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Mobilitätskonzept für Taufkirchen:Ein Auto soll reichen

In der Ortsmitte von Taufkirchen reißt der Verkehr nicht ab. Ein Mobilitätskonzept soll zumindest den innerörtlichen Verkehr reduzieren.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Gemeinde bittet Bürger, Verwaltung, Fachverbände und große Arbeitgeber, mit kreativen Vorschlägen mitzuwirken

Zwei kreuzende Bundesstraßen mit einem erheblichen Schwerlastverkehrsaufkommen, schlechte Busverbindungen und kein Bahnanschluss: Taufkirchen hat ein massives Verkehrsproblem. Der Gemeinderat hat nun ein Mobilitätskonzept in Auftrag gegeben, das etwas daran ändern soll. Bürgermeister Franz Hofstetter (CSU) sagte, die Zielsetzung dabei sei, dass "nicht jede Familie zwei Autos braucht, sondern irgendwann auch eines glangt".

Die Gemeinde hat sich mit diesem Anliegen an das Münchner Büro Obermeyer gewandt, Fachplaner des Projekts ist Helmuth Ammerl. Mit seiner Unterstützung hat die Gemeinde bereits den Fußgängerüberweg auf Höhe des Rathausplatzes umgesetzt, gegen den anfangs massiven Widerstand des Straßenbauamtes. "Er berät uns seit vielen Jahren in verkehrstechnischen Fragen", sagte Hofstetter, "er kennt die Situation in Taufkirchen sehr gut."

In Taufkirchen ist es üblich, bei solchen Projekten erst einmal den Sachverstand der Bürger zu bemühen und deren Vorschläge einzuholen. Das soll auch in der ersten Projektphase des Mobilitätskonzeptes geschehen. Geplant ist eine Haushaltsbefragung per Stichproben; Hofstetter wird eine Reihe von Bürgern anschreiben und sie um ihre kreative Mithilfe bitten. Die Haushaltsbefragung kann Online beantwortet werden, wer will, kann aber auch einen Fragebogen im Rathaus ausfüllen. Ammerl sagte, es gehe dabei nicht nur darum, wo man bessere Verbindungen schaffen könne, sondern auch, unter welchen Umständen die Bürger bereit wären, aufs Fahrrad umzusteigen.

In dieser ersten Phase der Bestandsaufnahme sollen auch die Mitarbeiter der Verwaltung zur Definition der Ziele beitragen. Die größeren Arbeitgeber in Taufkirchen sollen mit eingebunden werden und Fachverbände wie der ADFC. Außerdem will man Prognosen und Trends einarbeiten: Wie verläuft die weitere Bevölkerungsentwicklung? Welchen Einfluss wird künftig die Digitalisierung haben?

Phase zwei betrifft die Konzeption: Dabei soll eine Verzahnung von MVV, ÖPNV, Radverkehr, Fußgängern und Elektrifizierung erreicht werden. Carsharing hält Ammerl hingegen nur in der Stadt für sinnvoll, auf dem Land verhindere es nicht Verkehr, sondern fördere ihn sogar: "Dann fahren auch diejenigen Auto, die selbst keines haben."

Diese ersten beiden Phasen sollen innerhalb von etwas mehr als einem Jahr abgeschlossen werden, bevor man mit Phase drei, der Umsetzung, und Phase vier, dem Monitoring, fortfährt. Kurzfristige Maßnahmen sollen bereits innerhalb von ein bis zwei Jahren erfolgen; das gesamte Projekt soll innerhalb der nächsten zehn Jahre spürbare Erfolge mit sich bringen.

Ohne den Ergebnissen einer Bürgerbefragung vorgreifen zu wollen, sagte Ammerl der SZ, könne er sich vorstellen, dass man in Taufkirchen beispielsweise mit mehr E-Bikes den Alltagsverkehr reduzieren könne. Das gelte nicht nur für Kurzstrecken bis zu fünf Kilometern, sondern könnte auch für Pendler nach Erding attraktiv werden, wenn man einen Radschnellweg in die Kreisstadt etablieren könnte. Außerdem müsste man in Taufkirchen mehr Fahrradabstellplätze anbieten und auch Ladestationen für E-Bikes.

Auch beim ÖPNV sieht Ammerl noch viel Luft nach oben. Das derzeitige Angebot sei zu gering, "Taufkirchen ist ganz schön abgehängt". Das erfordere langwierige Gespräche mit den Betreibern und dem Landratsamt, wie man eine Verbesserung des ÖPNV sinnvoll in das Mobilitätskonzept einbetten könne.

Der Gemeinderat hat der Umsetzung der ersten beiden Phasen des Konzepts einstimmig zugestimmt. Der Haushaltsansatz beläuft sich auf 61 000 Euro. Die Regierung von Oberbayern hat ebenfalls bereits zugestimmt und 60 Prozent Förderung in Aussicht gestellt.