München-Mühldorf Zug um Zug

Der Bahnausbau München-Mühldorf geht langsam voran.

(Foto: Tobias Leuchtner)

Der Bahnausbau München-Mühldorf geht langsam voran. Kaum zu glauben, dass die EU die Strecke als Teil einer europäischen Magistrale von Paris bis Bratislava identifiziert hat.

Seit 143 Jahren hat sich die Bahnstrecke zwischen Markt Schwaben und Ampfing wenig verändert. Für Eisenbahnfotografen ist das ein Erlebnis. Wo gibt es das noch, dass Züge über ein einziges Gleis ohne Oberleitung durch die Landschaft zuckeln, uralte Signale per Hand gestellt werden und Bahnwärter die Schranken rauf- und runterkurbeln? Der Ausbau der Strecke um ein zweites Gleis und ihre Elektrifizierung ist ein sehr alter Gedanke und war noch in jedem Bundesverkehrswegeplan gelistet. Zudem hat man bei der EU die Strecke als Teil eine europäischen Magistrale von Paris bis Bratislava identifiziert. Vor allem aber ist der Ausbau aus regionaler Sicht notwendig. Die südostbayerische Chemieindustrie braucht ihn als Transportweg und über eine Walpertskirchener Spange könnten Regionalbahnen bis zum Flughafen fahren. Der Ausbau erhöht die Kapazität auf mehr als 210 Züge täglich.

Nach langem Hin und Her - vor allem nach viel Stillstand - ist vor zwei Jahren Schwung in die Sache gekommen. Im Herbst 2013 haben die technischen Vorplanungen begonnen. Der Ausbau kommt deshalb mit Sicherheit in den Bundesverkehrswegeplan. Doch wann die Bauarbeiten anfangen werden, ist noch nicht vorherzusagen.

Denn: Der Bahnausbau kostet viel Geld, mindestens eine Milliarde Euro. Deshalb gibt es eine entscheidende Vorgaben: Sparen, wo es geht. Ästhetische Überlegungen und städtebauliche Wünsche der Kommunen spielen da keine Rolle. In Dorfen droht die Verschandelung der Südseite der Stadt durch monströse Straßenbrücken und kilometerlange Lärmschutzmauern. Eine Bürgerinitiative fordert eine Tieferlegung der Gleise in einem Trog. Politiker aller Parteien habe ihre Unterstützung zugesagt. So wie es aussieht, ist aber nichts zu machen.