untergehende Boote auf dem Mittelmeer zu sehen sind. Zudem sollen Alltagsgegenstände aus dem Warteraum Asyl und von der Flüchtlingshilfe einen Einblick in das Leben der Flüchtlinge ermöglichen. "Es ist auch unsere Aufgabe die Gegenwartsgeschichte zu dokumentieren", sagt Krause.

Seit bereits Anfang 2016 laufen die Vorbereitungen für die Ausstellung. Ursprünglich war die Eröffnung für vergangenes Jahr geplant. Aufgrund gesundheitlicher Probleme des Museumsleiters, musste sie mehrfach verschoben werden. Der neue Zeitpunkt sei allerdings gar nicht so schlecht, sagt Krause. Schließlich feiere die Bundeswehr am 20. Mai ihren offiziellen Abschied aus Erding. Tags darauf können Besucher am internationalen Museumstag umsonst die Ausstellung besichtigen. Als Höhepunkt der Veranstaltung ist ein Autokorso mit historischen Fahrzeugen durch die Stadt geplant.