Mitten in Erding Raus aus der Hitze

Was macht man, wenn es einem im Sommer heiß ist? Abkühlen. Und was macht man als Thermenbetreiber? Alternativen zum Saunen finden

Von Gerhard Wilhelm

Seit dem 1. Juni ist Sommer. Auf jeden Fall aus meteorologischer Sicht und in der Praxis genauso. Bei Temperaturen um die 30 Grad kommt man ganz schön ins Schwitzen. Freibäder, Seen, Weiher, Eisdielen und Biergärten haben Hochkonjunktur. Hauptsache man kann sich auf irgendeine Art erfrischen.

Was macht man aber, wenn man "die größte Therme der Welt" sich nennt und damit wirbt "die wohltuende Wirkung des türkisfarbenen, 34 bis 40 °C warmen Thermalwassers unserer staatlich anerkannten Heilquelle" zu genießen? Abgesehen davon, dass es 26 Sauna gibt, von römische Saunen bis hin zu zwei Dampfbädern. Von Körperwärme bis zu Gartemperatur. Mit dem Angebot kann man tatsächlich jemanden hinter den Ofen, den Saunaofen hervorlocken. Ist doch ein Traum: erst sich fast bei der Arbeit zu Tode schwitzen und danach noch ein paar Celsius drauf legen. Wo man sich im Winter nur ganz vorsichtig nach dem Saunabesuch sich in den Trog mit eiskaltem Wasser gewagt hat (in dem erstaunlicherweise fast immer Platz war), herrscht jetzt Andrang. Nur einfach raus aus der Hitze.

Dass der Hitzeüberschuss im Sommer nicht gerade geschäftsfördern ist, haben auch die Thermenbetreiber erkannt und flugs den "Musiksommer" ausgerufen. Die Thermenwelt wird zur "Musikparty- und Chill-out-Area" oder zur "klassischen Konzertbühne unter freiem Himmel" umgewandelt. Malle lässt grüßen, nur dass es Weißbier in Plastikgläsern statt Sangria aus Eimern gibt. Und es gibt "coolen DJ-Sound von DJ Tonic und Co." Der Co. heißt hoffentlich nicht Gin.

Aber zur Ehrenrettung muss man auch das Klassikprogramm im Ferienmonat August nennen. Die namhaften Streichquartette "Hallklang", "Prague Cello Quartet", "Munich Strings" und das "La Finesse Streichquartett" spielen dann und es gibt sogar eine Lange Thermenwelt-Nacht "Opera in Paradise" mit den Jungen Münchner Symphoniker. Und: irgendwie muss man als heißester Ort im Landkreis (für den man bezahlen muss) nun mal die Bude im Sommer voll bekommen. Wer das Eine oder Andere mag, kommt bestimmt auf seine Kosten und hat Spaß. Wer es mehr traditionell mag, der springt nach der Arbeit ins kühle Nass eines Sees oder Weiher, schwimmt ein paar Runden, und macht sich dann später auf, um eine Maß im Biergarten oder auf der eigenen Terrasse oder Balkon zu zischen.